Politiker sagen Landwirten ihre Unterstützung zu

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 Bei der Kundgebung in Laiz demonstrieren Politiker und Landwirte den Schulterschluss: der Landtagsabgeordnete Klaus Burger, Kre
Bei der Kundgebung in Laiz demonstrieren Politiker und Landwirte den Schulterschluss: der Landtagsabgeordnete Klaus Burger, Kreisbauernverband-Geschäftsführer Niklas Kreeb, Stefan Käppeler (Vorsitzender des Bundesverbands Landwirtschaftlicher Fortbildung im Kreis Sigmaringen), Juliane Vees (Präsidentin des Landfrauenverbands Württemberg-Hohenzollern), Sigmaringens Bürgermeister Marcus Ehm, Landrätin Stefanie Bürkle, Kreisobmann Gerhard Glaser und die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (von links). (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Der Bauernverband Biberach-Sigmaringen hat in Laiz seine traditionelle Kundgebung am Dreikönigstag veranstaltet. Beim Rückblick auf das vergangene Jahr wurde deutlich, dass der Druck der öffentlichen Meinung und der Politik den Bauern sehr zusetzt. Kreisobmann Gerhard Glaser sprach deutliche Worte. „Bestens ausgebildet und verantwortungsvoll rackern sich die Landwirte jeden Tag für bestmöglichen Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz ab“, sagte er. Er rief die Bürger dazu auf, pfleglicher mit den Bauern umzugehen. „Es sind die einzigen und vielleicht die letzten, die sie haben.“

Der Kreisobmann sparte nicht mit Kritik. Sarkastisch stellte er fest, dass die 17-jährige Greta (Umweltaktivistin Greta Thunberg) und der Rezo mit den blauen Haaren (Youtuber Rezo) über Nacht zu neuen Helden avancieren, weil sie zerstörerische Kritik üben, ohne Lösungen vorzuschlagen. Beim Klimawandel und beim Artensterben werde die Landwirtschaft als Täter diffamiert. Glaser stellte fest: „Irgendwie ist man heutzutage in der Stadt viel leichter ein guter Mensch als auf dem Land.“ Dabei stünden die Bauern längst mitten in der Agrarwende, erfüllten die Tierschutz- und Umweltschutzvorgaben. Deshalb seien auch 90 Prozent der Verbraucher klaglos an der Ladenkasse mit ihrer Landwirtschaft zufrieden. „Und wer Bio möchte, bekommt die auch auf kurzem Wege von unseren emsigen Bio-Bauernhöfen“, sagte der Kreisobmann.

Das Selbstwertgefühl leidet

In ihrem Grußwort sprach Landrätin Stefanie Bürkle empathische Worte. Sie sei gekommen, um ihre Solidarität mit der Landwirtschaft auszudrücken und um den Bauern zu danken, die sich 365 Tage im Jahr für die Lebensmittelversorgung, den Artenerhalt, Wasserschutz und Umweltschutz engagieren. An Dreikönig 2019 seien alle noch zuversichtlich ins neue Jahr gegangen. Doch haben hohe Einkommenseinbrüche und die pauschale Kritik der Branche als alleinige Schuldige für Klimawandel und Artensterben am Selbstwertgefühl der Bauern gerüttelt. „Es wird zu viel über Sie gesprochen und zu wenig mit Ihnen“, sagte Bürkle zu den Landwirten.

Die Landrätin lobte die Bauern, die sich nun im Protest solidarisieren und gemeinsam die Stimme mit Mahnfeuern und anderen Aktionen erheben. Ein neuer Dialog mit der Gesellschaft habe begonnen, sagte Bürkle und sicherte der Landwirtschaft ihre Unterstützung zu. Sie sei offen dafür, bei neuen Formaten der Öffentlichkeitsarbeit mitzuwirken, wenn es notwendig werde.

Schizophrenie der Verbraucher

Auch Sigmaringens Bürgermeister Markus Ehm solidarisierte sich mit den Landwirten und kritisierte die Schizophrenie der Verbraucher: Jeder wolle Steaks grillen, frisches Obst, täglich Milch und Brot. Doch die Produktion solle die Umwelt nicht belasten. Ehm appellierte an die Landwirtschaft, sich nicht entmutigen zu lassen. „Denn ohne Sie ist die Grundversorgung der Bevölkerung nicht möglich“, sagte er.

Hauptrednerin Juliane Vees, Präsidentin des Landfrauenverbands Württemberg-Hohenzollern, berichtete von der Depression, die sich in Bauernfamilien breit macht. An den Schulen litten Kinder aus Bauernfamilien unter Mobbing. Schuld seien die Medien: Sie recherchierten nicht, druckten nur die einseitigen Sichten von Umweltschützern und Kritikern, berichteten nicht objektiv. Dadurch verunsicherten sie die Verbraucher. Die lokalen Redaktionen nahm Vees allerdings von ihrer Medienschelte aus. „Sie kennen sich auf dem Land besser aus“, sagte sie.

Juliane Vees forderte die Bauern auf, ihre Arbeit sichtbar und transparent zu machen. Die lokale Presse solle über die Arbeit auf dem Hof informiert werden. Über soziale Medien könne der direkte Kontakt mit den Verbrauchern gehalten werden. Die Landwirtschaft sollte lernen, mit Kritik umzugehen und mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen darauf zu reagieren. Vees empfahl den Bauern, einander mit Fairness zu begegnen und sich gegenseitig als Partner zu betrachten. „Ob bio oder konventionell, Obst oder Fleisch: Das ist egal. Wir sind zu wenige, wir müssen zusammenhalten.“ Das Ziel sei es, die Deutungshoheit im landwirtschaftlichen Diskurs zurückzugewinnen. „Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag, der Landwirte, Politik und Verbraucher bindet“, appellierte sie in ihrer emotionalen Rede an alle Akteure.

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