Positive Bilanz für 14er-Räte im Kreis

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Christian Drackert, Dietmar Unterricker und Roland Schönbucher (von links) sind stolz auf den Erfolg der 14er-Räte, die im Rahme
Christian Drackert, Dietmar Unterricker und Roland Schönbucher (von links) sind stolz auf den Erfolg der 14er-Räte, die im Rahmen des Modellprojekts „Land(auf)Schwung“ gegründet wurden. (Foto: Böhler)
Johannes Böhler

Seit drei Jahren ist der Kreis Sigmaringen inzwischen am Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“ beteiligt. Die Bilanz der Verantwortlichen für die 14er-Räte, die sich inzwischen in zwölf Gemeinden im Kreis gegründet haben, fällt durchweg positiv aus.

Grundsätzliches Ziel des Projektes ist es, ein Ausbluten des ländlichen Raumes zu verhindern. Die neue Form der Jugendbeteiligung dazu beitragen, die Abwanderung junger Menschen aus dem Landkreis zu verhindern: Der 14er-Rat. „Der Unterschied zum Jugendgemeinderat ist das Fehlen von Wahlen und damit im Endeffekt auch von demokratischer Legitimation“, erläutert Dietmar Unterricker, der beim Landratsamt für den Fachbereich Jugend zuständig ist. Für die Jugendbeteiligung keine Extra-Wahlen abhalten zu müssen sei aber auch von Vorteil: Denn für die kleinen Gemeinden ab 600 Einwohner, an die sich das Angebot vornehmlich richtet, werde dadurch die Schwelle für Jugendbeteiligung in der Kommunalpolitik abgesenkt. Das Organisieren einer Jugendgemeinderatswahl sei nämlich sehr aufwendig.

Wer Lust hat, darf mitmachen

Stattdessen werden alle Jugendlichen einer Gemeinde im Alter von 14 Jahren vom Bürgermeister eingeladen, einen 14er-Rat zu gründen. Wer Lust hat, macht einfach mit. Die Jugendlichen tauschen sich in der Folge darüber aus, was gut und was schlecht in der Gemeinde läuft. Schon beim ersten Treffen, werden Projektgruppen gegründet, die ihre Anliegen später dem Gemeinderat vortragen. „Eine wichtige Lektion für die Jugendlichen ist es, dass sich nicht alles umsetzen lässt“, meint Christian Drackert von der Wirtschaftsförderungs- und Standortmarketinggesellschaft. Durch die Arbeit in den Projektgruppen würden die Jugendlichen selbst herausfinden, warum etwas beispielsweise rechtlich nicht gehe.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat? „Es hat im Kreis Sigmaringen noch kein Projekt gegeben, bei dem es am Unwillen eines Gemeinderats gescheitert wäre“, antwortet Jugendbeteiligungs-Projektleiter Roland Schönbucher. Als Beispiel für einen Gewinn aus dem Scheitern hat er eine Anekdote parat: Ein paar Mädchen aus Inzigkofen hätten sich im Rahmen einer Projektgruppe zusammengetan, um sich für einen Trinkwasserbrunnen einzusetzen. Gemeinderat und Bürgermeister zeigten sich aufgeschlossen, allerdings wäre die veranschlagte Durchlaufmenge bei einer Gemeinde wie Inzigkofen deutlich zu niedrig gewesen, sodass der Brunnen mit hoher Wahrscheinlichkeit verkeimt wäre. In der Folge ließen die Mädchen das Vorhaben ruhen, beschlossen aber, das Wissen, welches sie sich über die öffentliche Trinkwasserversorgung angeeignet hatten, an jüngere Kinder zu vermitteln.

Aber natürlich gibt es bei den Projektgruppen auch reine Erfolge: In Scheer beispielsweise haben die Jugendlichen gemeinsam mit dem Besitzer eine Führung durch das Schloss, das ansonsten nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, organisiert und in einigen Gemeinden haben die Jugendlichen es geschafft, einen Jugendraum zu organisieren oder einen bestehenden Jugendraum neu zu beleben, indem sie mit Arbeitseinsätzen auf Festen oder Aktionen wie Altkleidersammlungen genügend Geld für die Einrichtung gesammelt haben. Ein häufiges Anliegen von Jugendlichen, das sich zumeist mit relativ wenig Aufwand umsetzen lasse, sei öffentliches W-LAN, berichtet Schönbucher.

Verbessertes Selbsbewusstsein

Besonders positiv seien die Reaktionen der jungen Menschen und ihrer Eltern zu bewerten, findet Unterricker. Jugendliche berichteten, dass durch ihr Engagement selbst- und verantwortungsbewusster geworden seien. Auch Eltern von Teilnehmern bestätigten eine positive Entwicklung im Selbstbewusstsein ihrer Kinder; sie stehen dem Engagement ihrer Kinder ausnahmslos positiv gegenüber.

Für die Betreuung der Jugendlichen und die Moderation der Treffen sind ausgebildete Fachkräfte mit zehn bis 15 Prozent-Stellen zuständig. Genau wie die Vollzeit-Servicestelle werden sie von einem Gesamtbudged von 138 000 Euro jährlich zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Landkreis finanziert.

Ob die Mitarbeit im Vierzehnerrat nicht das Engagement im Vereinsleben beeinträchtige? Nein, meint Unterricker, bei Terminkollisionen würden sich die Jugendlichen sowieso für ihre Vereine entscheiden. „Wir sehen uns weniger als Konkurrenz, sondern mehr als Ergänzung zum Vereinsleben. Es ist nämlich so, dass die Jugendlichen, die im 14er-Rat aktiv waren, sich später eher zutrauen, ein Ehrenamt in ihrem Verein zu übernehmen“.

Nach einem Jahr Förderung durch den Bund müssen die Gemeinden entscheiden, ob sie den 14er-Rat auf eigene Kosten weiterführen. Die Gemeinderäte von Inzigkofen, Hettingen, Schwenningen und Scheer haben sich bereits dafür entschieden, allein in Sigmaringendorf verlängerte nach der Projektphase nicht.

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