Entwicklung aus Sig’dorf soll MS-Patienten helfen

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Es ist ein vielversprechendes Forschungsprojekt, das Multiple-Sklerose-Patienten Hoffnung auf eine besonders wirkungsvolle Therapie macht: Ein spezieller Applikator soll es künftig ermöglichen, einen Wirkstoff über die Nase der Patienten direkt ins Gehirn zu transportieren. Eine Firma in Sigmaringendorf im Kreis Sigmaringen entwickelt den Applikator – wir haben ihr einen Besuch abgestattet.

Die Sigmaringendorfer Firma Beiter ist an einem Forschungsprojekt beteiligt, das Multiple-Sklerose-Patienten die Perspektive auf eine besonders effektive Therapie eröffnen könnte. Wo normalerweise Spritzgusswerkzeuge für die Automobilindustrie gefertigt werden, arbeitet Konstrukteur Rolf Pfäffle derzeit intensiv an der Entwicklung eines Applikators, mit dem ein spezieller Wirkstoff über die Nase direkt ins Gehirn transportiert werden kann. Der menschliche Körper sorgt mit speziellen Schutzmechanismen wie der Blut-Hirn-Schranke normalerweise dafür, dass das zentrale Nervensystem schwer zu erreichen ist. Für die Behandlung von MS könnte die Erfindung des Applikators daher bahnbrechend sein. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein Biomolekül, das die Regenerierung von Nervenzellen anregt.

Aus einem Brainstorming ist ein konkretes Projekt geworden

An Rolf Pfäffles Arbeitsplatz ist ein 3-D-Drucker im Dauereinsatz. In regelmäßigen Abständen fertigt er diverse Prototypen, so auch welche des Applikators. Aktuell werden auch andere innovative Teile für medizinische Forschungszwecke sowie den täglichen Gebrauch entwickelt, die zum Teil auch schon patentiert sind. Rolf Pfäffle ist Feuer und Flamme für die Erfindung, an der ein internationales Konsortium im Verbund arbeitet. Das Forschungsprojekt „Nose2Brain“ (deutsch: von der Nase zum Gehirn), an dem zwölf Beteiligte mitwirken, wird mit insgesamt 6,5 Millionen Euro von der EU gefördert. Es ist auf vier Jahre angelegt und soll Ende 2020 abgeschlossen sein. Dass es so weit kam, ist eigentlich einem Zufall zu verdanken: „Ich habe sehr guten Kontakt zur Hochschule Biberach“, sagt Rolf Pfäffle. Mit ein paar Forschern saß er vor einer Weile privat zusammen, „und dann waren wir plötzlich mitten im Brainstorming“. Nun ist daraus ein sehr konkretes Projekt geworden – bereits in wenigen Jahren könnte der Applikator in Serie gehen. Die Lizenz dafür soll bei der Firma Beiter bleiben, die ihn dann auch selbst produzieren will.

Für die Patienten würde die neue Therapieform viele Vorteile bringen, „schmerzhafte Rückenmarkspunktionen wären nicht mehr erforderlich“, sagt Pfäffle. Der alternative Ansatz sieht vor, dass der Wirkstoff den Weg über das Blut umgeht und direkt ins Gehirn gelangt. Das Gehirn mit der umgebenden Flüssigkeit ist an dieser Stelle nur durch einen dünnen Knochen und einige Zellschichten von der Nasenhöhle getrennt. Der Wirkstoff kann diese Barriere durchdringen und das Gehirn auf kurzem Wege direkt erreichen. Er wird mithilfe eines Gelpflasters in der Nase eingesetzt. Für diesen Schritt wird der passende Applikator benötigt, der in Sigmaringendorf entwickelt wird. Rolf Pfäffle, der bei der Firma Beiter für Forschung und Entwicklung verantwortlich ist, konzentriert sich auf die Entwicklung des Applikators und der Mischeinrichtung für die verschiedenen Wirkstoffkomponenten.

Das Gerät ähnelt einem handelsüblichen Endoskop, die Applikation des Gelpflasters muss ein Arzt durchführen. Der Wirkstoff wird dann nach und nach freigesetzt.

Es ist ein vielversprechendes Forschungsprojekt, das Multiple-Sklerose-Patienten Hoffnung auf eine besonders wirkungsvolle Therapie macht: Ein spezieller Applikator soll es künftig ermöglichen, einen Wirkstoff über die Nase der Patienten direkt ins Gehirn zu transportieren. Eine Firma in Sigmaringendorf im Kreis Sigmaringen entwickelt den Applikator – wir haben ihr einen Besuch abgestattet.

der MS-Tag will auf die Nervenkrankheit Multiple Sklerose aufmerksam machen.
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