Leukämie: Wie der zwölfjährige Arda den Krebs besiegt hat

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Arda erzähl von seiner Krankheit
Ein Horror für alle Eltern: Der junge Arda aus Sigmaringendorf im Landkreis Sigmaringen bekommt im vergangenen Jahr die Diagnose Leukämie gestellt. Ein Schlag für die ganze Familie. Auch die Sigmaringendorfer sind entsetzt. Mit einer Spendenaktion, an der 1800 Menschen teilnehmen, unterstützen sie Arda. Und tatsächlich: Arda findet einen Spender. Der Junge kämpft und besiegt die Leukämie. Wir haben die Familie besucht und mit Arda gesprochen.
Mandy Streich

Ein Jahr ist es her, dass der zwölfjährige Arda aus Sigmaringendorf seine Knochenmarktransplantation bekommen hat und deshalb heute als krebsfrei gilt. Mitte April vergangenen Jahres hatte die DKMS einen geeigneten Spender für den an Leukämie erkrankten Arda gefunden. Am 9. Mai 2018 fand dann die Transplantation statt – genau vor einem Jahr. Heute hat Arda wieder längere Haare und möchte gerade alle möglichen Haarfarben ausprobieren, wie er lachend erzählt – trotzdem gehört weiterhin ein Mal in der Woche der Besuch im Krankenhaus mit zu seinem Leben.

Denn nach der erfolgreichen Transplantation kam der nächste Rückschlag: In Ardas Körper hatten sich Antikörper gebildet, die die gesunde Blutbildung hemmen. Dadurch hat er über 100 Bluttransfusionen bekommen – das beweist auch die lange Mutperlenkette, die die Krankengeschichte des Zwölfjährigen mit vielen unterschiedlichen bunten Perlen zeigt. Rund drei Meter zählt sie inzwischen und zeigt alle Bluttransfusionen, Chemotherapien, den ersten Haarausfall und weitere einschneidende Erlebnisse während des langen Krankenhausaufenthalts, der hinter der Familie Yücel liegt.

Wenn er lacht, lachen wir alle.

Filiz Yücel

Ruhig erklärt Arda die einzelnen Bedeutungen der bunten Perlen. „Mir fehlen jetzt nur noch zwei Perlen in der Sammlung“, sagt Arda. „Zum einen muss mein Zugangskatheter für die Bluttransfusionen und für die Chemotherapie rausgemacht werden und zum anderen gibt es noch eine Perle, wenn alles vorbei ist“, sagt er stolz.

Sechs Bestrahlungenin einem Jahr

Sechs Mal wurde er in dem Jahr Krankenhausaufenthalt insgesamt bestrahlt. Alleine musste er dann in dem Strahlentherapieraum bleiben, während seine Mutter vor einer dicken Türe aus Stahl auf ihren Sohn warten musste. „Es war schon sehr komisch so alleine in dem Raum zu sein“, sagt er. „Ich war ängstlich – jedes Mal wieder. Man gewöhnt sich nicht an das Gefühl“, sagt er. Am meisten erinnere er sich jedoch an die Nebenwirkungen und die Schmerzen, die er nach jeder Bestrahlung hatte. „Das ist so etwas, das man nicht vergisst“, sagt er.

Vor allem vermisse er im Moment seine Freunde. „Ich würde gerne wieder in die Schule gehen“, sagt er. Inzwischen hofft er, dass es nach dem Sommer endlich soweit ist. Einen Teil seiner Freunde hat er bereits beim Fußballhallenturnier in Sigmaringendorf wieder getroffen. Hier durfte er als Gast im Trikkot kommen, musste jedoch einen Mundschutz tragen, da sein Infektionsrisiko immer noch sehr groß ist. „Mein Immunsystem ist noch sehr schwach, ich muss bereits bei einer Erkältung ins Krankenhaus. Deswegen muss ich große Menschenmengen noch vermeiden“, sagt er.

Größtes Rückfallrisikoim ersten Jahr

Nächste Woche habe er dann aber ein Aufklärungsgespräch im Krankenhaus, in dem das weitere Vorgehen und auch eventuell die Entfernung seines Zugangs besprochen wird. „Wir hoffen, dass sich die Antikörper dann vom Acker gemacht haben“, sagt Filiz Yücel.

Innerhalb von sechs Monaten habe sich Arda zu einem jungen Erwachsenen entwickelt. „Das erst Jahr ist das Jahr mit dem größten Rückfallrisiko, aber das haben wir jetzt zum Glück überstanden. Jetzt ist auch solangsam ein Ende in Sicht. Wenn er lacht, lachen wir alle“, sagt Filiz Yücel. „So etwas wünscht man nicht einmal seinem ärgsten Feind“, sagt sie.

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