Mit Poesie durch die Pandemie

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 Helga Boban schreibt für ihr Leben gern Gedichte.
Helga Boban schreibt für ihr Leben gern Gedichte. (Foto: Reiner Löbe)
Redakteurin Sigmaringen

Ob mit Beginn der industriellen Revolution, der Elektrifizierung oder der beiden Weltkriege: Krisen- und Umbruchzeiten wirken sich immer auf die Kunst und Kulturschaffende aus. Dass die Corona-Pandemie auch ihre Spuren im Werk so mancher Künstler hinterlassen wird, darauf deutet auch eine jüngst erschienene Projekt-Anthologie hin. „Mit Poesie durch Pandemie“ lautet der Untertitel des Buches „Zwischen den Sirenen“, in dem ein Gedicht der Sigmaringerin Helga Boban veröffentlicht wurde. Ihre „Hinterhoftristesse“ erscheint zusammen mit 30 anderen Gedichten in dem Buch, das aus einer Facebook-Aktion heraus entstanden ist.

Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für Gedichte und habe viele Gedichtbände daheim. Helga Boban

Unter dem Motto „Lyrik ist immer solidarisch“ haben verschiedenste Lyriker täglich zwischen März und Mai auf der von Oliver Bruskolini ins Leben gerufenen Facebookseite ein Gedicht online veröffentlicht, um Leidensgenossen, Kulturinteressierte und Freunde der Lyrik durch die Corona-Zeit zu helfen.

Der Band zielt darauf, die Sichtbarkeit von Akteuren zu erhöhen, die im Zuge der aktuellen Lage mit enormen Herausforderungen konfrontiert wurden, und ihnen so durch die schwere Zeit zu helfen sollen. Helga Boban etwa widmete ihr Gedicht dem Kulturbetrieb Alter Schlachthof. „Das bot sich aufgrund der nachbarschaftlichen Nähe an“, so die gelernte Buchhändlerin der früheren Hofbuchhandlung Liehner. Lange Jahre hat sie im Anschluss daran in der Bibliothek des Schlosses gearbeitet und ist auch jetzt – nach ihrem Ruhestand – noch einmal pro Woche dort tätig.

Die Hobby-Autorin zieht viel Kraft aus dem Schreiben

Auf die Facebook-Gruppe wurde sie über einen Autoren-Freund aufmerksam, der am Projekt beteiligt ist. Unter zahlreichen Einsendungen sei dann unter anderem ihre berücksichtigt worden. Vom Erlös profitiert die Autorin allerdings nicht, da die Kooperation mit einem gemeinnützigen Verein erfolgt. „Es gab auch kein Belegexemplar“, sagt Boban etwas enttäuscht. Doch die Hobby-Schreiberin zieht auch persönlich viel Kraft aus dem Verfassen von Gedichten, nicht erst, weil Boban seit kurzem auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für Gedichte und habe viele Gedichtbände daheim.“

Auf ihrer Internetseite namens „Meine Lyrikecke im Traumschloss“ präsentiert sie zudem Einblicke in ihre Gedichtsammlung, von erotisch bis heiter, auch Kurzgeschichten sind dabei. Die Verbundenheit zum Schloss hat natürlich mit ihrem Arbeitgeber zu tun, für das Fürstenhaus arbeitete sie seit 1981 zunächst in der Verwaltung, später in der Bibliothek. „Lyrik ist dort aber nicht repräsentiert“, sagt Boban, die Sammlung sei eher wissenschaftlich, geschichtsbezogen sowie kunsthistorisch.

„Ich lasse mich von Dingen inspirieren, die ich sehe“, sagt die Autodidaktin. So könne sie schon mal ein Gemälde zu einem Gedicht inspirieren. „Ich lese auch viele Gedichte im Internet“, sagt Boban, die selbst einiges in Internetforen veröffentlich hat. Ihr Lieblingsgedicht ist Hesses „Stufen“. Das begleite sie seit Jahren durchs Leben.

Die Anthologie ist in Zusammenarbeit mit Sternenblick, einem gemeinnützigen Verein zur Lyrikförderung entstanden. Weitere Informationen gibt es auf www.mitpoesiedurchpandemiearchiv.wordpress.com

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