Sehnsucht nach Wurzeln: Autorin spricht über Arbeit der „Aufspürerin“

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Heidi Friedrich mit dem Buch in der Hand
Gemeinsam mit Susanne Panter hat Heidi Friedrich deren Geschichten auf Papier gebracht. Es ist ihr erstes Buch. (Foto: Mareike Keiper)
Schwäbische Zeitung

Menschen aufspüren und vereinen, das ist der Beruf von Susanne Panter. Im SWR-Fernsehen hat sie mit der Sendung „Die Aufspürerin“ ihr eigenes Format, forscht aber darüber hinaus in viel mehr Fällen und hat so schon nach eigenen Angaben mehr als 4000 Menschen weltweit zusammengeführt. Im August erscheint das erste Buch, das mit ihr und über sie die Sigmaringerin Heidi Friedrich geschrieben hat. Mit SZ-Redakteurin Mareike Keiper spricht Friedrich darüber, wie die Zusammenarbeit mit Susanne Panter war, was sie selbst mit dem Thema verbindet und worin die größte Herausforderung im Schreibprozess lag.

Frau Friedrich, wie kommen Sie dazu, ein Buch zu schreiben?

Jetzt kommt der klassische Satz, aber er stimmt wirklich: Ich wollte immer ein Buch schreiben. Ich bin freie Journalistin und habe beruflich viele kürzere Texte geschrieben, aber jetzt wollte ich mich mit einer längeren Geschichte beschäftigen. Ich habe also nach einer guten Idee gesucht. Ich habe mich immer für Menschen und Biografien interessiert. Deshalb passt das Buch sehr zu mir.

Was hat Sie an Frau Panter so fasziniert?

Dieses Unaufgesetzte, Natürliche. Dass sie bei den Geschichten begleitend war und sich nie in den Vordergrund gedrängt hat, hat mir gut gefallen. Sie ist sehr dezent.

Welche Geschichte hat Sie am meisten beeindruckt?

Eine Geschichte ist besonders hängen geblieben: Eine Frau hat ihren Vater gesucht, allerdings konnte Susanne nur noch das Grab ermitteln. Nur stand auf dem Grab ein Frauenname. Der Vater hatte also eine Geschlechtsumwandlung. Eine andere Geschichte, die mich länger beschäftigt hat, spielt in Frankfurt im Dritten Reich. Eine Frau hat eine Jüdin gerettet und ihr die Ausreise nach New York ermöglicht. Aus Dankbarkeit hat sie ihrer Retterin einen Ring hinterlassen. Niemand in der Familie wusste etwas davon, aber die Kinder haben den Ring später gefunden und wollten ihn zurückgeben. Susanne hat daraufhin die Familie in den USA gesucht und gefunden. Am Ende haben die Kinder der jüdischen Familie die deutsche Familie sogar zu einer Hochzeit eingeladen – besagter Ring wurde der Ehering. Bei solchen Geschichten bekomme ich jetzt noch Gänsehaut, obwohl ich sie selbst geschrieben habe.

Inwiefern beschäftigt Sie das Thema persönlich?

Meine Eltern haben zwar einen Vertriebenenhintergrund aus dem Sudetenland und aus Schlesien, aber ich kenne meine Eltern und Großeltern und habe nie einen Mangel empfunden. Deshalb habe ich keine persönliche Erfahrung mit diesem Thema. Aber ich frage mich, warum die Menschen ihre Wurzeln unbedingt kennen wollen. Es gab zum Beispiel Geschichten, da hatten die Leute eine intakte Kindheit über Adoptiveltern. Denen ging es gut. Und dennoch wollten sie ihre Herkunft wissen und konnten das nicht ruhen lassen. Für diese Fragen habe ich trotz des Buchs keine Erklärung gefunden. Ich habe aber verstanden: Die Sehnsucht nach den Wurzeln steckt in uns allen drin. Das fasziniert mich.

Was wollen Sie den Lesern mit dem Buch mitteilen?

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