Lieber echte Handarbeit anstatt am Rechner zu sitzen

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 Marcel Haug arbeitet an seinem Gesellenstück.
Marcel Haug arbeitet an seinem Gesellenstück. (Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Die Arbeit mit den Händen, das Handwerklich-Praktische: Marcel Haug aus Sigmaringendorf ist gerne Schreiner. Der Auszubildende bei der Scheerer Schreinerei Springer arbeitet gerade an seinem Gesellenstück. Der Telefonschrank wird zusammen mit anderen Gesellenstücken ab 16. Juli in den Räumen der Landesbank-Kreissparkasse Sigmaringen zu sehen sein.

„Durch meinen Vater habe ich viel Handwerkliches gemacht“, erzählt der 18-jährige Marcel Haug. Und so war für den damaligen Schüler der Sigmaringer Bilharzschule klar, seine berufliche Zukunft einmal im handwerklichen Bereich zu suchen. Bei einem Tag der offenen Tür bei der Bertha-Benz-Schule kam der Kontakt zu seinem späteren Arbeitgeber, die Schreinerei Springer aus Scheer, zustande. „So in der achten oder neunten Klasse muss das gewesen sein“, erinnert er sich.

Mit 15 Jahren beginnt Haug die Ausbildung

Schon mit 15 Jahren begann für ihn dann die Ausbildung zum Schreiner. „Das erste Lehrjahr fand hauptsächlich in der Schule statt“, sagt Haug. Einmal in der Woche sei er bei seinem Ausbildungsbetrieb gewesen. Ab dem zweiten Lehrjahr hingegen kehrte sich das Verhältnis um, dann war das Praktische im Vordergrund. Was ihn vor allem an der Arbeit des Schreiners reizt? „Weil man eben vieles mit der Hand macht“, antwortet Haug. Er könne für sich auch keinen Beruf vorstellen, bei dem man den ganzen Tag „nur vor dem Rechner sitzt“, ergänzt er.

Jeder Tag in der Schreinerei ist anders

Auch die Abwechslung schätzt Marcel Haug an seinem Beruf. Ob Möbelbau, Schränke oder Türen: „Jeder Tag ist anders.“ Der Beruf erfordert schon eine gewisse körperliche Leistungsfähigkeit. „So eine Tür kann schon einiges wiegen“, sagt der 18-Jährige und lacht. Heutzutage gehört auch viel Technik zum Schreinerberuf: Der Umgang mit CNC-Maschinen beispielsweise ist auch Bestandteil des Arbeitsalltags.

Baustellen geben interessante Einblicke

Nun gibt es verschiedene handwerkliche Berufe. Doch vor allem der Schreiner arbeitet mit Holz. Für Haug war das ein wichtiges Kriterium, denn er arbeite gerne mit diesem Werkstoff, wie er erläutert. Interessant fand es Haug auch, bei der Arbeit auf Baustellen mal einen Blick auf die anderen Gewerke zu werfen, beispielsweise, wie ein Maurer arbeitet. „Baustellen sind immer interessant. Da sieht man viel“, sagt er. Und praktisch-handwerkliche Fähigkeiten sind immer von Nutzen, beispielsweise wenn man mal ein eigenes Haus mit vielen Eigenleistungen bauen will.

Das Gesellenstück steht im Mittelpunkt einer Gesellenprüfung. Auf Grundlage einer Zeichnung wird es, so will es die Vorgabe, in zirka 80 Arbeitsstunden angefertigt. Die Junggesellen sollen dadurch ihre Leistungsfähigkeit zeigen. Marcel Haug hat sich für die Anfertigung eines „Telefonschränkchens“, wie er es nennt, entschieden.

Zum Ausgleich geht Marcel Haug am liebsten Wandern

Marcel Haug hat ein ungewöhnliches Hobby für einen 18-Jährigen: Er wandert gerne und ist Mitglied der Wandergruppe Mengen, einem Wanderverein. „Also ich bin der Jüngste da“, sagt er lächelnd. Am Wandern schätzt er vor allem die Entspannung: „Das beruhigt einen“, sagt er.

Dieser Tage endet seine Ausbildung. Er hofft, bald eine neue Stelle, dann als Junggeselle, zu finden.

Digitalisierung betrifft auch das Schreinerhandwerk

Wolfgang Springer ist Chef der gleichnamigen Schreinerei. Er findet, dass in der Schreinerausbildung das Traditionelle – sprich die Arbeit mit der Hand – vielleicht noch zu sehr betont wird. Dabei betreffe die Digitalisierung auch das Schreinerhandwerk, stellt er klar. Ein Schreiner muss demnach auch mit komplexen Maschinen umgehen können. Auch, was die Arbeit mit den Materialien anbelangt, beispielsweise die Oberflächenbeschichtung von Holz-Möbelstücken.

Auszubildende zu finden ist nicht leicht

Überhaupt muss ein Schreiner auch mit Kunststoffen, Stein, Metall und Glas umgehen. Aus Sicht von Wolfgang Springer gebe es noch etwas Wichtigeres als die Struktur der Ausbildung – nämlich überhaupt noch Auszubildende für den Schreinerberuf zu finden.

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