Präsident will in Ruhestand gehen, wenn die E-Akte läuft

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 Der frühere Präsident des Verwaltungsgerichts Sigmaringen Malte Graßhof (links) wechselt nach Stuttgart. Justizminister Guido W
Der frühere Präsident des Verwaltungsgerichts Sigmaringen Malte Graßhof (links) wechselt nach Stuttgart. Justizminister Guido Wolf (Mitte, CDU) setzt Christian Heckel als dessen Nachfolger ein. (Foto: fxh)
Redaktionsleitung

Vor knapp 200 Gästen ist der Präsident des Verwaltungsgerichts, Christian Heckel, am Freitag im Hofgarten offiziell in sein Amt eingeführt worden. Der 58-Jährige ist bereits seit August vergangenen Jahres im Amt. Wie berichtet, trat er die Nachfolge von Malte Graßhof an, der nun das Verwaltungsgericht Stuttgart führt.

Unter den Gästen waren ranghohe Behördenvertreter aus dem gesamten Regierungsbezirk Tübingen, das dem Zuständigkeitsgebiet des Verwaltungsgerichts entspricht. Landrätin Stefanie Bürkle nannte die Entscheidung richtig, das Verwaltungsgericht 1958 von Bebenhausen im Kreis Tübingen nach Sigmaringen zu verlegen. Das Gericht habe die Interessen des ländlichen Raums im Blick. In Stuttgart wirke der Präsident eines Verwaltungsgerichts anonym, „in Sigmaringen ist er eine Institution“, sagte die Landrätin. Aus diesem Grund sei sie dankbar, dass sich Christian Heckel in Behördenleiterrunden und anderen Funktionen in das öffentliche Leben im Kreis einbringe.

Die offizielle Amtseinführung übernahm der Dienstherr des Gerichtspräsidenten, Justizminister Guido Wolf (CDU). „Die Justiz in Baden-Württemberg ist stark von Sigmaringen geprägt“, sagte er in Bezug auf den Ruf Sigmaringens als Ausbildungsgericht. Viele Spitzenjuristen seien durch die Sigmaringer Kaderschmiede gegangen. Los des Export-Weltmeisters sei jedoch, dass er seine Spitzenprodukte wieder loslassen müsse. Damit spielte er auf den erneuten Wechsel an der Spitze des Gerichts an. Graßhof wirkte lediglich rund zwei Jahre in Sigmaringen.

Einführung der E-Akte hakt

„Wir gehen nicht davon aus, dass sich der neue Präsident bald wieder verabschiedet“, stieß der Sigmaringer Vizepräsident Stefan Röck ins selbe Horn. Christian Heckel nahm diesen Ball auf. „Meine Vision ist, dass ich mich hier im Hofgarten in den Ruhestand verabschiede“, sagte der 58-Jährige, „und die kürzlich eingeführte E-Akte bis dahin so reibungslos funktioniert wie heute die Videokonferenz“. Heckel fügte hinzu, dass er nicht hoffe, arbeiten zu müssen, bis er 78 Jahre alt sei. Das Gericht führt als erstes der vier Verwaltungsgerichte in Baden-Württemberg die elektronische Akte ein. Das heißt, es will so schnell wie möglich auf Papier verzichten. Die Einführung läuft jedoch holpriger als erwartet. Trotzdem gebe es zu ihr keine Alternative, sagte Heckel. „Wir haben uns entschieden, im Zug der Digitalisierung vorne zu sitzen.“ Diese Entscheidung sei richtig gewesen.

Der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser (CDU) forderte die Justiz auf, sich Gedanken zu machen, wie Verfahren verkürzt werden könnten. Er stellte fest, dass es beispielsweise bei Planfeststellungsverfahren häufiger Klagen in neuen Varianten gebe. „Der Rechtsstreit wird dann ad absurdum geführt.“

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