Mit Musik und Malerei Erlebnisse verarbeiten

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 Ahmed Khidhir stellt im Josefinenstift aus.
Ahmed Khidhir stellt im Josefinenstift aus. (Foto: Beatrix Speker)
Beatrix Speker

Seit Kurzem gibt es im Altenheim Josefinenstift eine neue Bilderausstellung. Dank der großen Unterstützung von Hannelore und Lorenz Heckel, die beide ehrenamtlich im Josefinenstift tätig sind, und der Mithilfe von Luzia Kleiner, Mitarbeiterin im Josefinenstift, kann Ahmad Khidhir seine Bilder ausstellen.

Ahmad Khidhir, geboren 1965 in Mosul, kommt aus dem Irak. Eigentlich ist Khidhir Musiker – und das mit Leib und Seele. Nach der Ausbildung zum technischen Zeichner studierte er Musik und arbeitete hauptberuflich als Musik- und Gitarrenlehrer in Mosul. Seine Bandbreite reicht von arabischen Tönen über klassische Musik, Pop, Blues, Hard Rock bis hin zu Metal.

Doch mit der Besetzung Mosuls durch den IS geriet sein Leben in Gefahr. Sein Musikstil missfiel den neuen Machthabern. Sein Name kam auf eine schwarze Liste und Ahmad war gezwungen, das Land zu verlassen. Schleuser brachten ihn, vorbei an den Stellungen des IS, aus Mosul heraus. Über Syrien gelangte er in die Türkei, von dort ging es mit auf einem kleinen überfüllten Boot weiter nach Griechenland. Die sogenannte Balkan-Route (Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich) durchquerte er zu Fuß. Schlussendlich gelangte er mit einem Bus nach Deutschland, wo er vom Fahrer unmittelbar hinter der deutsch-österreichischen Grenze mitten in der Nacht irgendwo im Gelände einfach abgesetzt wurde.

Nach Unterbringungen in den Aufnahmestellen Karlsruhe und Meßstetten gelangte er nach zunächst in die LEA Sigmaringen. Von dort kam er im September 2015 in die Gemeinschaftsunterkunft Fürstenhof. Im November 2016 erhielt er den Aufenthaltstitel für Deutschland und im März 2017 konnte er eine eigene kleine Wohnung beziehen.

Seit Oktober 2016 unterrichtet Khidhir ehrenamtlich an der Bertha-Benz-Schule, Sigmaringen, Gitarre und seit März 2019 ist er an der Städtischen Musikschule Bad Saulgau als Gitarrenlehrer eingestellt.

Eigentlich ist er kein Maler, sagt er immer, aber es hilft ihm, genauso wie die Musik, das Erlebte besser zu verarbeiten. In seinen Bildern möchte er seine Liebe zur alten und zu sein neuen Heimat ausdrücken.

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