Wo nichts sicher ist, ist alles möglich

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Mit Vorfreude und der nötigen Gelassenheit sehen die beiden Ensemble-Leiter Andreas Musen (links) und Günther Letsch der Jubilä
Mit Vorfreude und der nötigen Gelassenheit sehen die beiden Ensemble-Leiter Andreas Musen (links) und Günther Letsch der Jubiläumsshow am kommenden Samstag entgegen. (Foto: Peggy Meyer)
Schwäbische Zeitung
Peggy Meyer

Freunde des Improvisationstheaters sollten sich den kommenden Samstag, 14. April, um 20 Uhr im Alten Schlachthof vormerken. Das Ensemble Spieltrieb präsentiert seine Jubiläumsshow „Zehn Jahre Spieltrieb“ und wird neben bekannten Elementen erstmals eine Romantik-Comedy als Langform-Improvisationsformat auf die Bühne bringen. Ein komplettes Theaterstück, eine Art Liebesgeschichte, improvisiert aus den Impulsen des Publikums.

War bis vor einigen Jahren das Improtheater noch eher ein Geheimtipp, hat es sich mittlerweile fest in der Kunstszene etabliert. Kenner schätzen diese Form des Theaters, basierend auf Szenen ohne einen geschriebenen Dialog und mit weniger oder gar keiner vorbestimmten Handlung. Alles lebt vom Augenblick, von Emotionen und Impulsen, von der Spontanität, Fantasie, und ist oft eine Gratwanderung zwischen brillantem Spiel und grandiosem Scheitern.

Acht Schauspieler und zwei Musiker

Dieser Herausforderung stellen sich die acht Schauspieler und zwei Musiker von Spieltrieb. „Wir machen Improvisationstheater, um mit dem Publikum Geschichten zu entwickeln, die auch emotional in die Tiefe gehen“, sagt Andi Musen, einer der beiden Ensemble-Leiter. Er ist von Anfang an dabei, hat gemeinsam mit Günther Letsch das Projekt aus der Taufe gehoben.

Letsch war vor mehr als zehn Jahren Impulsgeber, ihm kam die Idee bei einem Theaterfestival in Friedrichshafen. „Ein weiterer Workshop für Schauspiel und Improvisation in Sigmaringen, und aus diesem Kurs ein paar talentierte Leute, das bildete den Grundstock.“ Vom anfänglichen Projekt hat sich Spieltrieb kontinuierlich zu einem vielseitigen, versierten und unterhaltsamen Amateurensemble mit professionellem Anspruch entwickelt. Das Bühnenbild wirkt gewollt spartanisch, Requisiten werden selbst dargestellt. Einen Plan B gibt es nicht. Denn wo nichts sicher ist, ist alles möglich.

Geprobt wird immer mittwochs. „Im Alten Schlachthof haben wir optimale Bedingungen, wir sind hier beheimatet und Teil des Vereins“, sagt Andi Musen, der seit vier Jahren auch als einer der Vorstände des Ateliers im alten Schlachthof e. V. fungiert. Im Sommer werden die Ateliers vorrangig für die bildenden Künstler genutzt, dann macht SpielTrieb eine großzügige Sommerpause.

Die Gruppe finanziert sich hauptsächlich durch die „Hutabgabe“, die von den Besuchern freiwillig und gern entrichtet wird. „Das Geld geben wir nicht in der Wirtschaft aus, wir decken damit unsere Kosten für Werbung, Miete und Mentoren“, so Letsch. Weiterentwickeln steht bei der Gruppe trotz großer Erfahrung nach wie vor ganz oben auf der To-do-Liste.

So stellt Musen rückblickend auf zehn Jahre Spieltrieb fest, dass „es keinen Stillstand gibt, die Drehzahl hoch ist und der Kick und die Dynamik in der Gruppe nach wie vor da“. Nachwuchssorgen plagen das Ensemble nicht ernsthaft. Dennoch würden sie sich über etwas „Verjüngung“ freuen. „Das Problem ist, junge Talente hier zu halten, da diese oft nach Schule oder Studium Sigmaringen verlassen“ so Musen weiter. Und Letsch merkt an, „dass ein Improtheater in einer Stadt wie Sigmaringen eher untypisch ist, Uni- oder Großstädte sind dafür prädestinierter“.

Hin und wieder bietet das Ensemble eintägige Workshops zum Schnuppern an. Neugier, etwas Talent und Mut, auch über den eigenen Schatten zu springen, mehr braucht man eigentlich nicht, sind die beiden Männer überzeugt.

Auf „puren Spaß“ wollen sie das Improtheater keinesfalls reduzieren. Nachdenklich sagt Musen: „Das Spielen ist herausfordernd, man wächst über sich hinaus und gewinnt selbst so viel für das Leben und das Selbstbewusstsein. Und man begegnet jedem Menschen, egal wie er tickt, viel toleranter und interessierter.“

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