Mit GPS-Gerät durchs Dickicht

Lesedauer: 7 Min

Herr „indihorst“, wie sich unser geheimer Geocacher im Forum nennt, stellt netterweise sein Handy zur Verfügung, denn das Smart
Herr „indihorst“, wie sich unser geheimer Geocacher im Forum nennt, stellt netterweise sein Handy zur Verfügung, denn das Smartphone der Redakteurin hat im Wald keine Internetverbindung. (Foto: Anna-Lena Buchmaier)
Schwäbische Zeitung

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Ich stecke in einer klaustrophobisch engen Felsspalte und suche nach einem Versteck – ich hoffe, dass mir jetzt keine Spinne entgegenkrabbelt, sonst könnte es peinlich für mich werden. Schließlich will ich bei meinem ersten Geo-Caching-Ausflug einen guten Eindruck bei meinen Begleitern hinterlassen. Es war schwer genug jemand zu finden, der mir das Hobby näher bringt, bei dem mittels GPS-Koordinaten sogenannte Caches gefunden werden müssen – ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd.

In Foren und auf Facebook habe ich nach Leuten gesucht, die ich begleiten darf – zunächst bin ich auf Skepsis und Misstrauen gestoßen. Manche schrieben mir, zu oft sei das Thema schon in der Presse falsch aufgegriffen worden, Geocacher seien reißerisch als „Schatzsucher“ bezeichnet worden, obwohl viel mehr hinter diesem Hobby stecke. Oder unvorsichtige Journalisten hätten Fundstellen verraten, die dann von Nicht-Geocachern, sogenannten Muggles, geplündert worden wären.

Über die Administratoren eines Forums starte ich einen letzten Aufruf. Und habe Glück. Das Ehepaar „indihorst“, das in diesem Artikel nur unter seinem Geocaching-Namen auftreten möchte, meldet sich bei mir. Ich verspreche, dass das Paar den Text im Vorfeld gegenlesen darf. Wir verabreden uns bei einem Wanderparkplatz nahe Sigmaringen – der genaue Ort soll nicht genannt werden. Auf das Treffen habe ich mich vorbereitet: Ich habe mir die App c:geo heruntergeladen und mich auf geocaching.com mit einem Spitznamen registriert. Mein Smartphone-Akku ist voll geladen – dafür ist meine mobile Internetverbindung schlecht. Meine erfahrenen Begleiter haben Outdoorkleidung an, sind mit Insektenschutzmittel eingesprüht und haben sich die Karte daheim schon heruntergeladen. Das werde ich beim nächsten Mal auch tun.

Das Ehepaar „indihorst“ aus Sigmaringen hat das Hobby 2012 für sich entdeckt, durch einen Krimi, in dem Geocaching eine tragende Rolle spielt. „Wir sind gern in der Natur unterwegs, so wandern wir mit Ziel“, sagt Frau „indihorst“. Meine erste Cache-Runde ist in doppelter Hinsicht besonders, denn ich begehe sie mit den Menschen, die dieses kleine Abenteuer entworfen und die Caches versteckt haben. Frau „indihorst“ hat es ihrem Mann zum 60. Geburtstag geschenkt – es nennt sich „Dekadenrunde“. Für jedes Lebensjahrzehnt ist ein Cache im Wald versteckt. In der App kann man zudem noch Text und Hinweise abrufen. „Etliche Stunden“ habe sie für die Vorbereitung gebraucht.

Die Vorsicht der Gemeinschaft verstehe ich auch, als ich sehe, wie viel Liebe und Arbeit in den Caches stecken. „Ich bin gern kreativ“, sagt Frau „indihorst“ und hebt einen Baumschwamm vom Boden auf. Alles, was sie sammelt, kann sie als Tarnung für ihre Verstecke wiederverwenden. Ich darf das Smartphone von Herrn „indihorst“ benutzen und lasse mich vom „Navi“ zum ersten Versteck in einer Felsspalte lotsen. Ich finde eine Dose mit kleinen Spielsachen und Glücksbringer – jeder Geocacher soll etwas hineinlegen, wenn er etwas aus der Dose herausnimmt. Ich habe nichts dabei und trage mich nur in das Logbuch mit meinem Geocaching-Spitznamen ein. „Man schreibt meist noch dazu: TFTC – thanks for the cache (deutsch: Danke für den Cache)“, erklärt mir Herr „indihorst“, der auch schon ein Geocaching-Event, ein Treffen für Geocacher, in Sigmaringen in die Wege geleitet hat.

„Mit der Zeit bekommt man ein Auge für die Verstecke“, sagt Herr „indihorst“. Es stimmt. Hinter so manchem ordentlich drapierten Steinhaufen oder gründlich abgedeckten Totholz verbirgt sich ein Cache. Andere sind schwieriger versteckt, man muss dabei klettern oder in die Höhe blicken. „Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es auch Caches, für die man tauchen muss oder eine Kletterausrüstung braucht“, sagt er. Nur von Privatgrund und -eigentum wie Jägerstände sollten Geocacher Abstand nehmen oder eine Erlaubnis einholen, erklärt mir Herr „indihorst“.

Die beiden haben inzwischen rund 30 Caches in und um Sigmaringen herum versteckt. Die Caches gilt es darüberhinaus auch zu pflegen. Nasse, schimmelige Logbücher müssen ausgetauscht und Standorte überprüft werden, denn oftmals fallen Caches dem Vandalismus zum Opfer.

In manchen Caches, sogenannten Letterboxen (etwa: Briefkästen), werden Postkarten abgelegt und man kann sich einen Stempel abholen. Bei wiederum anderen gilt es Codes zu knacken oder sogenannte Trackables, eine Art Münze, mitzunehmen und sie an einen bestimmten Standort zu bringen. „Diese Münze“, sagt Frau „indihorst“ und deutet auf ihren Halsschmuck, „wollten wir nach Schottland schicken, aber sie kam nur bis Dänemark.“ Das Ehepaar hat sie irgendwann an einem Sammelpunkt an der Autobahn wieder zurückgeholt.

Wir laufen bei Sonnenuntergang am Gewässer entlang. Anderthalb Stunden dauert unser kleines Abenteuer, bei dem ich einen kleinen Einblick in das Hobby der beiden erhalte. Daheim angekommen rufe ich die App erneut auf. Ich habe schon die nächste Runde im Blick.

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