Verschobene Abschlussprüfung stellt Realschulen vor Probleme

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Die Deutschabschlussprüfung an Realschulen verschiebt sich um neun Tage. Das hat vor allem für die betroffenen Lehrer weitreich
Die Deutschabschlussprüfung an Realschulen verschiebt sich um neun Tage. Das hat vor allem für die betroffenen Lehrer weitreichende Konsequenzen. (Foto: Roland Weihrauch/dpa)
Schwäbische Zeitung

Weil Unbekannte in einer Schule in Bad Urach einen Umschlag mit den Deutsch-Prüfungsaufgaben für Realschüler geöffnet haben, werden die Deutschprüfungen landesweit auf den 27. April verschoben. Eigentlich hätten sie am Mittwoch geschrieben werden sollen. Im Schulamtsbezirk, der die Landkreise Sigmaringen und Zollernalb umfasst, sind insgesamt 1100 Schüler betroffen, im Kreis Sigmaringen 388. Für die Realschulen hat die Verschiebung der Prüfung weitreichende Folgen: Sie bekommen insbesondere mit der Organisation der Abläufe massive Probleme.

„Für die Lehrer hat das Ganze große Konsequenzen“, sagt Hardy Fredrich, Schulleiter der Sigmaringer Theodor-Heuss-Realschule (THRS). Da sich die Prüfung um neun Tage nach hinten verschiebe, „haben wir große Mühe, Zeiträume für die Erst- und Zweitkorrekturen zu finden“. Jede Realschule habe eine Partnerschule, deren ebenfalls von der Abschlussprüfung betroffene Deutschlehrer die Zweitkorrekturen übernehmen – im Fall der THRS ist das die Laucherttalschule in Gammertingen.

Die Deutschlehrer beider Schulen treffen sich zu einer Besprechung, stimmen etwaige Besonderheiten ab oder was sonst noch wichtig ist“

sagt Fredrich. Dann gebe es zweieinhalb Wochen Zeit für die Erstkorrektur. Anschließend würden die Prüfungsklausuren getauscht, und der Zweitkorrektor habe dann auch noch einmal anderthalb bis zwei Wochen Zeit. Doch dieser Zeitrahmen kann diesmal nicht eingehalten werden: Am 22. Mai beginnen bereits die Pfingstferien. Außerdem finden in dem Zeitraum, in den nun die Korrekturen fallen, auch Studienfahrten statt, sagt Fredrich. „Einige Lehrer sind also überhaupt nicht da.“

Das Schulamt in Albstadt hatte am Dienstag die Aufgabe, alle Realschulen in ihrem Bezirk zu informieren. „Wir haben alle per E-Mail angeschrieben und gegebenenfalls angerufen, wenn wir keine Rückmeldung bekommen haben“, sagt Maximilian Groß, stellvertretender Schulamtsleiter. Seiner Meinung nach muss beim System nachgebessert werden, „gerade in Zeiten des Internets, in denen sich die Prüfungsaufgaben rasend schnell verbreiten lassen“, sagt er. Die Weitergabe der Prüfungsaufgaben müssten sich die Verantwortlichen daher nochmal genauer anschauen.

Die gehören verpflichtend in einen Tresor, an den nur Schulleiter und Stellvertreter herankommen"

sagt Groß. Kultusministerin Susanne Eisenmann erklärte am Dienstag, dass das Ministerium zu gewährleisten habe, „dass die Prüfungen wirklich für alle unbekannt sind. Wenn wir diesen Eindruck nicht haben, müssen wir leider reagieren“.

Hardy Fredrich hat dafür Verständnis: „Natürlich, aus ministerialer Sicht geht es nicht anders“, sagt er. „Aber für uns ist es trotzdem sehr ärgerlich.“ Seine Schüler wiederum hätten alles in allem gelassen reagiert. „Für die ist viel schlimmer, dass heute der Nachmittagsunterricht stattfindet“, sagt der Schulleiter. Der falle nämlich am Tag vor der Prüfung normalerweise aus, damit sich die Schüler vorbereiten könnten. Und ein bisschen Aufregung bringe die Verzögerung der Deutschprüfung schon mit sich: „Der Auftakt mit diesem Fach ist gut und hat sich bewährt“, sagt er. In Deutsch bewegten sich die Schüler auf sicherem Terrain und seien durch das bestehende Kompendium gut vorbereitet. „Mathematik ist für viele dann doch eher eine Angstprüfung.“

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