Land setzt Sigmaringen unter Strom

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Das Kabinett beschließt die Elektrifzierung der Bahnlinie in Richtung Ebingen.
Das Kabinett beschließt die Elektrifzierung der Bahnlinie in Richtung Ebingen. (Foto: Roland Rasemann)
Redaktionsleitung

Die Landesregierung hat der Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn zwischen Ebingen und Sigmaringen einen Schub gegeben. Wie das Kabinett am Dienstag beschloss, wird die 27,9 Kilometer lange Strecke im Elektrifizierungskonzept des Landes in den vordringlichen Bedarf aufgenommen. Damit steigen die Chancen, wie bereits berichtet, dass Bahnfahrzeuge aus dem Kreis bei der Fertigstellung von Stuttgart 21 nicht im Dieselloch stecken bleiben. In den neuen Tiefbahnhof dürfen keine mit Diesel betriebenen Triebwagen einfahren. Folglich hätten Fahrgäste aus dem Kreis Sigmaringen mindestens einmal umsteigen müssen. Sollte eine Finanzierung gelingen, könnte die Direktverbindung und auch die Fahrzeit von knapp zwei Stunden erhalten werden. Ansonsten droht eine deutliche Verschlechterung des Angebots.

Da die Elektrifizierung in Sigmaringen enden würden, wäre der Kreis künftig zweigeteilt. Ab Sigmaringen in Fahrtrichtung Aulendorf würden auf der Zollern-Alb-Bahn weiter dieselbetriebene Züge verkehren. Im Konzept des Landes wird das über Mengen, Herbertingen und Bad Saulgau führende Teilstück in der Kategorie langfristiger Bedarf geführt. Das Land stellt in Aussicht, diese Strecken über batteriebetriebene Züge oder Wasserstoffantriebe zu bedienen. „Das Verkehrsministerium plant, die Entwicklung durch konkrete Pilotprojekte zu unterstützen“, heißt es in einem Papier des Ministeriums, das der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt.

Ebenfalls in der Kategorie langfristiger Bedarf bleibt die Donaubahn zwischen Tuttlingen, Sigmaringen, Herbertingen und Ulm. Hierbei ist nicht Stuttgart 21 das Thema, sondern es geht vielmehr um eine schnelle und umsteigefreie Verbindung von Ulm nach Freiburg.

Landrätin lädt zum Gespräch ein

Landrätin Stefanie Bürkle und die Bürgermeister der Anrainer-Gemeinden der Zollern-Alb-Bahn wollen sich am Mittwoch im Landratsamt zusammensetzen, um die Entscheidung der Landesregierung zu besprechen und zu bewerten. Stefanie Bürkle sagte auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“, dass sie sich nach dem Spitzengespräch zum Elektrifizierungskonzept äußern werde.

Bereits im vergangenen Sommer hatten sich die Landrätin und die grüne Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden für die Elektrifizierung der gesamten Zollern-Alb-Bahn stark gemacht. „Wir haben in Sigmaringen auf Verkehrsminister Hermann eingewirkt“, erinnert sich die Abgeordnete an das Gespräch, an dem auch 13 Bürgermeister teilnahmen.

Laut einer Studie zum Schienenverkehr im Kreis Sigmaringen, die das Landratsamt im vergangenen Jahr vorstellte, ist für die Planung und den Bau der Stromleitungen zwischen Ebingen und Sigmaringen und den Ausbau von Bahnhöfen mit Kosten in Höhe von bis zu 70 Millionen Euro zu rechnen. Ungeklärt ist allerdings die Finanzierung: Die Landesregierung macht deutlich, dass für die Ertüchtigung von Bahnstrecken der Bund zuständig sei. Da im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung Investitionen in Elektrifizierung von Bahnstrecken angekündigt sind, will das Land sein Konzept dem Verkehrsministeriums in Berlin vortragen. „Bei Klärung der Finanzierung erscheint eine Umsetzung dieser Maßnahmen bis 2025 möglich“, steht in dem Papier des Ministeriums.

Neben dem Abschnitt der Zollern-Alb-Bahn sind die Bodenseegürtelbahn und vier weitere Teilstrecken vorgesehen. Das Land hat diese Strecken ausgewählt, um Lücken zu schließen. Die rund 200 Kilometer Bahnstrecken mit Oberleitungen zu versehen, soll rund 220 Millionen Euro kosten. Nach Angaben des Landes könnten dann 80 Prozent aller Schienenkilometer in Baden-Württemberg mit Strom betrieben werden.

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