Wildtierbericht sorgt für Diskussionsbedarf

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 Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband, Minister Peter Hauk, der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix, Moderator Ulrich Schraml, H
Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband, Minister Peter Hauk, der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix, Moderator Ulrich Schraml, Hilmar Freiherr von Münchhausen von der Deutschen Wildstiftung und Kraft Erbprinz zu Hohenlohe-Oehringen von den Familienbetrieben Land und Forst Baden-Württemberg (von links) diskutieren über aktuelle Jagdthemen. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg hat seinen Landesjägertag am Samstag in der Sigmaringer Stadthalle ausgerichtet. Auf den öffentlichen Vormittag mit Politprominenz und Podiumsdiskussion folgte eine verbandsinterne Delegiertenversammlung. Im Mittelpunkt stand der Wildtierbericht, der in Kürze veröffentlicht wird. Die Jagdhornbläser der Jägervereinigung Sigmaringen sorgten für Musik.

Landrätin Stefanie Bürkle stellte den Landkreis Sigmaringen mit seinem reichen Wald- und Tierbestand als „Paradies für Jäger“ vor. Bei Konfliktsituationen zeichne sich der Kreis durch seine Gesprächskultur und ein gutes Miteinander aus, sagte sie. Bürkles Lob gilt den Jägern, die mit 2000 erlegten Wildschweinen ihren Auftrag übererfüllt hätten. Unterstützt würden die Jäger beispielsweise durch gebührenfreie Aufbewahrungskontrollen der Waffen und kostenlose Trichinenproben. Von einer guten Zusammenarbeit sprach auch der stellvertretende Bürgermeister Klaus Kubenz, der in seinem Beruf als Polizist sehr schätze, dass die Jäger bei rund 1000 gemeldeten Wildunfällen pro Jahr im Kreis mitarbeiten. Als Anerkennung hat die Stadt Besitzer, die einen geprüften Jagdhund halten, von der Hundesteuer befreit.

Appell: Fakten statt Emotionen

Das Impulsreferat für die Podiumsdiskussion hielt Peter Hauk, Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. „Wenn wir über die Jagd diskutieren, brauchen wir Fakten und nicht Emotionen“, sagte er. Der Wildtierbericht, auf den alle mit Spannung warten, erscheine nächste Woche. Hauk forderte eine bessere Akzeptanz bei der Verwertung der erlegten Tiere. „Viele Menschen sehen darin ein Problem“, sagte er. „Deshalb müssen wir aufklären und ein Grundverständnis schaffen.“ Mit günstigem, „naturnahen“ Fleisch und mit Fellnutzung will der Minister die Wildbretvermarktung der Bevölkerung schmackhaft machen. Natur- und Artenschutz dürfe nicht übertrieben werden, sagte er.

Als Moderator für die Podiumsdiskussion stellte der Verbandsvorsitzende Jörg Friedemann den Wissenschaftler Ulrich Schraml vor. Dieser arbeitet als Professor für Forst- und Umweltpolitik an der Uni Freiburg. Zur Eröffnung der Diskussion fragte Schraml nach der Bedeutung des Wildtierberichts. Klaus Lachenmaier vom Landesjägerverband sieht darin einen Meilenstein. Akteure aus der Wildforschung, dem Naturschutz und dem Umweltministerium hätten sich zusammengesetzt und vereint, was bisher immer getrennt war. Diese umfassenden Daten seien eine gute Grundlage.

Das bestätigte Kraft Erbprinz zu Hohenlohe-Oehringen, der für die Familienbetriebe Land und Forst in Baden-Württemberg sprach. „Endlich wurde die Verpflichtung auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt“, sagte er. Enttäuscht sei er allerdings bei Einzelfragen, bei denen man sich gegen das Umweltministerium nicht durchsetzen konnte. Hilmar Freiherr von Münchhausen von der Deutschen Wildtierstiftung sieht ebenfalls die Notwendigkeit, auf Zahlen, Daten und Fakten rekurrieren zu können. Er kritisiert jedoch das Land, weil es den Antagonismus Jagd und Umwelt noch nicht überwunden habe. Peter Hauk verteidigt sich: Man habe die Daten so gut zusammengetragen wie es möglich gewesen sei.

Wolf ist Thema im Bericht

Als Beispiel für eine Reaktion nannte der Minister den Biber. Denn in zehn Jahren könnten aus 5000 Bibern 40 000 werden – mit unabsehbaren Schäden. Wenn sich eine Art etabliert habe, müsse man sie auch wieder aus dem Artenschutz herausnehmen können. Münchhausen sieht dies kritisch. Der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix (Bündnis 90/Die Grünen) verteidigt den Wildtierbericht leidenschaftlich. „Wir dürfen die eine Art nicht gegen die andere ausspielen“, sagte er. Man habe einen guten Anfang geschaffen und sei froh, dass der eine Wolf im Land ebenfalls im Bericht stehe. Die Gesellschaft verändere sich. „Es kommen Dinge zusammen, die bisher weit auseinanderlagen“, sagte Pix.

Hilmar Freiherr von Münchhausen kritisierte das Land für seine „nicht gemachten Hausaufgaben“. „Geben Sie dem Rothirsch endlich mehr Lebensraum“, sagte er und verwies auf nur vier Prozent Rotwild. Hohenlohe-Oehringen gab zu bedenken, dass Wald und Wild in einer komplexen Beziehung zueinander stünden. Pix verwies darauf, dass die Institutionen überlastet seien und es noch einige „weiße Flecken“ gebe. Er wünsche sich für den Luchs ein Weibchen. Man dürfe auch nicht nur auf die Jagd schauen, sondern müsse auch die im Land wichtige Holzwirtschaft in den Blick nehmen, so Hauk.

Zum Abschluss des Vormittags verabschiedete sich der im Juni scheidende Präsident des Deutschen Jagdverbands, Hartwig Fischer, vom Landesverband mit einem Rückblick und einer Zukunftsperspektive. Er kritisierte das „Wolfsmanagement“ der Bundespolitik, bat um Unterstützung bei der Nutzung der Felle und betonte: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Auch nicht beim Artenschutz. Keine Tierart, die dem Jagdrecht unterliegt, ist ausgestorben.“

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