Vorschlag: Soll das Obere Donautal für den Autoverkehr gesperrt werden?

 Traum vom autofreien Donautal? Unterhalb des gespaltenen Felsen ist die Straße derzeit wegen Bauarbeiten für den motorisierten
Traum vom autofreien Donautal? Unterhalb des gespaltenen Felsen ist die Straße derzeit wegen Bauarbeiten für den motorisierten Verkehr gesperrt. Nun schlägt der Campingplatzbetreiber eine dauerhafte Sperrung vor. (Foto: Michael Hescheler)
Redaktionsleitung

Die Sommersaison ist vorbei, Jörg Stadler macht den Sigmaringer Campingplatz gerade winterfest und wagt sich mit einem außergewöhnlichen Vorschlag aus der Deckung: „Wir sollten das Donautal für den motorisierten Verkehr sperren – so innovativ müsste man den Tourismus denken.“ Der Sigmaringer Campingplatzbetreiber möchte nicht, dass das Donautal ganz im Märchenschlaf versinkt. Das Gegenteil möchte er erreichen und mit der Verkehrsberuhigung die „Perle des Tourismus in unserer Raumschaft aufwerten“. Wie die Sperrung ausgestaltet würde, müsste im Detail noch ausgearbeitet werden, aber Anwohner sollten die Straße selbstverständlich weiter befahren können, so Stadlers Vorschlag.

Will ein autofreies Donautal: Jörg Stadler vom Campingplatz in Sigmaringen. (Foto: Michael Hescheler)

In eine ähnliche Richtung denken Roswitha und Klaus-Peter Bürkle, die in Gutenstein Ferienwohnungen vermieten: Schon vor zwei Jahren haben die beiden in einem offenen Brief an die Landrätin und an Kreisräte geschrieben, wie sie die aktuelle Verkehrssituation einschätzen.

Anwohner empfinden höhere Lärmbelastung

Seither ist – obwohl vom Landratsamt Maßnahmen angekündigt wurden – nach Einschätzung der Familie Bürkle nichts passiert. Aus Sicht der beiden Gutensteiner ist die Lärmbelastung im Donautal „eher angestiegen“. „An sonnigen Tagen quälen sich weiter Stoßstange an Stoßstange Motorradfahrer, aufgemotzte Sportwägen, superlaute Quads und röhrende Geländefahrzeuge, aber auch Horden von Cabrios, Oldtimern und normale Ausflugsfahrzeuge durch die Tunnels“, beschreibt Klaus-Peter Bürkle die Situation. Er selbst wohnt ganz in der Nähe eines Tunnels, kann die Situation also beurteilen.

Wenig Vorteile für den Tourismus

Und was hat das Donautal von dem Tourismus? Abgesehen von einigen Gaststätten wenig. Kaum jemand wolle sich an diese viel befahrene Straße setzen und in aller „Ruhe“ einen Kaffee trinken, schreibt das Ehepaar Bürkle in einem zweiten an die Landrätin Bürkle gerichteten Brief.

Darin verschärfen die beiden nun den Ton, da sie das Gefühl haben, dass die Bewohner und die Tierwelt in den Überlegungen der Politiker kaum eine Rolle spielen. „Wir sind absolute Nebensache“, schreibt das Ehepaar, da es weder Lärm- noch Geschwindigkeitskontrollen gebe und sich in den Abendstunden und an Wochenenden selten eine Polizeistreife ins Donautal verirre.

Selbst die Befürworter sind skeptisch

Wie also umgehen mit den Vorschlägen und den Gedankenspielen von Jörg Stadler und Familie Bürkle? Wenn selbst die Akteure, die strikte Maßnahmen fordern, nicht so richtig an eine Linderung glauben. „Eine generelle Sperrung des Tales halte ich aktuell für illusorisch und politisch für nicht durchsetzbar“, so die Einschätzung von Klaus-Peter Bürkle, der für einige Jahre für die Freien Wähler im Sigmaringer Gemeinderat saß.

Nachfrage beim Landratsamt

Nachfrage im Landratsamt: Die Sigmaringer Behörde ordnet Sperrungen an und klärt verkehrsrechtliche Fragen. Anja Schäfer vom Fachbereich Recht und Ordnung lässt über die Pressestelle schriftlich auf unsere Anfrage antworten. Eine Straße könne nur gesperrt werden, wenn eine Gefahrenlage bestehe, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung erheblich übersteige. Eine Gefahrenlage rechtfertige aber nicht gleich eine Vollsperrung. Die Landesstraße 277 diene dem überörtlichen Verkehr. Diesem Zweck würde eine Sperrung widersprechen.

Wäre ein Kompromiss denkbar? Also die Sperrung des Tales an einigen Sonntagen im Jahr? Klaus-Peter-Bürkle würde das begrüßen. Auf seinen Brief werde er noch eine Antwort erhalten, teilt Pressesprecherin Caroline Messerschmidt mit. Die Grünen und die Freien Wähler haben ihm bereits versichert, dass sie sein Anliegen noch einmal aufgreifen werden.

Die sollen noch einmal zählen, wenn das Donautal am Wochenende bei gutem Wetter voll ist.

Klaus-Peter Bürkle

Zum Motorradverkehr, der zuletzt häufiger in der Diskussion war, teilt das Landratsamt mit: Beschränkungen seien nur möglich, wenn dieser an bestimmten Tagen mehr als die Hälfte des Gesamtverkehrs ausmache. Zählungen im Jahr 2020 hätten ergeben, dass diese Zahlen nicht erreicht wurden. Somit könne keine Geschwindigkeitsbeschränkung ergriffen werden. Bürkle nennt die Zählungen eine „Farce“, weil sie zu falschen Zeiten erfolgt seien. „Die sollen noch einmal zählen, wenn das Donautal am Wochenende bei gutem Wetter voll ist.“

Gut für die Werbung

Dem Sigmaringer Campingplatzbetreiber schwebt eine Kampagne vor, die weit über das Donautal hinaus wahrgenommen werden würde: „Was könnte man daraus an Werbung machen?“ Am liebsten überregional würde er für das Donautal trommeln. Aus Sicht von Jörg Stadler sollten Elektrobusse über einen nutzerfreundlichen Takt die Gäste ins Donautal chauffieren. Ein kombinierter Wander- und Fahrradbus sollte den schwäbischen Grand Canyon seiner Meinung nach erschließen. Der Busverkehr der Linie 450 sei momentan so dürftig, dass ihn seine Gäste kaum nutzen würden. Der Campingplatz, der zugleich einen Kanuverleih betreibt, muss deshalb einen Shuttleservice anbieten, um seine Gäste an die Einstiegsstelle nach Gutenstein zu befördern.

Zurzeit fühlen sich Bewohner wie im Paradies

Zurzeit haben das Ehepaar Bürkle und andere Bewohner des Donautals Ruhe, denn zum einen ist die Saison vorbei und zum anderen die Landesstraße für einige Wochen wegen Belagsarbeiten komplett gesperrt. „Paradiesisch“ findet Bürkle den aktuellen Zustand. Aber schon im November, wenn die Bauarbeiten beendet sein sollen, wird der irdische Zustand wieder hergestellt sein.

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