Repair-Café und Asylbewerber kooperieren und reparieren gemeinsam 30 Stühle

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 Berthold Schupp (rechts) repariert gemeinsam mit John (zweiter von rechts) kaputte Stühle im Begegnungszentrum. Gespannt schaue
Berthold Schupp (rechts) repariert gemeinsam mit John (zweiter von rechts) kaputte Stühle im Begegnungszentrum. Gespannt schauen Catherine Fayard und Hans-Peter Winterhalder zu. (Foto: Rüdiger Sinn)
Rüdiger Sinn

Als sogenannter gemeinnütziger Helfer arbeitet John aus Nigeria im Camp – wie hier alle die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) bezeichnen – und bekommt dafür 80 Cent pro Stunde. Nicht viel, wie er selbst sagt, aber er macht es trotzdem, um sich ein kleines Taschengeld dazuzuverdienen und den Alltag in der LEA zu strukturieren.

John steht mit fünf anderen Bewohnern der LEA im Begegnungszentrum, dem ehemaligen Offizierscasino vor ungefähr 40 Stühlen, die reparaturbedürftig sind. Zum Teil fehlen die Lehnen, bei manchen sind die Metallfüße verbogen, die Gummipropfen an den Stuhlenden sind stark abgenutzt oder erst gar nicht vorhanden. Mitten unter den LEA-Bewohnern ist auch Hans-Peter Winterhalder vom Repair-Café Sigmaringen, er hat den Nachmittag initiiert. „Ich war bei einer Veranstaltung hier oben im Begegnungscafé und bin im wahrsten Sinne des Wortes fast vom Stuhl gefallen, weil der etwas wackelig war“, sagt Winterhalder und schmunzelt. „Bei unseren regelmäßigen Veranstaltungen und vor allem durch die tägliche Nutzung werden die Stühle natürlich kräftig beansprucht“, erklärt Stefanie Gäble, die Ehrenamtskoordinatorin des DRK.

Deshalb hatte Winterhalder Catherine Fayard, die Koordinatorin des Begegnungszentrums, gefragt, ob nicht die Reparateure des Repair-Cafés und Flüchtlinge gemeinsam die Stühle reparieren könnten. „Diese tolle Idee kam bei allen Beteiligten gut an“, zeigt sich Catherine Fayard immer noch begeistert von der Kooperation. „Wir versuchen regelmäßig über verschiedene Veranstaltungen Kontakt zwischen den Sigmaringern und Bewohnern der LEA zu erreichen“, sagt Fayard, da sei so eine Aktion natürlich willkommen.

An diesem Nachmittag gelingt das: Berthold Schupp, ein erfahrener Elektriker und im Repair-Café regelmäßig im Einsatz, hat den Akkuschrauber mit einer neuen Schraube an der Lehne angesetzt, Idrissa aus dem Senegal unterstützt ihn dabei. Der Helfer aus dem Repaircafé kann kein Englisch und kein Französisch, aber die Verständigung klappt trotzdem, „dann eben mit Händen und Füßen“, sagt er und lacht. Wenn es etwas zu klären gibt, helfen die Sprachkenntnisse von Hans-Peter Winterhalder oder Catherine Fayard.

Derzeit sind 412 Schutzsuchende in der LEA in Sigmaringen untergebracht. Einige arbeiten als gemeinnützige Helferinnen und Helfer in verschiedenen Bereichen: zum Teil in der Geländepflege, in der Gebäudereinigung oder sie sind als Müll-Sammler eingesetzt. In ihren orangefarbenen Warnwesten gehören sie mittlerweile zum Stadtbild, wenn sie zwischen der LEA und der Innenstadt mit Müllzange und Müllsack unterwegs sind. „Die Arbeiten als gemeinnütziger Helfer sind begehrt“, weiß Frank Vees, Streetworker des DRK.

Dass die LEA-Bewohner gebraucht werden, durften sie auch in den rund zwei Stunden an diesem Nachmittag erfahren. Gemeinsam wurden etwa 30 Stühle repariert oder aus nicht mehr zu reparierenden Stühlen Ersatzteile gewonnen. Frank Vees, der einen engen Kontakt zu den Bewohnern im Camp hat, freut sich über die Kooperation. „Das ist eine tolle Aktion. Solche Aktionen fördern das Miteinander.“ Auch für die Mitglieder des Repair-Cafés war die Aktion gelungen. Bei Brezeln und Kaffee wurde gleich die nächste Kooperation überlegt. Einige der gespendeten Nähmaschinen, die für die Arbeit in der Kreativ-Werkstatt genutzt werden, sind kaputt. „Die nehmen wir mit und reparieren sie“, sagt Hans-Peter Winterhalder.

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