Marcus Ehm ist Sigmaringens neuer Bürgermeister

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Marcus Ehm kann es kaum fassen: Er präsentiert sich mit seiner Frau Verena auf dem Rathausbalkon als künftiger Bürgermeister.
Marcus Ehm kann es kaum fassen: Er präsentiert sich mit seiner Frau Verena auf dem Rathausbalkon als künftiger Bürgermeister. (Foto: Fotos: Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Ungläubiges Staunen im Rathaus, überschwängliche Freude auf dem Marktplatz: So lässt sich der Wahlabend in Sigmaringen zusammenfassen. Der künftige Bürgermeister Marcus Ehm fährt einen Start-Ziel-Sieg ein. Von O wie Oberschmeien bis B wie Briefwahl – Ehm liegt immer vorne. Der Wahlabend im Zeitraffer.

Als gegen 18.15 Uhr als Erstes das Ergebnis aus Oberschmeien auf der Leinwand im Sitzungssaal des Rathauses aufleuchtet, geht weder ein Raunen, noch ein Jubeln durch den Saal. Ehm führt. Ehm führt sogar deutlich. 60,37 Prozent in Oberschmeien. Schärer liegt klar zurück: 38,25 Prozent. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Tyrs glaubt schon jetzt zu wissen, dass Ehm die Wahl gewinnen wird.

CDU-Stadtrat glaubte an Schärers Sieg

„Das war’s“, sagt sie mit hellseherischer Sicherheit. Warum sie so denkt? Sie hatte damit gerechnet, dass Schärer in den Ortsteilen das bessere Ergebnis einfahren wird. Elmar Belthle, ein altgedienter Stadtrat aus der CDU-Fraktion, hatte zu Beginn des Wahlabends noch vorhergesagt: „Im Tennis würde man sagen: Advantage Schärer.“

Schärer lässt sich nichts anmerken

Wenige Minuten später betritt der Amtsinhaber den Sitzungssaal. Im kurzärmeligen weißen Hemd, ohne Krawatte und in Jeans. „Es sieht noch nicht so gut aus“, sagt er, als er das erste Zwischenergebnis wahrnimmt. Schärer lässt sich nichts anmerken. Zumindest während dieser halben Stunde im Sitzungssaal nicht. Seiner Frau Antje dagegen sieht man an, dass es ihr nicht gutgeht. Mit versteinerter Miene blickt sie auf die Ergebnisse, die jetzt im Minutentakt eintrudeln.

Um 18.36 Uhr ist bereits klar, dass Schärer seinen Posten räumen muss. Zwar fehlen die Briefwähler noch, doch der Vorsprung ist so groß, dass er nicht mehr einzuholen ist. Ehm, der zusammen mit seiner Frau Verena schräg am Eingang steht, lässt sich keine Emotionen anmerken. Als ihr bewusst wird, dass es ihr Mann geschafft hat, drückt es Verena Ehm die Tränen die in die Augen. Marcus Ehm sagt, dass ihn die Deutlichkeit des Ergebnisses überrasche. Beim Blick auf die Resultate hebt er das Hanfertal heraus, wo er mit mehr als 80 Prozent sein bestes Ergebnis einfährt. „Das ist meine Heimat“, sagt er.

Schärers Amtszeit endet am 23. August

Der Amtsinhaber gratuliert noch im Sitzungssaal. Und zwar als Erster. Er bedankt sich für den fairen Wahlkampf und bemerkt anerkennend: „Du hast alles richtig gemacht.“ Schärer geht weg, kehrt noch einmal um und kündigt gegenüber Ehm an, dass er die Amtsgeschäfte sauber übergeben werde. Schärers Amtszeit endet am 23. August.

Thomas Schärer (CDU)
Sigmaringens Bürgermeister Thomas Schärer (CDU). (Foto: Tobias Kleinschmidt / DPA)

Nachdem er einige Bürgermeister-Kollegen begrüßt, verlässt Thomas Schärer den Sitzungssaal. Den Journalisten drückt er eine vorgefertigte Presseerklärung in die Hand. Darin schreibt er, was man so schreibt, wenn man mit einer Niederlage rechnet. Zu seinen beruflichen Plänen werde er sich nicht äußern. „Die Wähler wollten ein andres Gesicht, das respektiere ich und anerkenne das Resultat ohne Wenn und Aber.“

Die Wahlbeteiligung lag bei 44,75 Prozent und damit etwas über der von 2010.

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