Kinder sollen lernen, sich selbst zu behaupten

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Sie wollen Kinder stark machen: Arbeitserzieherin Nicoletta Giogiakas, Kinderschutzbeauftragter Steffen Aberle, Gewaltprävention
Sie wollen Kinder stark machen: Arbeitserzieherin Nicoletta Giogiakas, Kinderschutzbeauftragter Steffen Aberle, Gewaltpräventionscoach Marc Louia, Theresa Wernicke und der Vereinsvorsitzende Rolf Münzer (von links). (Foto: Cäcilia Krönert)
Cäcilia Krönert

Zum Thema Kindersicherheit, Gewalt- und Suchtprävention hat der Sportclub Sigmaringendorf am Mittwoch einen Informationsabend in der Donau-Lauchert-Halle veranstaltet. Marc Louia, Gewaltpräventionspädagoge aus Pfullingen, stellte sein Projekt „N.E.I.N“ Selbstverteidigung und Gewaltprävention“ für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter vor. Zum Thema Sucht und Vorbeugung bei Kindern erteilte Nicoletta Giogiakas, Arbeitserzieherin in Hausen im Tal, Aufklärung. Zukünftig bietet der Sportclub Sigmaringendorf zu diesen Themen für Kinder an.

Suchtgefahr bei Handy und Tablet

„Sucht beginnt bereits, wo Dinge des täglichen Lebens im Übermaß verwendet werden“, erklärte Rolf Münzer, Vorsitzender des Sportclubs Sigmaringendorf, der alle Gäste begrüßte. Geladen waren sowohl Eltern und Pädagogen aus der Gemeinde, als auch Interessierte von außerhalb.

Im alltäglichen Leben gebe es so viele Berührungspunkte mit Sucht und Gewalt, deshalb wolle man die Kinder für diese Gefahren mit dem notwendigen Rüstzeug ausstatten, sagte der Vorsitzende. Es gehe jeden etwas an, wenn etwas Auffälliges mit Kindern geschehe, informierte Referentin Nicoletta Giogiakas, die im Sportclub auch als Übungsleiterin tätig ist. Der Missbrauch von Handy und Tablet ruiniere heutzutage das Gedächtnis der Heranwachsenden, so die Referentin, die alle Anwesenden auch an ihre Verantwortung den jungen Menschen gegenüber erinnerte. Sport helfe bei der Suchtprävention und mache sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene stark, erklärte die Suchtberaterin, die im Sportclub das Kinderturnen leitet. Auch die Erwachsenen müssten sensibilisiert werden, sodass sie Kinder wahrnehmen und ernst nehmen – das verhindere, dass Kinder sich zum Selbstschutz abkapseln.

Auf der gleichen Philosophie baut das Projekt „N.E.I.N“ von Marc Louia auf, welches Kinder darin bestärken soll, auf ihr Bauchgefühl, auf ihre natürlichen Schutzinstinkte zu vertrauen. Laut Louia müssten Kinder raus aus der Opferrolle. Eltern sollten diese Schutzinstinkte daher nicht mit ihrer Erziehung schwächen, so der zertifizierte Pädagoge, der seit über 30 Jahren Kampfsport betreibt. „Das Küsschen für den ungeliebten Onkel“ etwa solle vom Kind nicht erzwungen werden.

Auch das Suggerieren falscher Gerechtigkeit, wie „Das hat er doch nicht so gemeint“ oder „Das hat doch gar nicht weh getan“ bei handgreiflichem Streit zwischen Kindern, sei Gift.

Kinder lernen „Nein“ zu sagen

Kinder sollten klar, laut und deutlich ein „Nein, das möchte ich nicht“ artikulieren können und von Erwachsenen akzeptiert werden, erklärte Louia. Auch Kindersicherheit, der Umgang mit fremden Personen, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Täterstrategien und altersgerechtes Kindersicherheitstraining kamen zur Sprache.

Die Leitung der Kurse im Sportclub übernehmen die Kinderschutzbeauftragten Steffen Aberle und Theresa Wernicke aus Sigmaringendorf. Ziel sei es, Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, auch damit sie sich in ihrem späteren Leben behaupten können, erklärte Münzer.

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