Etliche Stühle bleiben beim CDU-Kreisparteitag in Rohrdorf leer.
Etliche Stühle bleiben beim CDU-Kreisparteitag in Rohrdorf leer. (Foto: vr)
Vera Romeu

Sehr wenige Mitglieder sind am Wochenende zum 40. Parteitag der CDU in die Rohrdorfer Benzenburghalle gekommen. Lediglich 103 Stimmberechtigte und ein paar Gäste waren da, sodass die Stühle vielfach leer blieben. Die CDU hat 1500 Mitglieder im Landkreis. Schon zu Beginn des Parteitags war der Unmut von Mitgliedern nicht zu überhören. Dass die Veranstaltung grundlos mit 20 Minuten Verspätung anfange, sei nicht recht, sagte ein Mitglied: „Das ist unverschämt denen gegenüber, die pünktlich da sind.“ Der Unmut sollte sich aber während der Veranstaltung noch steigern. Man müsse sich schon Gedanken machen, warum so wenige Parteimitglieder da sind, sagte jemand am Tisch. Auf die Frage, warum er gekommen sei, antwortete er: „Aus Mitleid.“

Währenddessen liefen auf der Bühne die Regularien. In seinem Rechenschaftsbericht ging Klaus Burger als Kreisvorsitzender auf den jüngsten Wahlkampf ein. Die Kandidaten Thomas Bareiß und Lothar Riebsamen hätten wie Löwen gekämpft. Der Wahltag sei aber ein einschneidender Tag gewesen, man hätte sich ein besseres Votum gewünscht: Die Koalition werde schwer zu bilden sein, prognostizierte Burger. „Das Ergebnis darf uns nicht ruhen lassen, ein ,Weiter so’ geht nicht“, sagte er. Man werde analysieren, warum die CDU so viele Wähler an die AfD verloren habe. „Das sind keine rechten Spinner. Es sind normale Wähler, die sich von uns abgewandt haben“, sagte Burger. Er wolle die Leute zurückholen, damit die CDU wieder eine Volkspartei werde. Dafür bekam er spontanen Applaus von den Mitgliedern.

Der ländliche Raum sei das Thema des 40. Parteitags, sagte Burger. Die Bürger fühlten sich abgehängt, wenn die Bankfilialen und Arztpraxen schließen, wenn das schnelle Internet nicht ausgebaut und die Bahnstrecke nicht elektrifiziert werde. Die neuesten Zahlen über das schlechte Bildungsniveau der Grundschüler schrieb er der früheren grün-roten Koalition zu und versprach, dass sich dies nun mit der CDU in der Landesregierung ändern werde. Die CDU brauche wieder eine klarere Sprache und Profil, sagte Burger.

Schatzmeister Karl Brigel legte seinen Bericht vor. Tagungspräsident Thomas Bareiß lobte die klaren und obendrein schwarzen Zahlen. Kassenprüfer Alois Zimmermann quittierte eine gute Kassenführung, mahnte aber den Kassenstand als bedenklich niedrig an.

Eine Aussprache über die Berichte fand nicht statt, weil die Parteimitglieder keine Fragen stellten. So konnte Tanja Gönner die Entlastung des Kreisvorstands beantragen: „Wir haben die Berichte mit den selbstkritischen Untertönen gehört. Sie haben keine Fragen. Daraus kann ich schließen, dass sie zufrieden sind“, sagte sie. Die Entlastung fiel einstimmig aus.

Unmut bei den Wahlen

Klaus Burger wurde mit lediglich 84 Prozent der Stimmen in seinem Amt als Kreisvorsitzender bestätigt. Zu seinen drei Stellvertretern wurden Alexandra Hellstern-Missel, Arne Zwick und die abwesende Alexandra Hepp gewählt. Schatzmeister ist Karl Brigel, Schriftführer Markus Baur und Pressereferent Helmut Rummler, Internetbeauftragter Mike Hummel, Mike Traub wurde Mitgliedsbeauftragter.

Für einige kam das Fass zum Überlaufen, als die Wahl der 15 Beisitzer anstand. Die Kandidaten stellten sich einzeln mit einem Statement vor, was den Parteitag sehr in die Länge zog. „Darum kommt niemand mehr. Ich weiß nicht, was die bezwecken wollen“, hieß es. „Die Kandidaten könnten kurz aufstehen, das würde reichen. Auch die Ehrungen könnte man an einem Abend machen“, sagte ein sehr verärgertes Mitglied. Viele legten ihre Stimmzettel noch in die Boxen und verließen dann den Saal, sodass der Vortrag des Landtagsabgeordneten Patrik Rapp nur noch wenige Zuhörer hatte.

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