Sechs Förster tragen den Fürsten zur letzten Ruhestätte

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Schwäbische Zeitung

Sechs Förster tragen am Ende der knapp zweistündigen Trauerfeier den Sarg mit dem verstorbenen Fürsten in den Innenhof des Kreuzgangs der Hedinger Kirche. Neben Adelsprominenz und Funktionsträgern aus Wirtschaft und Politik nehmen hunderte Bürger Abschied. Der vor einer Woche verstorbene Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern fand gestern seine letzte Ruhe.

Von unserem Redakteur  Michael Hescheler

Langsam setzt sich der Trauerzug in Bewegung. Der Organist improvisiert mit der Melodie des Osterlieds „Christus ist erstanden“. Drei Ministranten schreiten mit Kreuz und Rauchfass voran. Sie schreiten wirklich, geben ein dem Anlass angepasstes Tempo vor. Es folgt der Fahnenträger der Malteser. Nicht ohne Grund hielt ein Vertreter der Hilfsorganisation als einziger Redner während der Kirche einen Nachruf, aber dazu später mehr. Den Sarg mit dem Leichnam des verstorbenen Fürsten kündigen drei Förster an, die Orden und die Fürstenkrone auf Kissen tragen. „Es erfüllt uns mit großer Dankbarkeit, dem Fürsten diesen Dienst erweisen zu dürfen“, hatte der Leiter der fürstlichen Forstverwaltung am Tag zuvor gesagt. Ein Blick in die Augen der Sargträger verrät – die Worte Raimund Friderichs waren nicht übertrieben.

Weil es ausdrücklicher Wunsch des Fürsten war, überlässt Weihbischof Rainer Klug das Predigen dem Stadtpfarrer. Der Vertreter der Erzdiözese verliest stattdessen ein Kondolenzschreiben des Papstes. Der Kardinalstaatssekretär und der apostolische Nuntius hatten im Auftrag von Benedikt folgende Worte an die Familie gerichtet: „Der barmherzige Gott möge dem lieben Verstorbenen all das Gute, was er getan hat, reichlich lohnen.“

Jazzband spielt

In dem sehr persönlich gestalteten Gottesdienst spielt eine Jazzcombo zwei Stücke und erinnerte damit an eine Vorliebe des Verstorbenen. Die Enkelkinder wechseln sich beim Fürbittengebet ab. Den Nachruf spricht der Vorsitzende des Malteserordens, Johannes Heeremann. Die Verbindung zwischen dem Ritterorden, der Hilfsorganisation und dem Fürstenhaus gilt als besonders intensiv. Nach seinem geschäftlichen Engagement war ihm die Arbeit für die Malteser am zweitwichtigsten. Als Malteserritter sei er alles anders als abgehoben gewesen, sondern auch den Mitarbeitern der Hilfsorganisation nahegestanden. Der Fürst bekleidete in der Organisation eine leitende Funktion. In Sigmaringen sorgte er mit seiner Schenkung dafür, dass der Hilfsdienst gegenüber von der Hedinger Kirche eine neue Bleibe fand. Der Platz, wo er beigesetzt wird, liegt nur einen Steinwurf entfernt.

Als der Kirchenchor von St. Johann das Stück „Selig sind die Toten“ darbietet, rollt einer Trauernden, die weit hinten in der Kirche sitzt, eine Träne übers Gesicht.

Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern, der älteste Sohn des Verstorbenen, führt die Trauerfamilie an. Er wischt sich, als er hinter dem Sarg her durch das Kirchenschiff in den Kreuzgang geht, die Tränen aus den Augen. Seine Ehefrau, Fürstin Katharina, trägt wie viele Trauergäste einen schwarzen Schleier. Die Brüder Albrecht und Ferdinand, Kindeskinder und die Geschwister reihen sich in den Trauerzug ein.

Als die Sarg durch die Tür in den Innenhof getragen wird, stimmt die Hüttenkapelle Laucherthal Chopins Trauermarsch an. Der Sarg wird in der Mitte des Hofs auf einem Katafalk abgestellt. Als die Musik aufhört zu spielen, ist es ganz still, als ob in Sigmaringen das Leben stillstehen würde. Den letzten musikalischen Gruß entsendet das mit Förstern besetzte Bläsercorps mit dem Stück „Jagd vorbei Halali“.

Karl Friedrich besprengt den Sarg erst mit Weihwasser, danach verabschiedet er sich mit einer Verneigung von seinem Vater. Die Enkelkinder legen Blumensträußchen auf dem Sarg nieder. Von den nächsten Verwandten verabschieden sich zuletzt die Geschwister des Fürsten. Die Prinzenbrüder Ferfried und Johann führen ihre Schwester Maria Gräfin von Waldburg an den Armen zum Sarg.

„Gott ist die Quintessenz“

Beim Vorbeigehen liegen auf einem Tischchen Sterbebilder zum Mitnehmen. Das Foto zeigt einen nachdenklichen Fürsten. Auf der Rückseite ist ein Zitat Friedrich Wilhelms vom 21. August abgedruckt, mit dem auch Pfarrer Karl-Heinz Berger seine Predigt abschloss (siehe Bericht unten). „Es ist absolut ein Glücksgefühl, von Gott abhängig zu sein. Die Quintessenz ist er, nur er.“

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