Sigmaringer steht mit Udo Lindenberg auf der Bühne

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Wolfgang Fischer wirkte bei Udo Lindenbergs „MTV Unplugged - Live im Hotel Atlantic“ mit.
Redakteur Sigmaringen

Er spielt mit Udo Lindenberg, komponiert Musikstücke für Weltfirmen wie Porsche, BMW, Siemens oder Shell, ist Mitglied in großen Musicalorchestern und macht Musik mit seiner eigenen Gruppe „Climelight“.

Wolfgang Fischer hat es von der Stadtkapelle Sigmaringen bis in die Bundeshauptstadt gebracht, wo er inzwischen seit über fünf Jahren wohnt und wo er bereits 2001 bei der Einweihung des Bundeskanzleramts vor 30 000 Menschen gespielt hat. Fischer war auch als Hochschullehrer und Dirigent tätig. SZ-Redakteur Christoph Wartenberg hat sich mit dem Allround-Musiker unterhalten.

SZ: Wie sind Sie zur Musik gekommen, liegt das in der Familie?

Wolfgang Fischer: Ja, das kam über das Elternhaus. Mein Vater, Herbert Fischer, hat jahrzehntelang in der Stadtkapelle Klarinette gespielt. Zunächst wollte ich Schlagzeuger werden, doch dann entschied ich mich, wie mein Vater, Klarinette zu lernen. Das Klarinettenspiel erarbeitete ich mir weitgehend selbst, da an der Musikschule damals noch kein Unterricht für Holzblasinstrumente angeboten wurde. Erwin Lehr, der damals die Stadtkapelle leitete, hat mich auch sehr gefördert und mich ermuntert, Klavier zu lernen, und so nahm ich an der Musikschule noch klassischen Klavierunterricht. Dafür bin ich jetzt im Nachhinein dankbar.

SZ: Wie kam es denn zu Ihrem Entschluss, Berufsmusiker zu werden?

Fischer: Das Schlüsselerlebnis hatte ich mit 18, da habe ich ein Konzert von Al Jarreau in Ulm gehört. Dieses Erlebnis hat mich sehr fasziniert und inspiriert. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich professionell Musik machen und unbedingt Saxophon spielen möchte. In Freiburg habe ich dann mit Karsten Gorzel einen perfekten Lehrer gefunden. Ich bin noch während meiner Sigmaringer Zeit regelmäßig nach Freiburg gefahren und habe bei ihm Unterricht genommen. Es gab genügend Stimmen, die sagten, lern doch erst mal was Ordentliches, Solides, aber ich habe mich nach meinem Bauchgefühl gerichtet, die Musik hatte mich total gepackt und mein Berufswunsch stand fest.

SZ: Vom Wunsch zum Ziel, wie geht das?

Fischer: Man kann das nur machen, wenn man bereit ist, alles zu geben, man muss brennen dafür, es lieben. Die erste Hürde war die Aufnahme an der Musikhochschule. Dort haben sich über 40 Leute auf zwei Plätze, die es für Saxophon gab, beworben. Einen davon wollte ich unbedingt haben und ich schaffte es. Karsten Gorzel war da die wichtigste Person. Er war für mich ein großartiger Lehrer und ist es bis heute. Im Studium habe ich in Professor Bernd Konrad einen weiteren großen Förderer und tollen Lehrer gefunden. In der Regel fängt man schon während des Studiums mit professioneller Arbeit an. Das hat zum Glück auch funktioniert und ich bin schon nach einem Jahr Studium fließend ins Berufsleben eingetreten. Als Student muss man eigene Ideen entwickeln und nicht passiv bleiben. Das hat Bernd Konrad immer gesagt. Er hat mich zu seinem Duo-Partner gemacht und wir haben tolle Konzerte zusammen gespielt. Das war natürlich eine große Chance. Entscheidend sind am Ende die Referenzen, nicht der Abschluss. Wenn man seine Chancen nutzen kann, geht das wie bei einem Schneeballsystem.

SZ: Sie machen ja viel Musical. Wie sehen Sie das Verhältnis von E- und U-Musik?

Fischer: Ich sehe die Übergänge da fließend und finde das ist gerade das Spannende. Nehmen Sie doch Gershwin oder Bernstein, da geht die Klassik über den Jazz zum Musical. Ich selbst mache auch jegliche Art von Musik, von Klassik über Jazz bis zum Pop & Rock und spiele sämtliche Holzblasinstrumente.  U-Musik wird oft als seicht abgetan. Seichte Musik gibt es aber in allen Stilistiken, in der Klassik genauso wie in der Popmusik. Es ist egal, in welcher Stilistik man sich ausdrückt, entscheidend ist, dass man was mitzuteilen, zu geben hat. Das erste Musical, das ich gemacht habe, war „Miss Saigon“. Dieses Stück pendelt auch zwischen zwei musikalischen Welten, ist sehr klassisch, orchestral angelegt, enthält aber auch viele Rock/Pop-Elemente. Seitdem habe ich bei sehr vielen Musicals der „Stage Entertainment“ mitgewirkt. Derzeit bin ich in Berlin bei dem Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ engagiert und toure mit der „Best of Musical“-Gala durch Deutschland. Ich habe bei den Konzerten von Udo Lindenberg „MTV Unplugged - Live im Hotel Atlantic“ mitgewirkt, hiervon wurden eine CD und eine DVD veröffentlicht. Das war ein großartiges Erlebnis.Durch seine Präsenz bei „Hinterm Horizont“ und die MTV Unplugged-Konzerte habe ich Udo näher kennengelernt und ich freue mich, ein Teil der „lindischen Groß-Familie“ zu sein, und dass er sogar zusammen mit meiner Band „Climelight“ ein Mini-Konzert gegeben hat, ist eine Ehre.

SZ: Wo bleibt da noch Zeit für die eigenen Projekte?

Fischer: Na ja, die freien Tage sind gezählt, aber unsere eigene Gruppe „Climelight“ ist mein Herzensprojekt. Zusammen mit Ralf Schink und dem DJ Andreas Rau haben wir, glaube ich, etwas Einzigartiges auf die Beine gestellt. Der Kern der Band ist eine Laserharfe. Laserstrahlen kommen scheinbar aus dem Boden, auf denen Ralf spielt und tolle Musik macht. Zusammen haben wir die Musik-Produktionsfirma „Soneo Art Production“ gegründet. Das ist zwar viel Arbeit, aber ich empfinde Glück und Freude, es geschafft zu haben, mein Geld mit dem zu verdienen, was ich auch wirklich machen will.

SZ: Sind Sie noch oft in Sigmaringen?

Fischer: Nun, derzeit bin ich leider relativ selten in Sigmaringen. Ab und zu bin ich aber hier, besuche meine Eltern und genieße die schöne Natur und die Ruhe .

Die Shows von „Best of Musical“ sind in Stuttgart in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle am Samstag um 15 und 20 Uhr sowie am Sonntag um 14 Uhr. Weitere Informationen und weitere Tourdaten unter www.stage-entertainment.de .

Neuigkeiten zu Wolfgang Fischer www.fischermusic.de , zur Band „Climelight“ unter www.climelight.com .

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