Laiz wird im Laufe der Geschichte gleich zweimal zwangseingemeindet

Lesedauer: 6 Min
Die Laizer tragen ihre Selbstständigkeit zu Grabe.
Die Laizer tragen ihre Selbstständigkeit zu Grabe.
Schwäbische Zeitung

Das lang erwartete Heimatbuch Laiz ist fertiggestellt und wird nun am 23. April der Öffentlichkeit vorgestellt. Die „Schwäbische Zeitung“ bringt vorab vier Beiträge entsprechend den vier Hauptabteilungen des Buches, in denen ein Überblick über die Inhalte geboten wird. Die Ortsgeschichte ist heute das Thema.

Von unserem Redakteur  Christoph Wartenberg

Zwei römische Gutshöfe auf Laizer Gemarkung erinnern an die Besiedlung im 3. Jahrhundert. Die Überreste des einen Hofes wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden, der zweite Hof wurde 1976 bei einer Flugerkundung entdeckt. Bei Laiz gab es für die Straße aus der Schweiz zur Provinzhauptstadt Mogontiacum (Mainz) eine Furt über die Donau.

Aus diesen frühen Zeugnissen kann man auch auf eine frühe Gemeinde im Mittelalter schließen, was erklären würde, warum Burg und Stadt Sigmaringen zunächst dem – vermutlich älteren – Pfarrsprengel Laiz angeschlossen wurden, obwohl Sigmaringen urkundlich früher erwähnt wird. Die enge Verbindung von Laiz und Sigmaringendorf mit Sigmaringen hat also auch historische Wurzeln.

Im Hochmittelalter taucht dann kurzfristig auch ein Laizer Ortsadel auf, der Name Adalbert von Laizen wird als Zeuge in einer Urkunde erwähnt. Ende des 13. Jahrhunderts geht die Herrschaft an die Habsburger über. Im Habsburger Urbar von 1300 sind die Laizer Liegenschaften und ihre Steuerkraft aufgelistet. Man geht für Laiz im Mittelalter von einer maximalen Einwohnerschaft von 200 Personen aus.

Für die 300 Jahre von der Reformation bis zur Französischen Revolution liegt dann bereits kontinuierliches Quellenmaterial zur Ortsgeschichte von Laiz vor. Prägend sind auch für diese Jahrhunderte die bäuerliche Landwirtschaft und die überschwemmungsgefährdete Lage an der Donau. Hier geben vor allem die Steuerunterlagen interessante Auskünfte. Es zeigt sich unter anderem eine deutliche Trennung in wohlhabende Bauern und Tagelöhner. Was aber die Laizer schon immer gekennzeichnet hat, ist ihr Autonomie- und Selbstbewusstsein, mit dem sie sich gegen Herrschaften und Nachbarn behaupten. Das Dreieck zwischen österreichischer Landesherrschaft, hohenzollerischer Ortsherrschaft und Untertanen begünstigte dies.

Ein besonderes Kapitel ist dem Kloster Laiz gewidmet. Das Kloster hat seinen Ursprung in einer Klause aus dem Jahr 1356, direkt neben der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau gelegen. Unter Graf Felix von Werdenberg, der das Kloster nach einem Brand wieder aufbauen ließ, erfährt diese Einrichtung einen großen Aufschwung, der auch durch umfangreiche Stiftungen unterstützt wird. Ein enger Kontakt besteht zum Kloster Gorheim. Das Laizer Kloster wird 1782 durch Kaiser Joseph II. aufgehoben. Unter den rund 15 Frauen, die bis zur Aufhebung im Kloster waren, gibt es keine aus Hohenzollern-Sigmaringen.

Nach den napoleonischen Kriegen werden die Fürstentümer 1813 in den Deutschen Bund aufgenommen. In Laiz gibt es in den Jahern 1816/17 und 1847 wie in ganz Deutschland große Hungersnöte.

Bereits am 15. April 1811 schließt die Gemeinde Laiz mit dem Sigmaringer Fürsten ein erstes Abkommen über die Aufhebung der Leibeigenschaft. 1803 beginnt aus sozialer Not eine große Auswanderungswelle aus Laiz, zunächst nach Osten und später nach Übersee. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts erhält Hohenzollern und damit auch Laiz eine neue Gemeindeordnung mit einem Bürgermeister und Gemeinderäten. Im ersten Weltkrieg beklagt Laiz 31 Gefallene.

92 fallen im zweiten Krieg

Auch in Laiz hat die Zeit des Nationalsozialismus ihre Spuren hinterlassen, auch wenn im Archiv erhebliche Lücken klaffen, wo offensichtlich gewisse Säuberungen stattgefunden haben. Dennoch bleibt in Laiz auch bei unfreien Wahlen lange das katholische Zentrum an erster Stelle in der Wählergunst. Nach 33 dreht sich auch hier das Personalkarussell, einen Widerstand gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung gibt es jedoch nicht. Eines der einschneidendsten Ereignisse in dieser Zeit ist die Eingemeindung nach Sigmaringen am 1. April 1938. Nach Kriegsausbruch werden bei der Firma Eisele zahlreiche Zwangsarbeiter ausgebeutet. 92 Soldaten fallen im Krieg. Am 22. April 1945 rücken die Franzosen ein.

Zum 1. Oktober 1945 wird unter Berufung auf die NS-Diktatur Laiz durch die französischen Besatzungsbehörden wieder von Sigmaringen getrennt. Auch Laiz nimmt zahlreiche Flüchtlinge aus den Ostgebieten auf. In den 50er- und 60er- Jahren steht das Dorf im Zeichen der Modernisierung und Erweiterung, eine neue Brücke über die Donau wird gebaut und der Flussverlauf korrigiert. Mit der Gemeindereform erfolgt 1975 die erneute -- zwangsweise -- Eingemeindung nach Sigmaringen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen