Mit dem gelben Sakko gegen rechte Gewalt

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Regisseur Peter Ohlendorf spricht im Sigmaringer Hoftheater mit den Zuschauern über seinen Film. (Foto: jek)
Schwäbische Zeitung
Jennifer Kuhlamann

Auch in Sigmaringen tragen jetzt einige Bürger den Button mit einem gelben Sakko am Revers und sagen damit „Nein zu rechter Gewalt“. Diese Sigmaringer haben sich am Dienstag und Mittwoch die Filmvorführungen „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ im Hoftheater Sigmaringen gesehen.

Das gelbe Sakko, das der Journalist Thomas Kuban bei öffentlichen Auftritten mit Perücke und Sonnenbrille trägt, weil er schon viele Morddrohungen von Neonazis erhalten hat, wird so auch für andere zum Statement. „Es wäre schön, wenn Sie durch den Button mit anderen Menschen ins Gespräch kommen und sie auf unseren Dokumentarfilm und die vorhandene rechte Szene aufmerksam machen“, sagt Peter Ohlendorf. Der Regisseur hat sich die Zeit genommen, vor und nach dem Film mit den Anwesenden über die rechte Szene und ihre Musik zu reden.

Zehn Jahre lang hat Thomas Kuban mit versteckter Kamera auf Rechtsrock-Konzerten in ganz Deutschland gefilmt. Der Zuschauer wird mit grausigen Parolen, Hitlergrüßen und unverhohlenem Fremdenhass konfrontiert. Und mit der Tatsache, dass kein Ort vor solchen Konzerten sicher ist. Als Nazi verkleidet besteht Kuban die Schnitzeljagd zum Konzertort, bekommt indizierte Musik und Waffen zum Kauf angeboten. Polizei und Politikern wirft er vor, nicht hart genug gegen solche Veranstaltungen durchzugreifen.

Rechtsextreme sind auch in der Region aktiv

Dass Fremdenfeindlichkeit und nationalistisches Gedankengut auch in unserer Region zu finden ist, zeigt Lucius Teidelbaum, der in der rechten Szene recherchiert. Das letzte – bekannt gewordene – Rechtsrockkonzert habe im März 2007 im mittlerweile abgebrannten Clubhaus Ghost Station in Krauchenwies stattgefunden. Hier trat die Nazi-Band Jagdstaffel auf. Im Juni 2011 fand das Sommerfest der Landes-NPD auf einem Privatgrundstück im Andelsbachtal, in Sigmaringen gab es zeitgleich eine kleine Gegendemonstration. Ende Juli kam es zu Hausdurchsuchungen gegen die Neonazi-Gruppe „Standarte Württemberg“, wo unter anderem auch Wohnungen in Sigmaringen durchsucht wurden. Anfang der 1990er-Jahre habe es massive Nazi-Probleme in Sigmaringen gegeben.

Am Mittwochmorgen diskutierte Ohlendorf nach dem Film mit 120 Schülern. „Aufgrund der guten Resonanz planen wir weitere Veranstaltungen für den 7. und 8. April“, so Gastgeber Martin Robben. Dem Regisseur Ohlendorf würde es gefallen, wenn sich in Sigmaringen in der Zivilgesellschaft eine Initiative gründen würde, die präventive Aufklärungsarbeit leistet. „Dann müsste man nicht nur Feuerwehr spielen, wenn wieder Neonazis nach Sigmaringen kommen, sondern sich unabhängig davon mit den Gefahren auseinandersetzen.“

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