Sigmaringer Architekt betreute rund 100 Objekte

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Blick von der Josefinenstraße in die Hedinger Straße um 1910. Rechte Seite des Bildes von unten nach oben: Direktorenwohnhaus un
Blick von der Josefinenstraße in die Hedinger Straße um 1910. Rechte Seite des Bildes von unten nach oben: Direktorenwohnhaus un (Foto: Kreisarchiv)
Schwäbische Zeitung
Otto H. Becker

Kürzlich ist in der Schwäbischen Zeitung ein Bericht über den Erwerb der „Villa Hubertus“ in Beuron durch die Anselm von Canterbury Stiftung erschienen. Danach hat die neue Eigentümerin die weitgehend intakt gebliebene Jugendstilvilla nicht auf Abriss, sondern zur Einrichtung einer Begegnungsstätte für Kinder, Jugendliche und Familien erworben. Hierfür soll das Kleinod einer umfassenden denkmalpflegerischen Sanierung unterzogen werden. Wie in dem Zeitungsbericht ferner zu lesen ist, wollen Toto-Lotto und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg die Pläne der Stiftung auch weiterhin unterstützen.

Errichtet wurde die „Villa Hubertus“ 1907 von der fürstlichen Hofkammer als Dienst- und Wohnsitz des Oberförsters in Beuron. Der Bau war notwendig geworden, nachdem Fürst Wilhelm von Hohenzollern 1906 die Ökonomiegebäude der Domäne Beuron, in denen auch die fürstliche Oberförsterei und die Försterei untergebracht waren, pachtweise der Erzabtei St. Martin überlassen hatte.

Die „Villa Hubertus“ stellt das wohl größte und auch das aufwändigste Dienst-und Wohngebäude des Architekten Hermann Götz dar. Der 1876 in Schmiechen bei Schelklingen geborene Götz hatte sich nach dem Besuch der höheren Bauschule in Stuttgart und praktischer Weiterbildung bei mehreren Baufirmen 1904 als freier Architekt schließlich in Sigmaringen niedergelassen, wo er alsbald eine rege Bautätigkeit entfaltete. Nach eigenen Angaben hat er rund 100 Bauprojekte in Hohenzollern, Württemberg und Baden sowie in der Schweiz betreut. Darunter befanden sich Wohn-und Geschäftshäuser, Ökonomiegebäude, Fabrikhallen und Schulen, aber auch Anlagen für die Wasserversorgung.

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erhielt Götz zahlreiche Aufträge, vor allem von der fürstlichen Hofkammer. Neben der Oberförsterei lieferte er auch die Pläne für den Bau der Försterei in Beuron an der Straße nach Fridingen beziehungsweise Bärenthal, der Försterei Mindersdorf, der Försterei Unterjägerhaus in Sigmaringendorf sowie für das Domänenpächterhaus in Krauchenwies. Diese Gebäude sind, wenn auch zumeist mit späteren baulichen Eingriffen, allesamt noch existent.

Spuren in Sigmaringen

Auch in Sigmaringen sind einige Wohnhäuser erhalten geblieben, die nach Plänen von Hermann Götz gebaut wurden. Aus Platzgründen sollen hier nur die vier Götz-Häuser im Bereich der Einmündung der Hedinger Straße in die Josefinenstraße erwähnt werden. Als erstes Gebäude errichtete Hermann Götz 1904/5 dort das Wohnhaus Hedinger Straße 15, die ehemalige „Villa Lungstras“. Für den Zeichenlehrer Otto Restle baute Götz 1906 sodann die „Villa Ottonia“, das Haus Josefinenstraße 33. Es folgte 1908/9 der Bau des Hauses Hedinger Straße 17, in dem der Architekt lange Jahre selbst wohnte und auch sein Baubüro unterhielt. Erst 1935 wurde das Haus Josefinenstraße 31 errichtet, in dem der Architekt Götz auch seine letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod 1955 verbracht hat.

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