Stefan Zier übernahm die Gärtnerei seiner Tante und seines Onkels in Fleischwangen.
Stefan Zier übernahm die Gärtnerei seiner Tante und seines Onkels in Fleischwangen. (Foto: Werner Knubben)
Werner Knubben

Wenn man beim „Rosenkavalier“ auf dem Sigmaringer Wochenmarkt den Wunsch: „Den selben Strauß, bitte“ artikuliert, bekommt man von Stefan Zier die Antwort: „Es gibt nicht zweimal den gleichen.“ Bei einem Besuch auf seinem Hof und in seiner Gärtnerei in Fleichwangen spricht er über sein Hobby, das heute Beruf ist.

Als Stefan Zier 1976 in Siebenbürgen in Rumänien geboren wurde, glaubte niemand aus seiner ungarisch sprechenden Familie, dass er eines Tages in die Heimat seiner Urururgroßeltern heimkommen würde. Jakob Zier aus Heggbach war 1712 mit den Donauschwaben nach Siebenbürgen umgesiedelt, um dort für seine Familie ein besseres Leben zu gestalten als es damals in Oberschwaben möglich war. Doch 1980 „verkaufte“ der rumänische Diktator Ceausescu viele Donauschwaben an die Bundesrepublik und die Tante von Stefan Zier konnte mit deren Ehemann als Spätaussiedler nach Fleischwangen ausreisen. Hier fanden sie Arbeit und ein Bauernhaus, gründeten eine Gärtnerei für Gemüse und Blumen und boten diese ab 1982 auf dem Wochenmarkt in Ravensburg an.

Damals war Stefan Zier gerade in die Grundschule seines Geburtsortes gekommen und seit Kindesbeinen an technischen Abläufen sehr interessiert. So schickten ihn seine Eltern als er 14 Jahre alt war auf das technisch ausgerichtete Gymnasium, das jedoch 100 Kilometer entfernt war. Man fand ein Zimmer für ihn bei einem über 90 Jahre alten Pfarrer, jedes Wochenende ging es mit dem Zug nach Hause, wo viel Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof wartete. Nach dem Abitur absolvierte er dann fünf Jahre lang an der Technischen Universität Klausenburg ein Studium der Elektrotechnik. Sofort nach dem Abschluss wanderte auch er nach Ungarn aus und arbeitete als Ingenieur und Projektmanager, meist am Schreibtisch. Für den Naturliebhaber war dies zu einseitig. In seiner Freizeit züchtete er erste Rosen, die er in einem Urlaub bei seiner Tante in Fleischwangen mit nach Ungarn nehmen durfte. Aus dem Hobby wurde große Leidenschaft. Es wurden so viele Rosen, dass er sie auf dem Markt in Debrezin verkaufen „musste“. Alsbald eröffnete er dort auch eine kleine Gärtnerei. 2009 kamen die Tante und der Onkel zu Besuch, sahen den fleißigen, erfolgreichen Rosenzüchter und luden ihn, seine Frau und die damals dreijährige Tochter ein, nach Fleischwangen zu kommen und ihre, inzwischen schon stillgelegte Gärtnerei zu übernehmen. .

Von Ungarn nach Fleischwangen

Die junge Familie gab alles in Ungarn auf, zog um und lebt und arbeitet seither auf dem Hof der Tante und des Onkels. Entscheidend für diesen Entschluss war die erhoffte Unabhängigkeit als Selbstständiger und die viel bessere Perspektive für die Tochter. Seit 2010 erfreut Stefan Zier nun seine Kunden auf den Wochenmärkten in Sigmaringen, Wangen, Ravensburg, Aulendorf, Wingarten und Bad Saulgau und wird darin teilweise von Mitarbeiterinnen unterstützt. Von Montag bis Samstag klingelt der Wecker um 3.10 Uhr. Dann werden die Blumen geschnitten, die Sträuße gebunden, der Lieferwagen geladen. Um 5 Uhr wird der Stand in Bad Saulgau aufgebaut, um 6 Uhr ist er schon in Sigmaringen. Feierabend gibt es immer erst spätabends. Oft wird es 22 Uhr und später. Stefan Zier liebt seine Blumen, die Rosen ganz besonders, und wenn er schon seine Lieblingsrose aussuchen müsste, dann wäre es die rosa Diadem. Stefan Zier liebt auch seinen Kontakt mit seinen Kunden am Marktstand. Und er liebt die Einsamkeit in den Gewächshäusern und auf dem Feld. Dann könne es auch sehr meditativ werden, oder er höre eines seiner vielen Hörbücher.

Wenn die Blumensaison Ende Oktober zu Ende geht, geht seine Arbeit aber nicht aus. Freirosen anhäufeln, Dahlienknollen ausheben, einjährige Pflanzen auf den Kompost bringen… Winterfrei gibt es über Weihnachten, dann geht es in die Heimat nach Ungarn. Die Maiglöckchen zeigen sich dann im Frühjahr. Wenn die neue Saison beginnt, programmiert der Elektroingenieur wieder seine Bewässerungsanlage, damit seine Lieblinge nicht verdursten, wenn er auf dem Markt ist.

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