Lisa Heyman stirbt im Alter von 98 Jahren in den USA

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Rückkehr im Jahr 2012: Lisa Heyman wurde 1937 aus Sigmaringen vertrieben.
Rückkehr im Jahr 2012: Lisa Heyman wurde 1937 aus Sigmaringen vertrieben. (Foto: Archiv)
Redaktionsleitung

Lisa Heyman ist ist tot: Wie Bürgermeister Thomas Schärer mitteilt, verstarb sie am 13. Dezember im Alter von 98 Jahren. Lisa Heyman, geborene Frank, wurde 1937 von den Nazis aus Sigmaringen vertrieben. 2012 kehrte sie in ihre alte Heimatstadt zurück, um der Verlegung von Stolpersteinen vor ihrem ehemaligen Wohnhaus an der Karlstraße beizuwohnen.

Ihre Tochter Patsy schreibt in einer an Bürgermeister Schärer gerichtete Trauerkarte: „Obwohl sie 79 Jahre in den USA lebte, war Sigmaringen immer ihre Heimat.“ Lisa Frank war knapp 20 Jahre alt, als die Familie Sigmaringen verlassen musste. In der Trauerkarte steht weiter, dass Heyman wenige Monate vor ihrem Tod geäußert habe, dass sie noch einmal nach Sigmaringen reisen wolle. Als ihre Tochter sie fragte, ob sie sie begleiten solle, verneinte Heyman dies: „Sie wolle alleine reisen, ihre Eltern sehen, damit es ihr noch einmal gut geht“, schreibt ihre Tochter. Lisa Heymanns Großvater hatte Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit seinem Bruder die Laizer Adler-Brauerei erworben, schreibt Kreisarchivar Edwin Weber in einem Aufsatz über die Familie. 1910 erwarben die Brüder das Hofbräuhaus an der Karlstraße, auf dessen Gelände heute das Finanzamt steht. Die Familie Frank wohnte auch auf diesem Gelände.

Als einzige jüdische Schülerin im damaligen staatlichen Gymnasium wurde Heyman zusehends isoliert. Ihre Freunde mieden sie und kamen nicht mehr zu ihr nach Hause. 1940 heiratete sie in den USA ihren Mann, den sie in Sigmaringen kennengelernt hatte. Ohne Englisch-Kenntnisse versuchten die Franks in der neuen Welt Fuß zu fassen. Lisa Heyman hielt sich mit Jobs über Wasser und musste auch ihre Eltern versorgen. Erst später kam sie laut Kreisarchivar Weber durch denVerkauf von Textilwaren in Louisville, Kentucky, zu einem bescheidenen Wohlstand.

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