Politiker sehen Elektrifizierung als Etappenziel

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Wenn Stuttgart 21 fertig ist, dürfen keine Diesel-Züge mehr in den Tiefbahnhof einfahren. Ziel ist, dass die Bahnstrecke ab Sig
Wenn Stuttgart 21 fertig ist, dürfen keine Diesel-Züge mehr in den Tiefbahnhof einfahren. Ziel ist, dass die Bahnstrecke ab Sigmaringen deshalb so schnell wie möglich elektrifiziert wird. (Foto: Sebastian Gollnow)
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Jubelarien löst das Elektrifizierungskonzept des Landes im Kreis nicht aus, aber zumindest sind freudige Reaktionen zu vernehmen. Landrätin Stefanie Bürkle spricht von einer „richtig guten Nachricht für den Kreis“. Die Bad Saulgauer Bürgermeisterin Doris Schröter sagte nach einem Treffen im Landratsamt: „Ein Etappenziel ist erreicht. Nun wünschen wir uns, dass es weitergeht.“ Damit ist die Elektrifizierung der kompletten Zollern-Alb-Bahn von Tübingen bis nach Aulendorf gemeint.

Das Konzept des Landes, das Verkehrsminister Winfried Hermann am Freitag vorstellte, sieht eine Aufnahme des Bahnabschnitts zwischen Albstadt-Ebingen und Sigmaringen in den vordringlichen Bedarf vor. Das bedeutet: Nach den bereits geplanten Vorhaben wie der Südbahn oder der Regionalstadtbahn Neckar-Alb gehört das Sigmaringer Projekt zu denen, die als nächstes angegangen werden sollen.

„Diese Strecke hat eine große Bedeutung für den Landkreis Sigmaringen, um die Direktverbindung nach Stuttgart mit der Umsetzung von Stuttgart 21 zu erhalten“, teilt die Abgeordnete Andrea Bogner-Unden (Grüne) schriftlich mit.

In dem Konzept des Landes wird eine Realisierung bis 2025 angegeben, wobei Experten diese Zeitschiene für unrealistisch halten. Für die rund 28 Kilometer lange Strecke werden die Kosten für die Oberleitungen und sonstige Arbeiten auf etwa 70 Millionen Euro geschätzt.

Wer bezahlt die Rechnung? Aus heutiger Sicht ist diese Frage ungeklärt. Das Land hofft auf ein Elektrifizierungsprogramm des Bundes, das im Koalitionsvertrag angekündigt ist. „Es ist aber noch unbekannt, wie dieses Programm ausgestattet ist“, sagt Landrätin Bürkle. Hier warte sie auf Aussagen von Bund und Land. Eine Möglichkeit wäre, dass sich Bund, Land und Kommunen die Finanzierung über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Bundes teilen: Laut den bisherigen Modalitäten würde der Bund 60 Prozent, Land und Kommunen jeweils 20 Prozent der Baukosten übernehmen. Doch ob es in diese Richtung geht, weiß die Landrätin nicht.

Der Landtagsabgeordnete Klaus Burger (CDU), der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm, machte sich in der Runde stark dafür, dass alle an einem Strang ziehen. Er selber will mit seinen Bundestagskollegen und den Kollegen in Stuttgart sprechen, um die offenen Fragen zu Finanzierung und Planung zu klären.

Einig sind sich die Verantwortlichen im Landratsamt und Bürgermeister der an der Zollern-Alb-Bahn gelegenen Kommunen, dass es nicht beim Ausbau des Teilstücks bleiben darf. Um den Netzgedanken zu forcieren und Ringzüge fahren lassen zu können, müsste die komplette Strecke bis Aulendorf unter Strom gesetzt werden. „Wir werden da dranbleiben“, kündigte Bürgermeisterin Schröter an.

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