Notärzte brauchen oft länger als vorgeschrieben

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Redaktionsleitung

Jeder zehnte Notarzt im Rettungsdienstbezirk Bodensee-Oberschwaben erreicht den Einsatzort nicht in den vorgeschriebenen 15 Minuten. Die sogenannte Hilfsfrist zeichnet auf, in wie viel Prozent der Einsätze dieses Ziel erreicht wird - unsere Karte zeigt, wo es derzeit noch offensichtliche Versorgungslücken gibt.

Momentan erreichen die Notärzte einen Wert von 89,1 Prozent (Vorjahr 88,8 Prozent). Im Rettungsdienst wird das vorgegebene Ziel von 95 Prozent fast erreicht. Die Rettungsdienste erzielen eine Quote von 94,3 Prozent (Vorjahr: 94,2 Prozent). Die Zahlen beziehen sich auf die drei Landkreise Bodenseekreis  (-> zum Artikel), Ravensburg (-> zum Artikel) und Sigmaringen. Separate Zahlen für den Landkreis Sigmaringen liegen nicht vor.

Hilfsfrist verbessert sich leicht

Der Chef der Rettungsleitstelle Oberschwaben ist mit der Entwicklung zufrieden. „Es ist uns gelungen, die Frist in beiden Bereichen leicht zu verbessern“, teilt Volker Geier per Mail mit. Der Kreisverband Sigmaringen des Deutschen Roten Kreuzes wünscht sich eine Verbesserung für den Rettungsdienst in der Stadt Sigmaringen. Dort sind aktuell zwei Rettungstransportwagen (RTW) installiert, einer von beiden allerdings nur tagsüber. „Der Standort Sigmaringen sollte gestärkt werden“, sagt der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, Gerd Will. In der nächsten Sitzung des Bereichsausschusses, der über Verbesserungen im Rettungsdienst entscheidet, soll darüber gesprochen werden.

Um den Rettungsdienst zu entlasten, wurden außerdem zwei Fahrzeuge in Betrieb genommen, die Verlegungen in Krankenhäuser übernehmen. Sowohl in Bad Saulgau als auch in Sigmaringen sind diese Fahrzeuge im Einsatz, die vom Personal und der Technik her ausgestattet sind wie ein Rettungstransportwagen. Diese Leistungen werden jedoch nicht über die Hilfsfrist erfasst, obwohl die Dienste indirekt zusammenhängen.

Der DRK-Kreisverband plant außerdem den Umbau von zwei Rettungswachen im Kreis. Dies könnte sich ebenfalls positiv auf die Versorgung auswirken. So wird in Meßkirch die Wache für 400 000 Euro ertüchtigt. Die Garage soll für ein größeres Fahrzeug umgebaut werden, die Umkleiden der Mitarbeiter und die Sanitärbereiche sollen ebenfalls modernisiert werden. „In Ostrach planen wir Ähnliches“, sagt der DRK-Geschäftsführer. Momentan befindet sich die Wache in den Räumlichkeiten des DRK-Ortsvereins. Dieses Provisorium soll eventuell durch einen Neubau ersetzt werden. Sollte es die Möglichkeit einer Förderung geben, könnte 2018 gebaut werden. Allerdings ist noch keine Entscheidung gefallen. Ein Umbau könnte sich positiv auf die Ausrückzeit auswirken, da sich die Mitarbeiterräume in Ostrach im ersten Obergeschoss befinden. Sollte hier die räumliche Situation verbessert werden, könnten die Mitarbeiter schneller im Fahrzeug sitzen. Außerdem werde nach einem Standort gesucht, der das Einzugsgebiet optimal abbilde.

Keine ausgefallenen Fahrzeuge

Insgesamt macht der Personalmangel dem Rettungsdienst im Landkreis Sigmaringen weniger zu schaffen als anderswo. „Bislang sind noch keine Fahrzeuge ausgefallen“, sagt der DRK-Geschäftsführer, „wir kriegen den Rettungsdienst gestemmt“.

Beim Malteser Hilfsdienst werden die Hilfsfristen mit dem Rettungsdienst im Kreis Sigmaringen in 94 bis 95 Prozent der Fälle eingehalten. Beim Notarzt ist dies bei über 90 Prozent der Einsätze der Fall. Das sagt Roland Beierl, AOK-Geschäftsführer und Vorsitzender des Bereichsausschusses des Rettungsdiensts Bodensee-Oberschwaben.

Derzeit werden strukturelle Änderungen geplant, die die Ergebnisse weiter verbessern sollen.

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