Zukünftige Kreisräte werden zu politischer Arbeit befragt

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 Die beiden Moderatorinnen Renate Sigrist (links) und Nadine Pusch befragten 22 Kreisrat-Kandidaten.
Die beiden Moderatorinnen Renate Sigrist (links) und Nadine Pusch befragten 22 Kreisrat-Kandidaten. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Der Kreisjugendring Sigmaringen hat die Kandidaten des Kreistags zu einer Befragung auf die Ruine Hornstein eingeladen. Zu der Vorstellungsrunde von Kandidaten der CDU, den Freien Wählern und den Grünen/Bündnis 90 waren mehr Interessierte gekommen als erwartet. Die Themen des Abends waren Jugendarbeit, Öffentlicher Nahverkehr, Digitalisierung sowie Klimaschutz.

Die Jugendlichen mit ihren Anliegen ernst zu nehmen, ist nicht nur dem Kreisjugendring wichtig. Die Jugend wird im Landkreis politischer, mehrere junge Erwachsene ließen sich für den Kreistag aufstellen. Welche Ideen für die Zukunft des Kreises den zukünftigen Kreisräten aller Altersstufen von Belang sind, sollten die Zuhörer in gut zwei Stunden heraushören oder erfragen können. Die Vorsitzende des Kreisjugendrings, Marlene Wetzel, begrüßte die insgesamt 22 Kandidaten, vier der Freien Wähler, zwölf der Grünen/Bündnis 90 und sechs von der CDU. Die Beisitzerin Renate Sigrist und Nadine Pusch eröffneten die Moderation mit einer 30-Sekunden-Vorstellung.

Zunächst wurde mit einem Fragespiel zu Politik, Jugend und Wahl das Publikum getestet. Bei der Millionenfrage ging es darum, ob bekannt ist, dass bei der Gemeindeordnung unter § 41 das Recht auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen geregelt ist. Dann wurde es ernst: „Wie wichtig ist Ihnen die Jugendarbeit und was tun Sie zur Förderung und Stärkung des Ehrenamts konkret?“ Konkret sei schwierig, so Horst Arndt von den Freien Wählern, denn die jeweiligen Aufgaben würden ja an einen herangetragen werden.

Mit Ehrenamtlichen anders umgehen

Die 21-jährige Hanna Stauß von den Grünen lebt Jugendbeteiligung seit vier Jahren und findet es wichtig, dass sich Jugendliche in den Gemeinden und dem Kreis wahrgenommen fühlen und engagieren. Johannes Kretschmann, ebenfalls von den Grünen und als Kreisrat bereits aktiv, warf ein, der Kreistag müsse mit Ehrenamtlichen anders umgehen. Konkret forderte er, dass die beiden Sitzungen der 42 Kreisräte, wovon 22 Bürgermeister seien, die Sitzungszeiten für Ehrenamtliche arbeitszeitfreundlicher gelegt werden. Rita Hafner-Degen von der CDU sah die positive Seite der Jugendarbeit: Zehn Prozent des Haushalts würden bereits dafür ausgegeben.

Der Sigmaringer Bürgermeister Marcus Ehm (CDU) möchte seine Bürger im Kreistag vertreten. Er bestätigt die Aussage der Freien Wähler, auf der „Kommunalebene ist die Parteifarbe nicht entscheidend“, es gehe um die Interessen seiner Stadt und des Kreises.

Das Thema „Öffentlicher Nahverkehr“ erhitzte die Gemüter. Der Kreis als Hauptverantwortlicher wurde für die bisherige Arbeit gelobt, andererseits wurde bemängelt, dass die Busse und Züge zu selten fahren. Ina Schultz (Grüne) sähe gerne ein 365-Tage-Ticket für das ganze Land. Kretschmann findet es unvernünftig, dass er als einziger an diesem Abend mit dem Rad gekommen sei. Außerdem könne man auch als Schlipsträger mit dem Bus fahren, es sei Kopfsache, ob man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem SUV fahre. Fiona Skuppin wohnt auf dem Land, brauche das Auto, nehme jedoch am liebsten Mitfahrer mit. Eine junge Frau aus dem Publikum sorgte sich, Mitfahrgelegenheiten seien nicht sicher genug.

Die Leiterin der Sigmaringer Jugendherberge bestätigte, dass der Öffentliche Nahverkehr das größte Problem sei. Oft müssten die Jungen in der Kälte stehen und man dürfe sich nicht wundern, wenn sie mit 18 den Führerschein machen und nie wieder mit dem Bus fahren wollen. Susanne Scham (Grüne) sieht in der Schweiz ein gutes Vorbild bezüglich des Öffentlichen Nahverkehrs und Abiturient Mathis Hoheisel (Grüne) kritisierte, Jugendliche könnten einen bestimmten Ausbildungsplatz ohne Auto oft nicht erreichen.

Beim Thema Klimaschutz fragte die Moderatorin neben „Fridays for Future“ nach der konkreten Haltung des Kreistags. Insgesamt wurde die Aktion gelobt. Der Schulleiter von Scheer, Alexander Speh, findet es erfreulich, dass es endlich eine Bewegung in der Bevölkerung gebe. Differenziert sah man im Bereich „ökologischer Fußabdruck“, inwieweit eigenverantwortlich gehandelt werden müsse und inwieweit die Politik einzuschreiten habe.

Beim Thema Digitalisierung waren sich die teilnehmenden Kandidaten ebenfalls einig, man dürfe den Anschluss nicht verpassen und habe noch viel zu tun. Zum Schluss konnten die einzelnen Vertreter wieder im 30-Sekunden-Rhythmus sagen, warum sie gewählt werden wollen und für was sie sich bei der Kreistagsarbeit als erstes einsetzen. Die Fragestunde zeigte auf lebendige Art und Weise einen Teil der Arbeit im Kreistag und machte gleichzeitig deutlich, wie viel es zu bedenken und zu entscheiden gibt.

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