Klarinetten-Papa erhält Ehrenmedaille in Gold und Diamant

Lesedauer: 6 Min
 Grandios: Otto Schneider mischt seit 70 Jahren im Sig’dorfer Musikverein mit.
Grandios: Otto Schneider mischt seit 70 Jahren im Sig’dorfer Musikverein mit. (Foto: Elisabeth Weiger)
Elisabeth Weiger

Schon der außergewöhnliche Einmarsch des Musikvereins Sigmaringendorf in die gut besetzte Gemeindehalle deutete bereits auf frischen Wind im Ablauf des diesjährigen Jahreskonzerts hin. Zu den imposanten Klängen des Graf Waldburg Marsches bewegten sich die Musikanten von der großen Eingangstür in Dreierreihen entlang den Zuschauerreihen vor die Bühne, wechselten die Seiten und umrundeten unter großem Applaus mehrmals den Saal.

„Wir nehmen Sie mit auf eine Reise in die Fantasie“, versprach der erste Vorsitzende Peter Rebholz und übergab die Bühne den rund 40 Musikern, die mittlerweile auf der Bühne einsatzbereit Platz genommen hatten.

Mit der „Legende von Maracaibo“, dem sagenumwobenen Schicksal des spanischen Schiffes, eröffneten die Musiker den Abend und boten ein gleichermaßen spannendes wie unterhaltsames Werk des Kompositionsgenies Jose Alberto Pina.

„Music was my first love and it will be my last“ (Musik war meine erste Liebe und sie wird meine letzte sein) lautet die Botschaft des Musikers John Miles in seinem 1976 entstandenen Klassiker der Musikgeschichte mit dem schlichten Titel „Music“. Die Zuhörer genossen diesen Evergreen, dessen Besonderheit in seiner instrumentalen Vielseitigkeit sowie in den starken Kontrasten der einzelnen Strophen liegt.

Im nächsten Stück, der musikalischen Untermalung des Animationsfilmes „How to train your dragon“ begaben sich die Musiker in die Rolle von Wikingern und Drachen. Ob Kampf- oder Liebesszene, der Komponist John Powell findet den entsprechenden Klang und die richtigen Töne, wobei das Klarinettenregister sein Können souverän unter Beweis stellte.

Ehrungen verdienter Musiker, ausgesprochen von Peter Rebholz und Wolfgang Weishaupt, dem ehemaligen Bezirksvorsitzenden des Blasmusikverbandes, unterbrachen vor der Pause die Musikdarbietungen. Für ihre zehnjährige Mitgliedschaft im Verein wurden Joachim Ott und Magdalena Möhrle geehrt, für ihre zwanzigjährige Zugehörigkeit Matthias Speh und Simon Rebholz.

„Mir gefällt, dass alt und jung zusammen musizieren,“, meinte Trompeterin Magdalena Möhrle, die der Blaskapelle trotz beruflich bedingtem Wegzug nach wie vor die Treue hält und aufgrund ihrer Jugend das Durchschnittsalter der Musiker von 26 Jahren glaubhaft unter Beweis stellt.

Für ihre 30-jährige Mitgliedschaft und Verdienste um den Verein wurden Saskia Spiegelhalder und für ihre 40-jährige Zugehörigkeit Stefan Bayer und Wolfgang Möhrle mit dem goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet. Für jeden Jubilar hatte Wolfgang Weishaupt in seiner Dankesrede persönliche Worte parat, was die Zuhörer und die Musikkameraden mit großem Applaus kommentierten.

„Niemals hatte ich das Glück und die Freude, einen Musikkameraden für 70 Jahre ununterbrochenes Musizieren in seinem Verein ehren zu dürfen!“ Mit diesen Worten kündigte Weishaupt Otto Schneider an, den „Grandseigneur des Musikvereins Sigmaringendorf“, der als ein Vorbild für Kameradschaft und Zusammengehörigkeit zu einem Glücksfall für alle Altersgruppen wurde und von den jugendlichen Mitspielern liebevoll Klarinetten-Papa genannt wird. Unter Trommelwirbel, Ehrenmarsch und Standing Ovations seitens des Publikums nahm der Jubilar die Ehrenmedaille in Gold und Diamant und die Verleihungsurkunde sichtlich bewegt entgegen.

Mit lautmalerischen Elementen nach Afrika

Ein schwungvoller Auftakt eröffnete den zweiten Teil des Jahreskonzertes und setzte sich mit „The Rock“, dem Synonym für die berühmt-berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco, fort. Mit John Mortimer, einem der drei Arrangeure des Soundtracks zu diesem Actionthriller, entschieden sich die Sigmaringendorfer Musiker für eine Version, die sehr dramatisch die Stimmung des Films wiederspiegelt. Auf ihrer musikalischen Reise durch die Kontinente machte die Blaskapelle auch in Afrika Station und entführte das Publikum mit vielen lautmalerischen Elementen in die afrikanische Landschaft, seine Tier- und Pflanzenwelt. Flötentöne zauberten Sonnenstrahlen, tiefes Blech fletschte die Zähne, Schlagzeuger trommelten Botschaften in die Nacht und Klarinetten- und Saxofonspieler mutierten zu Gnus.

Kompositionen amerikanischer Musiker, zunächst ein Arrangement des Amerikaners Ron Sebregts zu dem Welthit „Heal the world” von Michael Jackson und anschließend „Mexicana“, eine Komposition im Stil traditioneller Mariachi Musik, setzten das Programm fort. Mit einer weiteren musikalischen Besonderheit, einem Stück für Blasorchester und Violine, gespielt von Miriam Holl, beendete Dirigent Thomas Schäuble ein rundum stimmiges Konzert, wofür sich die musikbegeisterten Zuhörer mit einem langanhaltenden, herzlichen Applaus bedankten.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen