Trotz Bremse steigt Strompreis der Stadtwerke Sigmaringen um ein Drittel

 Die Stadtwerke Sigmaringen erhöhen ihren Strompreis um ein Drittel. Sollte die Strompreisbremse scheitern, wird es noch teurer.
Die Stadtwerke Sigmaringen erhöhen ihren Strompreis um ein Drittel. Sollte die Strompreisbremse scheitern, wird es noch teurer. (Foto: dpa)
Redaktionsleitung

Die Stadtwerke Sigmaringen kündigen eine massive Erhöhung des Strompreises zum Jahreswechsel an: Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt der Energieversorger, dass es zum 1. Januar merklich teurer wird. In einer Musterrechnung gehen die Stadtwerke von einer Erhöhung um 33 Prozent aus, wenn die von der Bundesregierung angekündigte Strompreisbremse kommt. Ohne die Strompreisbremse würde die Erhöhung 71 Prozent betragen.

Was der Geschäftsführer sagt

„Eine vergleichbare Situation wie die aktuelle haben weder ich in über 20-jähriger Tätigkeit in der Energiebranche, noch die Stadtwerke Sigmaringen in ihrer langen Historie erlebt“, wird Geschäftsführer Markus Seeger in einer schriftlichen Mitteilung zitiert, „für unsere Kunden ist die massive Preiserhöhung eine große Zumutung, dessen sind wir uns bewusst“.

Im Tarif SIG Strom classic bezahlen die Kunden momentan pro Kilowattstunde 32,12 Cent. Die Grundgebühr liegt bei 11,01 Euro/Monat. In einer Beispielrechnung muss eine vierköpfige Familie bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden derzeit insgesamt rund 1250 Euro für den Strom bezahlen. Ohne Strompreisbremse müsste die Familie im kommenden Jahr 897 Euro zusätzlich für den Strom ausgeben. Der monatliche Abschlag würde von 105 auf 180 Euro steigen.

Worst case: 57 Cent je Kilowattstunde

Pro Kilowattstunde würde der Strompreis auf etwa 57 Cent ansteigen, ergab eine Rechnung unserer Zeitung. Die Stadtwerke nennen zu den Einzelpreisen keine exakten Zahlen.

So wirkt sich Strompreisbremse aus

Laut der von der Bundesregierung beschlossenen Strompreisbremse, deren Details aber noch festgezurrt werden müssen, würde die Erhöhung jedoch deutlich moderater ausfallen.

Zurück zur Beispielfamilie: 80 Prozent ihres Stromverbrauchs wären durch die Bremse auf einen Preis von 40 Cent je Kilowattstunde gedeckt. Sollte die Familie nichts einsparen, müsste sie für die restlichen 20 Prozent den vollen Preis in Höhe von circa 57 Cent je Kilowattstunde bezahlen. Der Mehrpreis pro Jahr würde in diesem Fall bei rund 410 Euro liegen. Statt um 75 Euro würde der monatliche Abschlag um 35 Euro ansteigen.

Gründe für den Preissprung

Der Grund für den steigenden Strompreis ist die vom Gesetzgeber festgelegte Kopplung an den Gaspreis: „Wir verzeichnen, bedingt durch die ausbleibenden russischen Gaslieferungen, einen enormen Anstieg des Gaspreises, was wiederum zu einer exorbitanten Erhöhung der Strombeschaffungskosten für die Stadtwerke Sigmaringen führt“, erklärt Geschäftsführer Seeger den Mechanismus.

Der Strompreis an der Börse richte sich nach der teuersten Produktionsart: der Stromerzeugung in Gaskraftwerken. Das habe zur Folge, dass für die Stadtwerke Sigmaringen eine Strompreisanpassung „leider unausweichlich ist“, erklärt Geschäftsführer Seeger weiter.

In der vergangenen Woche hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke die Erhöhung beschlossen. In den kommenden Tagen werden die Kunden Post ihrem Energieversorger bekommen, in der die Erhöhung erläutert wird.

Entlastung für Gaskunden

Die Stadtwerke machen darauf aufmerksam, dass die Gaskunden bereits im kommenden Monat entlastet werden. Der Dezember-Abschlag für Haushalte und kleine Unternehmen wird vom Staat übernommen. Darüber hinaus soll es mit der Gaspreisbremse, die ab März 2023 bis Ende April 2024 vorgesehen ist, eine weitere Unterstützung geben. Diese Hilfe soll in Form einer Deckelung des Gaspreises auf 12 Cent/kWh erfolgen.

Nahwärmenetze sollen Kunden entlasten

Wie geht es für die Kunden der Stadtwerke weiter? „Wir arbeiten daran, Alternativen für unsere Kunden anzubieten“, kündigt Geschäftsführer Seeger an, ohne konkret zu werden. Vermutlich meint er damit die Wärmenetze, die in Sigmaringen künftig möglichst viele Haushalte mit kostengünstiger Energie versorgen sollen. Allerdings stehen die Planungen erst am Anfang.

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