Nur wenige demonstrieren gegen AfD-Bürgerdialog

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Vor der Stadthalle demonstrieren zwischen 30 und 70 Bürger gegen die AfD. Die Kundgebung wurde am Morgen angemeldet.
Vor der Stadthalle demonstrieren zwischen 30 und 70 Bürger gegen die AfD. Die Kundgebung wurde am Morgen angemeldet. (Foto: Günther Brender)

Göppingen, Waldshut, Donaueschingen – die Teilnehmer an der AfD-Veranstaltung waren teils von weit her angereist. Eine Dame mittleren Alters, die ihren Namen nicht nennen wollte, sagte: „Ich traue der Presse nicht.“ Die Journalisten sollen die Wahrheit schreiben anstatt sich bei den Leuten im Gebüsch zu verstecken und Halbwahrheiten zu verbreiten. „Da nimmt ein Asylant eine Schaufel in die Hand und ihr bringt eine ganze Seite. Über die Leute, die jeden Tag um 5 Uhr aufstehen und zur Arbeit gehen, bringt ihr nichts.“

Ein junger Mann mit einem gewaltigen Filzhaarschopf und Bart erklärte, er sei Daniel S. aus einem Nachbardorf. Er sei wegen dem Referenten Karl Albrecht Schachtschneider, dem Staatsrechtsprofessor, gekommen. „Ich kenne Schachtschneider schon seit Jahren, vor allem aus dem Internet, da aber mit Wirtschaftsthemen“, sagte er. Er wolle nun etwas über seine Ansichten zur Flüchtlingsproblematik erfahren. Gefragt, ob er sich zu den AfD-Kritikern zähle, sagte Daniel S.: „Ich weiß, ich sehe nicht so aus, aber ich bin Sympathisant der AfD.“

Den Gegner erkunden

Rudolf Christian, Sigmaringer Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sagte: „Man muss ja den Gegner erkunden und den Leuten sagen, was Sache ist. Das ist Grund genug, hier zu erscheinen.“ DGB-Funktionär Christian bemerkte, als Rechtswissenschaftler müsse Schachtschneider doch akzeptieren, dass er vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert sei.

Heinz Gauggel senior aus Sigmaringen erklärte, es sei die Neugierde, die ihn in die Stadthalle getrieben habe. Man lebe ja schließlich in einer Demokratie und er habe sich dafür interessiert, den AfD-Landesvorsitzenden Jörg Meuthen einmal persönlich kennenzulernen.

Ein weiterer, älterer Besucher meldete sich ungefragt zu Wort. Er habe in der Biberacher Ausgabe eine Überschrift zu einem großen Artikel gefunden, die laute: „Vom Asylantenheim in den Arbeitsmarkt“. „Das ist doch eine Scheiß-Presse.“ Über die hart arbeitenden Leute wie seinen Sohn, der 52 Prozent Abzüge vom Bruttogehalt habe, darüber berichte die „Schwäbische“ nichts. Der ehemalige Chef des Sigmaringer Landwirtschaftsamts, Hans Schmutz, war ebenfalls aus politischem Interesse gekommen: „Die AfD interessiert mich, ich wollte die mal in Natura kennenlernen“, sagte er.

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