Senioren protestieren gegen Stuttgart 21

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Ursula Voelkel, Landtagskandidatin der Grünen und Kreisvorsitzende der Grünen in Sigmaringen unterstützt die Kritiker von Stuttg
Ursula Voelkel, Landtagskandidatin der Grünen und Kreisvorsitzende der Grünen in Sigmaringen unterstützt die Kritiker von Stuttg (Foto: Christoph Wartenberg)
Christoph Wartenberg

Senioren der Aktion K 21, die gegen das Großprojekt Stuttgart 21 protestieren, sind gestern nach Sigmaringen auf den Marktplatz gekommen, um auch in der Provinz die ihrer Meinung nach unsinnigen Planungen zu erläutern und die Alternative eines modernisierten Kopfbahnhofes vorzustellen. Die Landtagskandidatin der Grünen für den Wahlkreis, Ursula Voelkel, schaute am Infostand vorbei und erläuterte ihre Sicht der Dinge.

Auch nach dem Schlichterspruch durch Heiner Geißler gehen die Proteste weiter. Da die meisten Gegner des Projekts aus Stuttgart tagsüber ihrer Arbeit nachgehen, übernehmen die Senioren die Tour durch die Provinzstädte, um hier für ihr Konzept zu werben.

„Die sagen vorsätzlich die Unwahrheit und das ist eine Lüge, kein Irrtum“, sagt der Architekt Knud Ehrentraut, der sich aus seiner aktiven Berufszeit mit Großprojekten auskennt. Die Redakteure der Sendung „Frontal 21“ hätten den Bahnverantwortlichen Berichte des Rechnungshofes vorgelegt und die Leute der Bahn hätten wahrheitswidrig behauptet, diese nicht zu kennen. „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“, sagt Ehrentraut.

Auch Ursula Voelkel, Landtagskandidatin der Grünen aus Sigmaringen, gehört zu den Kritikern des Projekts Stuttgart 21. „Wenn nach dem Bau die Elektrifizierung der Strecke Sigmaringen – Tübingen nicht schnell kommt, gibt es keine durchgehende Verbindung mehr nach Stuttgart, dann müssen wir in Tübingen umsteigen und dann dauert die Fahrt länger als jetzt. Und voraussichtlich wird nach den riesigen Investitionen für den ländlichen Bereich kein Geld mehr übrig sein“, befürchtet Voelkel.

Auch die Vertreter von K 21 verweisen auf die Auswirkungen im Fern- und Regionalverkehr: „Wegen der teuren Großprojekte wird die notwendige Gleispflege vernachlässigt, deshalb entstehen auch im Fernverkehr immer mehr ,Langsamfahrstrecken‘. So dauert beispielsweise eine Bahnfahrt von Stuttgart nach München heute etwa 20 Minuten länger als Anfang der 90er-Jahre – eben wegen mangelnder Gleispflege“, steht in einem Infoblatt.

Die Mehrzahl der Bahnkunden nutzt den Regionalverkehr, der unterfinanziert ist, erklären die Protestler und empfehlen die Schweizer Eisenbahn als Vorbild, die das ganze Land gleichmäßig, pünktlich und zuverlässig versorge.

Als Gegenentwurf schlagen sie einen Umbau des bestehenden Kopfbahnhofes vor, dessen Kosten um zwei Drittel geringer ausfielen, in dem man mehr Züge abfertigen könne und der sich stufenweise während des Betriebs erledigen lasse.

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