Schwester Johannitta nimmt Abschied von Sigmaringen

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Schwester Johannitta
Schwester Johannitta (Foto: weig)

„Der heilige Vinzenz verabschiedete sich von einer Stelle, indem er den Schlüssel unter die Matte legte und schweigend ging“, erzählt Schwester Johannitta, auf ihren bevorstehenden Abschied angesprochen, „und das wäre auch meins“, fügt sie lächelnd hinzu. Im geräumigen lichtdurchfluteten Refektorium sitzt sie etwas verloren am Ende der großen U-förmigen Tischgruppe, die von einer stattlichen Anzahl von Stühlen eingefasst wird. Hin und wieder ihre weiße Haube zurechtrückend spricht sie weiter. „Als ich 1994 nach Sigmaringen geschickt wurde, waren wir 30 Schwestern, und heute sind wir nur noch zu dritt“. Schwester Irmentraud (84) und Schwester Edelburga (93) kehrten krankheitshalber bereits vor einigen Tagen ins Heppenheimer Mutterhaus zurück, während zeitgleich die beiden Mitschwestern Bernadette und Raimunda in der Krankenhauskapelle mit weiteren Senioren den täglichen Rosenkranz beten.

Mit 21 Jahren trat Schwester Johannitta, eine gebürtige Hessin, ins Kloster ein. Die examinierte Krankenschwester arbeitete in Limburg und Mainz, wo sie 25 Jahre lang die chirurgische Ambulanz leitete. Da die dortigen Konvente, das Schicksal des Sigmaringer Konventes schon Jahre zuvor ereilend, geschlossen wurden mussten, zog Schwester Johannitta weiter, denn „wir alle waren unterwegs und haben unseren Dienst für Gott an verschiedenen Plätzen getan“. Die damalige Generaloberin stellte als neue Wirkungsstätte Heidelberg oder Sigmaringen zur Auswahl. Die Schwester entschied sich „für’s Schwabenland“, was sie bis zum heutigen Tag nicht bereut habe. In der hauseigenen Kapelle wurde ihr schon bald die musikalische Leitung der Gottesdienste übertragen, ein Dienst, den Schwester Johannitta, die sich das Orgelspielen autodidaktisch beigebracht hatte, zuverlässig und mit großer Freude erfüllte. Jeden Besucher freundlich begegnend versah sie 24 Jahre lang den Dienst an der Pforte des Seniorenheimes. Jahrelang kümmerte sie sich auch um die Grabpflege verstorbener Mitschwestern auf dem Sigmaringer Friedhof.

In wenigen Tagen trete sie wieder ins Kloster ein, so beschreibt sie ihren nächsten Lebensabschnitt, der sie ins Mutterhaus nach Heppenheim führen wird. „Ich war sehr gerne hier in Sigmaringen, aber wir alle wussten immer, dass wir zurückkehren werden und sind guter Dinge, dass unser Weg auch dort zufriedenstellend verläuft.“ Mit einem herzlichen Lächeln verabschiedete sich Schwester Johannitta an der Pforte des Konventes im vierten Obergeschoss des Hauses, einem kleinen Refugium, das wohl bald anderweitig genutzt wird.

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