Zwei Sigmaringer Hautärzte gehen in den Ruhestand

Lesedauer: 6 Min

Wenn Dr. Uwe Voll und Dr. Ulrike Voll Ende 2019 in den Ruhestand gehen und sich kein Nachfolger findet, gibt es nur noch einen
Wenn Dr. Uwe Voll und Dr. Ulrike Voll Ende 2019 in den Ruhestand gehen und sich kein Nachfolger findet, gibt es nur noch einen Dermatologen im Kreis – der hat Aufnahmestopp verhängt. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Dermatologe Dr. Uwe Voll wird Ende nächsten Jahres mit der Marstallklinik für Lasermedizin und medizinisch-kosmetische Behandlungen und mit seiner dermatologischen Praxis in den Ruhestand gehen. Wenn sich kein Nachfolger findet, wird auch dessen Ex-Frau, Phlebologin (Venenärztin) Dr. Ulrike Voll, ihre Praxis Ende 2019 schließen. Die beiden betreiben keine Gemeinschaftspraxis, haben aber eine gemeinsame Rezeption und gemeinsame Mitarbeiter. Ihre Praxen sind in den Marstallpassagen untergebracht.

132 000 Patienten sind in der Datenbank der beiden Ärzte aufgelistet. Die Hautarztpraxis Dichmann in Bad Saulgau, die einzige Hautarztpraxis im Kreis, die noch Kassenpatienten behandelt, hat derweil einen Aufnahmestopp verhängt. Laut Kai Sonntag, Sprecher der kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), sind dann drei Hautarztsitze für den Landkreis Sigmaringen zu vergeben, wenn Uwe und Ulrike Voll in den Ruhestand gehen und sich kein Nachfolger finden sollte. Ob dann ein ausgewiesener Hautarztmangel im Landkreis besteht, kann Sonntag nicht beantworten. „Eine formelle Unterversorgung wird nicht von der KVBW festgestellt, sondern vom zuständigen Landesausschuss, in dem auch die Krankenkassen mit beteiligt sind. Der Landesausschuss prüft nach verschiedenen Kriterien die Versorgungslage. Ich kann einer Entscheidung des Landesausschusses nicht vorgreifen“, so Sonntag. Fest steht aber, dass sich die Lage für Kassen- und vor allem für Privatpatienten nicht verbessern wird. Nachfolger für die beiden Ärzte sind bislang keine in Sicht.

„Ich bin sehr intensiv auf der Suche nach einem Nachfolger. Wenn sich ein oder zwei Ärzte fänden, würde ich auch einige Tage im Monat weiter in der Praxis mitarbeiten“, sagt Dr. Ulrike Voll. Allein sei die Arbeit aber nicht zu stemmen. Die Chancen, einen Nachfolger zu finden, stünden schlecht. Und die Praxis allein zu betreiben sei für sie nicht möglich. „Das wäre unwirtschaftlich.“

Strenge Reglementierungen

„Es ist Wahnsinn, dass sich keiner findet, denn die Umsätze sind gut“, sagt die Ärztin. „Aber die Leute wollen nicht aufs Land, hinzu kommen die strengen Reglementierungen“, so Dr. Ulrike Voll. Sobald mehr Leistungen abgerechnet würden, wie im Durchschnitt üblich, würden sich die Krankenkassen zu Wort melden und mit Regress drohen. „Ich bin Ärztin mit Leib und Seele und liebe meine Patienten, aber wenn man dauernd das Gefühl hat, man bekommt gleich einen Schlag ins Genick, macht es keinen Spaß mehr.“

Auch Dr. Uwe Voll spricht von „absurden bürokratischen Hürden“. Er ist bereits seit fünf Jahren auf der Suche nach einem Nachfolger. Seit 38 Jahren betreibt er die Praxis, seit 1996 am Standort Marstallpassage. Voll behandelt seit drei Jahren nur noch Privatpatienten. Als er noch Kassenpatienten behandelte, habe er 50 000 Euro pro Jahr Verlust gemacht. Mit einem Satz von 18,86 Euro pro Quartal/Patient sei es für ihn trotz der Behandlung von 3000 Patienten pro Vierteljahr ein Verlustgeschäft gewesen. Die Honorarsätze sind in den Augen Volls veraltet. 90 Prozent seiner jetzigen Kunden sind privat versichert, zehn Prozent sind Kassenpatienten und bezahlen auf eigene Rechnung.

Die Lage für Patienten mit Hautleiden sei im Kreis Sigmaringen bescheiden. „Das System ist absurd, der Staat lässt Facharztpraxen auf diese Weise sterben und legt den Schwerpunkt auf Polikliniken, also medizinische Versorgungszentren (MVZ)“, so Voll, der in Tübingen Medizin und Psychologie studiert hat. Für viele Ärzte seien die Arbeitsbedingungen in Deutschland nicht mehr attraktiv, weswegen Mediziner auswandern würden. Er glaubt, dass Facharztpraxen nicht mehr ohne die Umstellung auf Privatpatienten überleben können.

Auch in der Phlebologie sehe es schlecht aus: „Ich habe schon keine Vertretung, wenn ich Urlaub habe“, sagt Venenärztin Dr. Ulrike Voll. „Alle, die Schmerzen im Bein haben, werden erst mal zu mir überwiesen.“ Die Gefäß-Chirurgie in Pfullendorf sei zwar auch eine Anlaufstelle. Aber sonst gebe im näheren Umkreis keine Ärzte dieser Fachrichtung.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen