Stadt Sigmaringen bewirbt sich um Online-Marktplatz

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Die Stadt, der HGV und der Marktplatz Donau bewerben sich auf ein Förderprojekt, das den Einzelhandel der Stadt im Internet Repr
Die Stadt, der HGV und der Marktplatz Donau bewerben sich auf ein Förderprojekt, das den Einzelhandel der Stadt im Internet Repräsentieren soll. Felix Cramer Projektkoordinator des Marktplatzes Donau, glaub, dass das Vorhaben von der Expertise seines Projekts profitieren kann. (Foto: A. Buchmaier)

Sigmaringen soll einen Online-Marktplatz bekommen, auf dem sich mindestens 22 Händler und Dienstleister aus Sigmaringen präsentieren können. Die Stadt hat sich in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung, dem HGV und dem Marktplatz Donau um einen Ideenwettbewerb beworben, der vom vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz ausgeschrieben wurde. Ziel des Online-Marktplatzes ist es, die Innenstadt mit ihren lokalen Produkten und Händlern attraktiver zu machen. Händler könnten sich dadurch besser vernetzten. Davon könnte auch die Innenstadtentwicklung profitieren.

Der Einzelhandel in der Innenstadt könnte sich vernetzen

„Amazon können wir in Sachen Preis und Angebotsvielfalt nicht schlagen“, sagt Felix Cramer, Kümmerer und Netzwerkmanager des Marktplatzes Donau. „Aber im Lokalen liegt die Schnelligkeit“, sagt er, und skizziert ein mögliches Szenario: Wer beispielsweise eine Flasche Wein kaufen möchte, aber keine Zeit hat, zum Händler zu gehen, könnte über den Onlinemarktplatz, bei dem alle beteiligten Unternehmen registriert sind, beispielsweise erst mal schauen, ob die gewünschte Flasche denn verfügbar ist. „Szenario eins: Der Kunde reserviert die Flasche und bezahlt sie direkt online, kann womöglich noch angeben, dass diese als Geschenk verpackt werden soll, und holt sie im Laden ab, ohne Wartezeit in Kauf nehmen zu müssen.“ Dafür könnte der Kunde einen Rabatt-Gutschein für den nächsten Einkauf erhalten. Ein zweites Szenario: Der Kunde schaffe es nicht bis Ladenschluss zum Weinhändler und bitte darum, die Flasche möge woanders abgegeben werden. Hier greife die Vernetzung: „Gastronomen beispielsweise haben sowieso abends auf. Die Flasche könnte also in ein Lokal gebracht werden. Der Kunde holt sie dort ab – und bleibt vielleicht dort noch auf ein Glas. So beleben wir nebenbei die Innenstadt“, skizziert Cramer. Auch ein Produktversand wäre möglich, nicht nur durch die Post, sondern durch „regionale Logistik“ – vorstellbar wäre es etwa, ein Elektrofahrzeug, beispielsweise der Stadtwerke, zu nutzen, eine eigens dafür eingestellte 450-Euro-Kraft fahre die Lieferungen aus, vorausgesetzt die Nachfrage sei da. „Oder man nutzt bereits vorhandene Ressourcen: Ein Pizzaservice fährt abends sowieso umher...“, regt Cramer an. Online-Shopping mit Sofort-Lieferung, eine Metzgerei, bei der man nicht mehr in der Schlange warten muss, weil man das Fleisch bereits online bestellt und bezahlt hat – all das sind Konzepte die durch den Online-Marktplatz real werden könnten. Cramer sieht darin nur Vorteile. Dass Dienstleister dadurch mehr unter Konkurrenzdruck geraten, könne er sich beim besten Willen nicht vorstellen. „Masse bewegt“, so Cramer. Auch, dass durch das Onlineshopping die Innenstadt nicht belebt wird, sondern im Gegenteil verwaist, hält Cramer nicht für realistisch. „Die Online-Platform sorgt für erhöhte Sichtbarkeit und treibt die Kunden ins Geschäft.“ Studien würden bestätigen, dass der klassische Einzelhandel unverzichtbar sei. „Die Kunden schätzen Service, Beratung und den sozialen Faktor“, ist sich Cramer sicher.

Online-Marktplatz soll vom Marktplatz Donau profitieren

Der neue Online-Marktplatz, um den sich Stadt, HGV und Marktplatz Donau nun bewerben, könnte aus der Sicht von Cramer von der Expertise, den Erfahrungen und Vernetzungen des Marktplatzes Donau profitieren. Der Marktplatz Donau, den Cramer koordiniert, besteht seit zweieinhalb Jahren und verfügt auch über einen eigenen Online-Auftritt. Dort bieten knapp 60 Nahversorger und Direkterzeuger ihre Produkte an.

Für Vermarktung, Marketing, Webauftritt und Vernetzung bezahlen die Akteure einen gewissen Betrag. Felix Cramer sorgt dafür, dass sich die Akteure vernetzen und vom gegenseitigen Erfahrungsschatz profitieren. Der von Land(auf)Schwung geförderte Marktplatz Donau soll laut Cramer bald auf eigenen Beinen stehen können, spätestens ab Ende 2019, wenn der verlängerte Förderzeitraum endet.

Mutmaßlich im September wird feststehen, ob Sigmaringen die Förderung für den Online-Marktplatz erhält. Die maximale Fördersumme beträgt 200 000 Euro, die Laufzeit beträgt zwei Jahre. Zunächst soll das Projekt für die Händler kostenfrei sein, danach wird die Präsenz laut Stadt voraussichtlich zwischen 20 bis 30 Euro pro Teilnehmer monatlich kosten. Die Nachhaltigkeit des Projekts nach der Förderperiode ist laut Ausschreibung ein wesentliches Entscheidungskriterium für die Jury.

Info: „Der Onlinehandel hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen, während die Entwicklung im stationären Handel nahezu stagnierte. Selbst alteingesessene Geschäfte und Gaststätten verlassen die Innenstädte und Ortskerne“, heißt es in der Ausschreibung des Ministeriums. Ein Online-Marktplatz soll diese Entwicklung abfedern, die Innenstadt wiederbeleben und zugleich den Trend hin zu regionalen und lokalen Produkten bedienen. Die größte Herausforderung, die sich für die Händler und Dienstleister ergibt, ist laut Ausschreibung der gewünschte Einkaufskomfort der Käufer. Diese würden zunehmend weniger Bereitschaft zum lokalen Einkauf zeigen. Händler oder Dienstleister müssten daher die Möglichkeit bekommen, ihre lokalen Angebote parallel zum Ladengeschäft ebenfalls über eine Onlineplattform mit Onlinerecherche, Onlineeinkauf und abschließendem Lieferservice anbieten zu können, um dem Kunden den gewünschten Einkaufskomfort zu gewähren. Der neue Online-Marktplatz soll genau das bieten. (abu)

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