Stadtverwaltung will Einkaufszentrum beerdigen

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Ab in den Reißwolf: Die ehrgeizigen Pläne für ein Einkaufszentrum beim Bahnhof sind Makulatur. Die Stadt empfiehlt dem Gemeinder
Ab in den Reißwolf: Die ehrgeizigen Pläne für ein Einkaufszentrum beim Bahnhof sind Makulatur. Die Stadt empfiehlt dem Gemeinderat, die Zusammenarbeit mit dem Investor Ten Brinke zu beenden. (Foto: Illustration: Ten Brinke)
Michael Hescheler

Die Stadtvewaltung möchte die Pläne für das In der Au gegenüber vom Bahnhof geplante Einkaufszentrum beerdigen. Das geht aus einer Gemeinderatsvolage hervor. Dem Investor sei es nicht gelungen, den von der Stadt verlangten Mietvertrag mit einem Ankermieter vorzulegen. Deshalb soll der Gemeinderat am kommenden Mittwoch das Aus für das Einkaufszentrum beschließen.

Laut der Sitzungsvorlage gelang es der Firma Ten Brinke nicht, die erforderlichen Unterlagen vorzulegen. Mit reinen Interessenbekundungen gab sich die Verwaltung nicht zufrieden. Sie forderte Ten Brinke im Dezember vergangenen Jahres auf, innerhalb von zwei Monaten einen Mietvertrag oder einen Vorvertrag mit einem Ankermieter vorzulegen. Nach unbestätigten Informationen hätten Textiler wie H&M oder New Yorker die Besucher in das Einkaufszentrum locken sollen. Außerdem hätte der weitere Mieterbesatz für das Einkaufszentrum konkretisiert werden sollen. Die Firmen wollten sich jedoch vertraglich nicht binden. Ten Brinke teilte der Stadt deshalb im Januar mit, dass ein „Mietvertrag auf Basis der ursprünglichen Planung nicht beizubringen sein wird“.

Dieses Schreiben veranlasste Bürgermeister Thomas Schärer zu seiner Kehrtwende. Das von der Firma Ten Brinke vorgelegte Konzept werde nicht mehr weiterverfolgt, die Zusammenarbeit mit dem Immobilienunternehmen solle beendet werden, heißt es in der Vorlage weiter.

Im Dezember 2013 hatte der Gemeinderat unter mehreren Angeboten das Konzept des Entwicklers Ten Brinke ausgewählt. Zwischen Bahnhof, dem Lidl-Areal, der AOK und dem Annahaus hätte ein Einkaufszentrum mit 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen sollen. Auf Basis eines Einzelhandelsgutachtens hatte die Stadt die Branchen, die im Einkaufszentrum erwünscht waren, festgelegt. Unter den Sigmaringer Einzelhändlern hatte dies zu Verwerfungen geführt. Viele von ihnen befürchteten, dass ihre Kunden in das Zentrum abwandern würden. Der Anschluss an die Innenstadt war aus ihrer Sicht nicht gewährleistet. Händler, die gegen das Einkaufszentrum waren, schlossen sich in der Initiative Sympathisches Sigmaringen zusammen. Sie verweigerten der Stadt die Zusammenarbeit - sollte sie an den Plänen für das Einkaufszentrum festhalten. Der Handels- und Gewerbeverein sah das Vorhaben zuletzt ebenfalls kritisch.

Großflächiger Handel an der Antonstraße?

Stattdessen möchte die Stadt nun prüfen, ob sich an der Antonstraße in den kommenden sieben bis zehn Jahren zwischen dem Runden Turm und dem Café Schön großflächiger Handel ansiedeln lässt. In Gesprächen mit den Eigentümern der Straßenzeile soll geprüft werden, ob sie ihre Häuser verkaufen möchten. Die Stadt möchte versuchen, dieses Quartier in ein Sanierungsprogramm aufzunehmen. Wenn ihr dies gelingt, würde das Land sich mit Zuschüssen an den Investitionen beteiligen. Damit greift die Stadt einen Vorschlag der Grünen auf. In der Haushaltsberatung hatte Fraktionssprecherin Ursula Voelkel den Plänen für das Einkaufszentrum außerhalb der Innenstadt als Erstes eine Absage erteilt.

Was mit dem Grundstück in der Au geschieht, das der Stadt gehört, ist unterdessen unklar. Die Stadt möchte prüfen, welche städtebauliche Entwicklung dort möglich ist. Wegen der verkehrsgünstigen Lage in der Nähe zum Bahnhof könnte dort ein berufliches Schulzentrum entstehen. Der Landkreis prüft derzeit, ob eine Sanierung oder ein Neubau der Bertha-Benz-Schule günstiger wäre.

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