Lebensmittelretter informieren auf dem Markt

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 An ihrem Stand verteilen die Sigmaringer Foodsaver Melanie Störner-Draskovic (von links), Stefan, Leon und Tanja Friese kostenl
An ihrem Stand verteilen die Sigmaringer Foodsaver Melanie Störner-Draskovic (von links), Stefan, Leon und Tanja Friese kostenlose Lebensmittel. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Viele Besucher haben sich auf dem Markt am Wochenende für den Stand der Sigmaringer Foodsaver, also Lebensmittelretter, am Vier-Jahreszeiten-Brunnen interessiert und dabei gleich ein paar kostenlose Lebensmittel mitgenommen. Seit einem Jahr ist die Gruppe in Sigmaringen aktiv.

„Das ist heute eine einmalige Aktion, um uns bekannt zu machen“, erklärt Foodsaverin Tanja Friese. „Es geht uns darum, die Lebensmittel zu retten, welche die Märkte ansonsten in den Müll werfen würden. Wir essen sie und verteilen sie kostenlos“, erklärt Tanja Friese. Die Mitglieder des Umweltvereins Foodsharing engagieren sich so gegen Lebensmittelverschwendung. Die vor der Mülltonne geretteten Lebensmittel verarbeiten sie selbst oder verteilen sie an Familie, Freunde und Nachbarn.

Allerdings sind die Foodsharer streng genommen kein sozialer Verein wie die Tafel, die Lebensmittel von Märkten gespendet bekommt und in ihren Läden zu niedrigen Preisen an Bedürftige verkaufen. Deswegen bekommen die aktiven Foodsaver, die bei den Märkten registriert sind, auch nur die Lebensmittel, die die Tafel nicht gebrauchen kann. „Wir kommen immer erst nach der Tafel zur Ausgabe und retten den Überschuss, der ansonsten im Müll landen würde“, betont Tanja Friese. „Wir sind keine Konkurrenz für die Bedürftigen“, unterstreicht sie.

Die Ortsgruppe Sigmaringen ist kein Verein, sondern ein eher loser Verbund von Menschen, die sich auf der Foodsaver-Homepage registrieren und ihre Zeit anbieten. Die Organisation ist ziemlich einfach: Die Aktivisten tragen sich in den Dienstplan ein, der auf der Homepage ist. Dann gehen sie in den oder die Märkte und holen die Lebensmittel ab. Weil sie nicht alles selbst und sofort verbrauchen, beziehungsweise verarbeiten könne, haben die Foodsaver zwei „Fair-Teiler“-Stellen in Sigmaringen eingerichtet, an denen sich jeder bedienen kann: In der Burgstraße in einem Fenster beim BUND-Laden und in einem Regal im Frauen-Begegnungszentrum. Dort liefern sie jeden Tag neue Lebensmittel ab, nehmen das mit, was nicht mehr verzehrbar ist, reinigen Regal und Fenster, damit alles sauber und hygienisch bleibt. „Die Regale sind fast jeden Tag leer, wir werfen letztendlich sehr wenig weg“, erklärt Friese.

Die Gruppe wachse ziemlich schnell, berichtet die Foodsaverin. Inzwischen seien schon 50 Foodsaver in Sigmaringen registriert und auch bei den Märkte, die Lebensmittel abgeben, habe es Zuwachs gegeben: Inzwischen sind zehn Märkte aus Sigmaringen, Meßkirch und Mengen dabei, Tendenz steigend. Sie habe begonnen, sich zu engagieren, als sie gehört habe, wie viele Lebensmittel in den Müll landen. „Die Medien haben mich sensibilisiert“, erklärt Friese. In Sigmaringen ist sie, zusammen mit Nadine Natterer, Foodsharing-Botschafterin. Sie sind für die Organisation zuständig. „Wir könnten noch mehr Lebensmittel retten, wenn wir mehr Foodsaver wären“, sagt Tanja Friese.

Der Stand wird gut angenommen: Der eine dankt mit einem freundlichen Lächeln für die Aktion und nimmt eine Tasche voll mit, andere loben: „Sehr gute Sache!“, alle nehmen etwas mit und freuen sich. In Gesprächen erklären die Foodsaver Melanie Störner-Draskovic und Stefan Friese den Besuchern, wie sie durch bessere Planung Verschwendung vorbeugen können. Mit einem Einkaufszettel, erläutern die Foodsaver, kaufe man eher nur das Notwendige ein und müsse so am Ende weniger wegwerfen.

Die Foodsaver leben nicht nur von den geretteten Lebensmitteln, sie sparen auch noch Geld, dass sie in andere Dinge investieren. Tanja Friese berichtet, dass sie damit in Bioläden Produkte einkauft, die sie sich andernfalls nicht leisten könnte. Andere machen sich mit dem Geld im Urlaub eine schöne Zeit.

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