Dunkle Wolken über der Dorflinde: Nach der Empfehlung eines Gutachters muss sie gefällt werden.
Dunkle Wolken über der Dorflinde: Nach der Empfehlung eines Gutachters muss sie gefällt werden. (Foto: Corinna Wolber)
Schwäbische Zeitung
Corinna Wolber
Redakteurin

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, sind die Tage der alten Dorflinde in der Ortsmitte von Sigmaringendorf gezählt.

Ein vom Landratsamt beauftragter Sachverständiger ist nach einer intensiven Untersuchung des Baums zu dem Schluss gekommen, dass er aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden muss. Momentan gehe vor allem von der Baumkrone eine Gefahr aus: Dort sind „derart starke Schäden vorhanden, dass die Bruchfestigkeit nicht zu gewährleisten ist“, heißt es in dem Gutachten. Im Wurzel- und Stockbereich des Baumes sei die Fäule zwar „aktuell noch nicht als kritisch zu bezeichnen“. Die Holzzersetzung werde aber andauern, „und es ist in den nächsten Jahren auch mit einer Einschränkung der Standsicherheit zu rechnen“.

Bürgermeister Alois Henne informierte den Gemeinderat am Montag über die wohl erforderliche Fällung. „Diese Nachricht ist natürlich schlimm“, sagte er. „Aber wenn etwas passiert, sind wir haftbar.“ Hinzu komme, dass der Gutachter jede Maßnahme, den Baum zu erhalten, „als unverhältnismäßig“ bezeichnet, „da die wesentlichen tragenden Teile erheblich geschädigt und nicht mehr bruchsicher sind“.

„Mich beschäftigt das Thema sehr“, sagte Alois Henne am Dienstag. Er wolle noch einen Vor-Ort-Termin mit dem Gutachter vereinbaren. Vielleicht gebe es noch Hoffnung und die Möglichkeit, den Baum doch noch zu reparieren. „Einen Versuch wäre es mir wert, ich möchte nichts unversucht lassen“, sagte Henne. Den Versuch einer Reparatur gab es allerdings bereits vor rund 15 Jahren. Damals wurden Kronenverankerungen eingesetzt, eine Art Schutzgerüst. Das zog aber Folgeschäden nach sich: Durch „die zahlreichen Verletzungen“ sei „eine starke Holzzersetzung verursacht“ worden, schreibt der Gutachter. „Technisch gibt es keine sinnvolle Möglichkeit, die Seitenäste ausreichend zu sichern“.

Der Fachbereich Umwelt und Arbeitsschutz am Landratsamt folgt der Empfehlung des Gutachters und hat die Gemeinde aufgefordert, die Linde möglichst bereits im Oktober zu fällen. Da der Baum ein Naturdenkmal ist, macht die Behörde verschiedene Auflagen. So sollen etwa wenigstens zwei neue Linden gepflanzt werden – eine am Standort der Dorflinde und eine in der Umgebung, „sodass der Verlust des großkronigen Baumes wenigstens ansatzweise ersetzt wird“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem sollen in benachbarten Bäumen künstliche Fledermaushöhlen aufgehängt werden, da sich Fledermäuse in den Asthöhlen der Linde aufhalten.

Der Gemeinderat nahm die Informationen zur Kenntnis. Torsten Arendt regte an, sich den genauen Standort der neuen Bäume noch offenzuhalten und den Platz gegebenenfalls auch anders zu nutzen.

Die Dorflinde ist älter als jeder Einwohner von Sig’dorf – ihr Alter wird auf 150 Jahre geschätzt. Mit ihrer enormen Krone und einer Höhe von rund 16 Metern prägt sie das Ortsbild entscheidend mit.

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