Spuckattacke eines Flüchtlings erschüttert Frau

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Diese Verhaltensregeln für Bewohner der Erstaufnahmestelle sind am Durchgang der Binger Straße angebracht.
Diese Verhaltensregeln für Bewohner der Erstaufnahmestelle sind am Durchgang der Binger Straße angebracht. (Foto: fxh)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Im Wohngebiet Ziegelesch fühlen sich Bewohner unsicher, weil viele Flüchtlinge auf dem Weg von der Kaserne in die Innenstadt an ihren Häusern vorbeikommen: Mädchen haben Angst, ohne Begleitung von der Schule nach Hause zu gehen. Eltern ist es wohler, wenn ihre Kinder den Spielplatz meiden, weil dort Gruppen von Männern Fußball spielen. Vor dem Lidl hat ein Flüchtling eine Frau angespuckt. In diesem Artikel haben Betroffene das Wort.

Wenn Rosa Puchner im Lidl-Supermarkt einkaufen geht, denkt sie an ein unschönes Erlebnis zurück. Als sie vor einigen Wochen einen Asylbewerber mit einem Fingerzeig darauf hinwies, dass die Verpackung einer Süßigkeit statt auf den Boden in den Mülleimer gehört, spuckte der Mann sie an. Die Spucke landete auf ihrem Pullover, beinahe hätte sie sie im Gesicht getroffen. „Ich war erschüttert, mir ist es in diesem Moment nicht gut gegangen“, sagt die 65-jährige Frau. Vor Aufregung ging sie weiter, ohne den Mann zur Rede zu stellen. Sie zeigte den Vorfall auch nicht bei der Polizei an. Ihr Umgang mit Flüchtlingen ist seither belastet. „Ich schaue mich um und bin vorsichtiger geworden.“ Damit sich Kunden sicherer fühlen hat Lidl reagiert – nachmittags bewacht Sicherheitspersonal den Discounter.

Anika Schaefer hat Angst, wenn ihre Kinder draußen spielen. Viele Asylbewerber gehen auf dem Weg in die Stadt Tag für Tag direkt an ihrem Haus im Ziegelesch vorbei. Überwiegend sind es Männer und damit hat Anika Schaefer ein Problem. „Es sind die Massen von Männern, die uns in Angst versetzen. Das hat nichts mit Ausländern zu tun. Bei deutschen Männern wäre das genau gleich.“ Die Mutter von drei Kindern hat reagiert und die Grenzen für ihre Kinder enger gesetzt. „Wenn sie draußen spielen, möchte ich sie sehen.“ Der nahegelegene Spielplatz ist tabu. Anika Schaefer hat dabei kein gutes Gefühl, denn gerade jetzt müsste sie ihre Kinder langsam in die Selbstständigkeit entlassen.

Ein paar Häuser weiter wohnt Klaus Fels. Ihm geht es ähnlich. „Wenn meine Tochter von der Liebfrauenschule nach Hause läuft, traut sie sich häufig nicht mehr an der Kreuzkirche vorbei, weil dort junge Männer zusammensitzen. Sie ruft uns dann an, und wir holen sie mit dem Auto ab.“ Die Familie Fels versucht ihren Töchtern im Gespräch die Angst zu nehmen. Die Eltern reden beruhigend auf ihre acht und elf Jahre alten Töchter ein, doch sie haben das Gefühl, dass sie immer weniger Gehör finden. „Die Kinder bekommen mit, was in der Schule geredet wird. Dagegen kommen wir nur schwer an“, sagt Klaus Fels.

Einer anderen Familie aus dem Ziegelesch ist ein Fußball aus dem Garten gestohlen worden. „Unser Sohn machte uns darauf aufmerksam, dass er seinen Lederball vermisst“, sagt die Mutter, die anonym bleiben möchte. Den Ball hatte sie im Mai bei Aldi gekauft. Den gab’s nur für ein paar Tage, deswegen konnten ihn die Flüchtlinge nicht selber kaufen, erzählt die Mutter. Der Junge bekam seinen Ball wieder, weil der Vater ihn zurückholte. „Mein Mann hat den Ball wiedererkannt, als eine Gruppe von Männern auf dem Weg vom Bolzplatz bei uns vorbeikam.“ Er hat sie angesprochen und gefragt, woher sie den Ball haben. Daraufhin entschuldigten sich die Flüchtlinge und gaben den Ball zurück.

Frau wird Zeugin eines Diebstahls

Eine Sigmaringerin hat beim Tanken einen Diebstahl beobachtet. Die Frau (Name der Redaktion bekannt) wartete an der Jet-Tankstelle im Auto, als ihr Mann bezahlte. In dem Moment kamen zwei Flüchtlinge an der Tankstelle vorbei – einer ging weiter, der andere betrat die Verkaufsräume und nahm eine Dose Red Bull mit, ohne zu bezahlen. „Ich habe mich nicht getraut, ihn anzusprechen“, sagt sie, „wegen einer Dose lasse ich mich auf nichts ein“. Wie reagiert der Handel auf die sich angeblich häufenden Diebstähle? Ein leitender Mitarbeiter sagt der SZ, dass jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht werde. An dem Gerücht, dass Firmen den Behörden eine Rechnung schreiben und diese den durch Diebstähle entstandenen Schaden übernehmen, sei nichts dran.

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