Sozialarbeiter spielen bei Mariphil eine wichtige Rolle

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Mit Bildung gegen die Armut ist ein Konzept von Mariphil.
Mit Bildung gegen die Armut ist ein Konzept von Mariphil. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Das Mariphil-Kinderdorf will Kindern und Jugendlichen auf den Philippinen, die von ihren Eltern und der Gesellschaft im Stich gelassen wurden, nicht nur ein liebevolles Zuhause bieten, sondern durch Bildung die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft.

Ein Team aus Sozialarbeitern, Psychologen, Hausmüttern und Freiwilligen kümmert sich derzeit gemeinsam darum, dass etwa 50 ehemalige Straßenkinder und Kinder in Not wieder Halt finden und Vertrauen fassen können. In einem alternativen Familien-Setting erfahren die Kinder das Gefühl von Geborgenheit und Zuwendung – oftmals zum ersten Mal in ihrem Leben.

Dabei gehören die Sozialarbeiter zu den wichtigsten Bezugspersonen im Kinderdorf. Sie stehen den Kindern bei schulischen und seelischen Belangen zur Seite, kümmern sich um die individuelle Entwicklungsförderung und begleiten sie aktiv durch verschiedene Lebensphasen. Derzeit sind drei Sozialarbeiter fest bei Mariphil angestellt: Pearl Joyag, Dominique Fuentes und Raquel Ladday. Da die Zusammenarbeit mit Kindern, die eine teilweise traumatische Vergangenheit hinter sich haben, einen besonderen Umgang erfordert, besuchen sie regelmäßig Seminare, um das zwischenmenschliche Verständnis zu fördern sowie Fortbildungen zu bestimmten Themen wie „Kinderhandel“ oder „Adoptionsrecht“.

Auch bei der Arbeit im Feld setzen sich die Sozialarbeiter im Rahmen der Street- und Community Work für Straßenkinder und Kinder aus ärmsten Familienverhältnissen ein. Derzeit betreut, begleitet und berät das Kinderdorf 16 Familien aus dem Projektgebiet durch regelmäßige Hausbesuche der Sozialarbeiter. Bei sogenannten Feeding-Programmen werden die oftmals unter- oder mangelernährten Kinder mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Dabei nutzen die Sozialarbeiter die Gelegenheit, um Kontakt aufzunehmen und Vertrauen aufzubauen. Kinder und deren Familien sollen ermutigt werden, sich in ihrer Not an Mariphil zu wenden – immer mit dem Ziel, noch mehr Kinder zu erreichen.

Das Kinderdorf nimmt sich hauptsächlich der Kinder an, die vernachlässigt, verstoßen oder misshandelt wurden. Für die Vermittlung der Kinder gibt es verschiedene Wege. Oft kommt es vor, dass sie von ihrer Familie ins Kinderdorf gebracht werden, weil sie selbst nicht für deren Lebensunterhalt sorgen können. In manchen Fällen werden die Kinder auch durch andere, ähnliche Institutionen oder die örtliche Polizei vermittelt. So suchte ein Geschwisterpaar im Alter von gerade einmal drei und sieben Jahren selbstständig die Polizei auf, um häuslichem Missbrauch zu entkommen.

„Am häufigsten werden die Kinder durch das Outreach-Programm der Sozialarbeiter ins Kinderdorf geholt. Outreach bedeutet, dass wir auch außerhalb des Kinderdorfs tätig sind, zum Beispiel bei Essensverteilungen (Feeding-Programm) in verschiedenen Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern, die unzureichend ernährt werden“, sagt Raquel Ladday. „Außerdem stehen wir in möglichst engem Kontakt mit den Familien derjenigen Kinder, die bereits im Kinderdorf zuhause sind und erreichen so in manchen Fällen auch deren Geschwister oder weitere Angehörige. Des Weiteren versuchen wir auch Kontakt mit Straßenkindern aufzubauen“, so Ladday.

Bei Vermittlungen von der Straße stoßen die Sozialarbeiter oft auf Widerstände von den Eltern, da diese sich selten eingestehen können oder wollen, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu versorgen. „Da liegt es dann an uns, im Dialog mit den Eltern das nötige Bewusstsein zu schaffen, um den Schritt gehen zu können, die Kinder in die Obhut anderer zu geben“, berichtet Dominique Fuentes.

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