Sigmaringer bestellt im Darknet 20-Euro-Blüten

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Weil er gefälschte 20-Euro-Scheine in Umlauf gebracht hat, verurteilt das Amtsgericht Sigmaringen einen 35-jährigen Sigmaringer
Weil er gefälschte 20-Euro-Scheine in Umlauf gebracht hat, verurteilt das Amtsgericht Sigmaringen einen 35-jährigen Sigmaringer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. (Foto: fxh)
Redaktionsleitung

Ein 35-jähriger Sigmaringer hat im Internet falsche 20-Euro-Scheine bestellt und die Blüten in verschiedenen Sigmaringer Geschäften ausgegeben. Das Schöffengericht hat ihn wegen Geldfälschung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Der Mann hatte seine Tat, die bereits anderthalb Jahre zurückliegt, gestanden.

Aufgeflogen war die Geldfälschung im Sigmaringer Lidl-Markt, als ein Verwandter des Angeklagten mit einem falschen 20-Euro-Schein seinen Einkauf bezahlen wollte. Die Blüten waren von derart schlechter Qualität, dass das Falschgeld an der Kasse erkannt wurde. Laut Richter Jürgen Dorner seien die Scheine auf einfache Weise kopiert worden. Die Fälscher hätten die Sicherheitsstreifen mit einer Folie aufgebracht. Verglichen mit echten 20er-Scheinen stimmte nicht einmal die Größe überein. Aus diesem Grund sortierte der Angeklagte einen besonders schlecht gefälschten Schein aus und beherzigte den Ratschlag der Fälscher, das Geld besser bei Dunkelheit auszugeben.

Über eine Seite im sogenannten Darknet des Internets kaufte der Mann das Falschgeld. Internetnutzer sind im Darknet auf verschlüsselte Weise unterwegs. Für die Beamten sind die Identitäten deshalb nur sehr schwer feststellbar. Die Fälscher verlangten für die zehn gefälschten 20-Euro-Scheine umgerechnet 80 Euro. Das Falschgeld bezahlte der Mann mit einer Internetwährung, den sogenannten Bitcoins.

Auf die Frage von Richter Dorner, wie er auf die Idee kam, erklärte der Angeklagte: „Ich war neugierig, dies auszuprobieren.“ Finanzielle Sorgen seien ein weiterer Antrieb gewesen. Momentan lebt der Mann von Arbeitslosengeld und einer Geschädigtenrente. Nach Abzug seiner Kosten für die Wohnung stehen ihm monatlich noch rund 400 Euro zur Verfügung. Von diesem Geld müsse er auch Unterhalt für das Kind aus einer früheren Beziehung bezahlen.

Der 35-Jährige zeigte sich geständig und räumte ein, dass er die neun Blüten verschiedenen Händlern und Gastwirten untergejubelt hatte. Eine Fahrkarte hatte er am Sigmaringer Bahnhof damit ebenso bezahlt wie die Zeche in einem Mengener Lokal. Den Ratschlag der Fälscher befolgte er, indem er das Falschgeld vorwiegend bei Dunkelheit ausgab. So bestellte er sich Kebab und andere Speisen nach Hause und beglich die Rechnung bewusst in der Dunkelheit vor seiner Wohnungstür. „Bei Tageslicht hätte man das Falschgeld sofort erkannt“, sagte ein Geschädigter der Polizei.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte auf einen minderschweren Fall von Geldfälschung plädiert. „Für mich ist das klar. Die zehn Scheine bewegen die Welt nicht“, sagte Rechtsanwalt Jürgen Richter. Da sein Mandant bislang nicht vorbestraft war, wäre seiner Auffassung nach eine Strafe von sechs Monaten angemessen gewesen.

Das Gericht orientierte sich bei seinem Urteil jedoch an der Forderung der Staatsanwaltschaft, die einen minderschweren Fall ausgeschlossen hatte. „Sie haben die Dunkelheit ausgenutzt und das Falschgeld in verschiedenen Verkaufsstellen gewaschen“, sagte Staatsanwalt Desmond Weyl. In seinem Plädoyer forderte er eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten und brummte dem Angeklagten 100 gemeinnützige Arbeitsstunden auf. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

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