Schweizer Gruppe tritt im Sigmaringer Schlachthof auf

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 Die Jodel-Gruppe spielt unter anderem auf ganz speziellen Instrumenten.
Die Jodel-Gruppe spielt unter anderem auf ganz speziellen Instrumenten. (Foto: Christoph Wagner)
Christoph Wagner

Der Südwestrundfunk und der Atelierverein im Alten Schlachthof in Sigmaringen haben kürzlich für eine außergewöhnliche Konzertidee zwei Gruppen eingeladen: Das Ensemble „Natur Pur“ aus dem innerschweizer Muotatal und das Bluesgrass-Duo „Ruben & Matt“ aus Italien. Die aktuelle Virusepedemie machte den Veranstaltern jedoch einen Strich durch die Rechnung und verhinderte, dass die Mailänder überhaupt anreisen konnten. Deswegen mussten die vier Musiker aus der Schweiz das Konzert alleine bestreiten, eine Herausforderung, die sie mit Bravour bestanden. Die Zuhörer standen Kopf vor Begeisterung und ließen die Schweizer erst nach einer Zugabe gehen.

Die Konzertidee war eine ambitionierte gewesen: Das Jodeln in seiner historischen Entwicklung zu präsentieren, von seiner Ursprungsregion in den Alpen bis nach Amerika, wo es ab den 1830er Jahren Fuß fasste und im 20. Jahrhundert zu einer riesigen Mode in der frühen Countrymusik wurde.

Die vier Vokalisten von Natur Pur sind bis auf Bandleader Bernhard Betschart alles Amateure, die Berufe wie Bauer und Zimmermann ausüben, was aber ihrem Können keinen Abbruch tut. Sie überzeugten mit kräftigen Stimmen und präziser Intonation.

Allerdings war das Konzert nicht ausschließlich Jodel pur. Die Gruppe hatte zusätzlich eine ganze Reihe von Musikinstrumenten mitgebracht, die eine gelungene Abwechslung boten zum furiosen A-Capella-Gesang. Zwei Stücke auf dem Büchel zeigten die Möglichkeiten und Schwierigkeiten dieses archaischen Blasinstruments auf, das mit seiner geschwungenen Form als kleiner Bruder des Alphorns gilt und keine Löcher oder Klappen besitzt.

Polkas, Mazurkas und Landler boten dazwischen die beiden Sänger und Ziehharmonikaspieler Daniel Schmidig und Cornel Schelbert, äußerst versierte Wirtshausmusikanten, die mit ihren „Schwyzerörgeli“ (spezielles Schweizer Akkordeon) den Saal im Alten Schlachthof in Sigmaringen im Nu in eine Almhütte verwandelten, wo die Senner am Abend nach der Arbeit zusammensitzen und sich mit schmissigen Tanzweisen die Zeit vertreiben.

Nachdem sich Bernhard Bertschart mit der Demonstration der Möglichkeiten einer Art Holzklapper (ähnlich den spanischen Kastagnetten) als virtuoser Rhythmiker entpuppt hatte, präsentierte Christian Gwerder mit gewagten Luftsprüngen, Händeklatschen und Schnalzen einen traditionellen „Werbetanz“ in so beinbrechender Manier, dass die Besucher völlig aus dem Häuschen gerieten. Die Schweizer Musiker hatten am Ende ihres Konzerts die ganze Bandbreite der Musik ihres Tales auf eindrucksvolle Weise demonstriert und damit gezeigt, dass es in Europa nur wenige Regionen gibt, die so reich an Traditionen und Eigenheiten sind.

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