Profis und Laien spielen Saite an Saite

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 Matthias Trost dirigiert das Kammerorchester im Hofgarten.
Matthias Trost dirigiert das Kammerorchester im Hofgarten. (Foto: Tobias Göttling)
Tobias Göttling

Das Herbstkonzert des Kammerorchesters Sigmaringen unter der Leitung von Mathias Trost hat den Zuhörern Werke von Arcangelo Corelli, Johann Sebastian Bach, Edvard Grieg und Peter Warlock präsentiert. Die Gruppe trat mit einem Drittel der insgesamt etwa 45 aktiven Musikliebhaber aus der Region an: also in Form einer kleinen, kammermusikalischen Streicherbesetzung. Die meisten der Musiker kommen direkt aus Sigmaringen und aus der näheren Umgebung.

Das Konzert demonstrierte eindrücklich, wie hervorragend studierte Musiker mit versierten Laien zusammenarbeiten. „Ich könnte nicht unterscheiden, wer nun beruflich tätig ist und wer es rein ehrenamtlich macht.“, so meinte ein Zuschauer in der Pause angesichts eines hervorragenden Auftritts.

In einer projektbezogenen Arbeitsweise erarbeitet das Orchester Werke aus verschiedenen Epochen und führt sie in zwei Konzerten pro Jahr auf. Auch begabte Oberstufenschüler erhalten die Möglichkeit, ihr Können beim Kammerorchester unter Beweis zu stellen. Nah an der „Quelle“, um den begabten musikalischen Nachwuchs zu sichten, sitzt Mathias Trost als Musiklehrer des Hohenzollern-Gymnasiums.

Zum Vortrag am Sonntagabend kamen das berühmte Variationswerk „La Follia“ des italienischen Barockkomponisten Arcangelo Corelli, Auszüge aus der „Holberg-Suite“ von Edvard Grieg sowie die „Capriol-Suite“ des Engländers Peter Warlock. Bei den Werken Warlocks war wirklich alles dabei: von feinfühligen, zarten und leisen Klängen bis hin zu einem fulminanten Finale mit ordentlichem Tempo, das die Zuhörer entzückte.

Solist: Volker Bals

Ein Höhepunkt bereits vor der Pause war das Konzert für Cembalo und Orchester D-Dur von Johann Sebastian Bach. Am Cembalo konnten die Musikfreunde den Sigmaringer Musiker Volker Bals hören. Der Solist des Abends war Jungstudierender im Fach Klavier am Mozarteum in Salzburg. Später absolvierte er sein Kirchenmusikstudium an der Hochschule für Kirchenmusik Herford. Es folgte der Studiengang „Künstlerische Ausbildung Chorleitung“ bei mehreren renommierten Professoren.

Seit 2008 lebt Volker Bals in Sigmaringen und arbeitet freiberuflich als Chorleiter, Stimmbildner, Instrumentallehrer und Konzertmusiker.

Bals bekam für seine Stücke sehr langen Beifall aus dem Publikum, woran er eine Zugabe mit einem Werk des spanischen Komponisten Padre Antonio Soler anschloss. Als Hintergrund für das Stück erzählte Bals, Soler habe als Mönch die Aufgabe gehabt, täglich einen Prinzen am Hofe mit dem Cembalo zu unterrichten.

Die Kulturförderung der Hohenzollerischen Landesbank unterstützte das Konzert. Darüber erfreut zeigte sich Sigmaringens Bürgermeister Marcus Ehm, der sich das Konzert nicht entgehen ließ. Der Bürgermeister freut sich bereits auf das 20-jährige Jubiläum des Kammerorchesters und hob die Mischung aus Ehrenamtlichen und beruflich Tätigen sowie die Besetzung durch Menschen ganz verschiedenen Alters hervor: „Ich bin stolz auf die Arbeit des Kammerorchesters unter der Leitung von Herrn Trost. Was die Auftretenden machen, ist aus meiner Sicht Hochleistungssport!“

Tatsächlich spürten die Anwesenden die Leidenschaft und Überzeugung der Musiker, egal ob in Form des Dirigenten, am Kontrabass oder an den Celli und Violinen. Und so war es authentisch, als Mathias Trost am Ende nach langanhaltendem Beifall und teilweise stehenden Ovationen unter Freude im Publikum bekundete: „Wir haben uns bei den Proben in Pietro Mascagnis Intermezzo aus Cavalleria rusticana verguckt und können es Ihnen nun nochmal spielen.“

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