Schwedisches Königspaar kommt zur Beerdigung

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Schwäbische Zeitung

Seit 14 Uhr sind die Trauerfeierlichkeiten für Johann Georg von Hohenzollern beendet. Der königliche Volvo mit König Carl Gustav und Königin Silvia an Bord ist weiter ins Schloss gefahren. Dort kommen die Vertreter der Adelshäuser zusammen.

Das Königspaar möchte noch im Laufe des Tages zurück nach Davos/Klosters fahren und dort seinen Skiurlaub fortsetzen. Rund 300 Ehrengäste haben die Trauerfeier für den Prinzen in de Hedinger Kirche besucht. Neben vielen Adelsleuten gehörte der Schauspieler Fritz Wepper zu den Trauergästen. Wenige Sigmaringer waren auch unter den Gästen: der Archivar Otto Becker, der erste Landesbeamte Rolf Vögtle und Bürgermeister Thomas Schärer.

"Die große Lücke, die du hinterlässt, wird sich nicht mehr ganz schließen lassen"

Zu Beginn zeichneten die Witwe, Kinder und ein Enkel ein Porträt aus Worten über den Hohenzollern-Prinzen, der mit der Schwester des schwedischen Königs verheiratet war. "Lieber Hansi", sprach Witwe Prinzessin Birgitta den Toten direkt an, "die große Lücke, die du hinterlässt, wird sich nicht mehr ganz schließen lassen".

Sein Sohn Carl Christian bezeichnete seinen Vater als wandelndes Lexikon. "Hilfe brauchtest du nur in technischen Dinge. "Deine wöchentlichen technischen Hilfeanrufe werden mir fehlen." Tochter Désiré schilderte die Liebe zu ihrem Vater, die sie erst spät entdeckte. Der andere Sohn und weitere Enkel widmeten ihrem "Opapi" die Fürbitten.

 Habsburger Tradition

Zu Pfarrer Edgar Neidinger pflegte der Kunsthistoriker ein freundschaftliches Verhältnis. Der Beichtvater des Prinzen schilderte Episoden aus dessen Leben. Er begann mit einer Erinnerung an den Trauerzug von Kaiserin Zita. Der Herold habe an die Tür eines Klosters geklopft. "Wer begehrt Einlass?", fragte eine Stimme. Es wurden alle Titel der Kaiserin genannt. "Kenne ich nicht", entgegnete die Stimme. Erst als der Herold auf die Ehrentitel verzichtete und Zita als "arme Sünderin" bezeichnete, öffnete sich die Tür, wie es bei den Habsburgern Tradition ist. Er habe sich vor Gott bescheiden gefühlt, sagte Pfarrer Neidinger. "Deshalb halte ich Hansi als Paradebeispiel für die Erfüllung des  Familien-Wahlspruch Nichts ohne Gott."

Hauptzelebrant der  Trauerfeier war der frühere Stadtpfarrer von Sigmaringen und jetzige Überlinger Münsterpfarrer Karl-Heinz Berger. Sein Nachfolger Ekkehard Baumgartner las das Evangelium.

Hohenzollern-Fanfare

Das schwedische Königspaar verfolgte den Gottesdienst vom linken Altarraum aus. Als der Sarg von Forstleuten des Hauses Hohenzollern zur Beisetzung in den Kreuzgang getragen wurde, führte das Königspaar zusammen mit den engsten Angehörigen den Trauerzug an - gefolgt vom Sigmaringer Fürstenpaar. Prinz Johann Georg wurde auf der Grundfläche des Kreuzgangs neben dem 2001 im Alter von vier Tagen verstorbenen Prinz Lennart beerdigt.

Nachdem die Geistlichen die Abschiedsgebete gesprochen hatten, stimmte das fürstliche Bläsercorps unter anderem die Hohenzollern-Fanfare an. Danach nahmen die Witwe, die von ihren Söhnen geführt wurde, und die weiteren Trauergäste Abschied.

An einem schlichten Holzkreuz waren auf einer Messingtafel die Daten des am 2. März in München verstorbenen Prinzen eingraviert. Als Gastgeber der Trauerfeier stimmte sich der Fürst vor der Abfahrt mit dem Fahrer des Königspaars ab. Wie sie gekommen waren, verließen der König und die Königin die Hedinger Kirche über den Seitenausgang. Der Bentley des Fürsten führte den Konvoi an, der über die Karlstraße das Schloss ansteuerte.

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