Laiz präsentiert seinen gediegenen Erinnerungsschatz

Lesedauer: 6 Min
Schwäbische Zeitung

Zehn Jahre hat es von der ersten Idee bis zur Realisierung der Laizer Heimatbuches gedauert. Am Freitag wurde es nun mit einem großen Festakt der Öffentlichkeit vorgestellt. Dass den Laizern hier etwas geboten wurde, was sie schon lange haben wollten, zeigte sich durch die Zahl der Besucher: Nur an der Fasnet ist die Turn- und Festhalle genauso voll.

Von unserem Redakteur  Christoph Wartenberg

Ortsvorsteher Werner Kirschbaum fühlte sich „wie auf der Hochzeit“, als er nach den Klängen von Händels Feuerwerksmusik die vielen Gäste begrüßte. Dass die Resonanz auf den Festakt so groß war, bestätigte die Steuerungsgruppe (Heinz Berger, Rolf Fink, Werner Kirschbaum, Lothar Scheit, Karl Sprissler und David Stehle), die das Entstehen des Buches begleitet hatte, in der Erkenntnis, das Richtige getan zu haben. Das von 13 Autoren, neun Fachleuten und vier Laien in viel Kleinarbeit verfasste Heimatbuch kann sich auch sehen lassen, zumal die Verfasser bei dürftiger Quellenlage doch eine umfassende Darstellung hervorgebracht haben.

Bürgermeister Daniel Rapp würdigte in seinem Grußwort diese Leistung und erinnerte daran, dass er seinen ersten öffentlichen Auftritt als Bürgermeister von Sigmaringen bei der Jubiläumsfeier von Laiz vor vier Jahren gehabt habe. Die Feststellung, dass Sigmaringen und Laiz in den vergangenen 35 Jahren einen guten gemeinsamen Weg zurückgelegt hätten, quittierten die Laizer mit freundlicher Skepsis.

Dass die Laizer durchaus nicht unter falscher Bescheidenheit leiden, zeigte das Bläserquintett der Musikkapelle Laiz mit dem Titel „New York, New York“ von Frank Sinatra und auch wenn der Kirchturm wohl das höchste Gebäude von Laiz ist, sieht man sich hier offensichtlich auf Augenhöhe.

Armin Heim, der die Redaktion des Buches übernommen hatte, erinnerte daran, das man Laiz in den vergangenen Jahrhunderten nicht wirklich wahrgenommen habe. So vermelde noch der Heimatdichter Anton Schlude aus Hausen im Tal, Laiz habe nichts Bemerkenswertes zu bieten. Dem sei aber nicht so, stelle doch zum Beispiel die Pfarrkirche Peter und Paul einen der wichtigsten Kulturorte im Donautal dar.

Neue Entdeckung

Auch gebe es im Heimatbuch eine richtige Entdeckung, indem Karl Werner Steim herausgefunden habe, dass der militärische Geheimdienst unter Admiral Wilhelm Canaris im Zweiten Weltkrieg beim Nonnenhof seine Funkzentrale hatte. Laiz sei, wie das Buch belege, „ein Ort mit reicher Vergangenheit. Das Laizer Heimatbuch setze „neue Maßstäbe“. „Das ist das beste Heimatbuch, das ich bis jetzt in den Händen gehalten habe“, betonte Heim.

Kreisarchivar Edwin Ernst Weber, der das Heimatbuchteam sehr unterstützt hat und der auch selbst einen Beitrag für das Buch verfasst hat, zeigte sich in seinem Grußwort beeindruckt vom „bürgerschaftlichen Forscherfleiß“. 200 Jahre Sigmaringer Zeitungsgeschichte haben zwei Mitglieder der Steuerungsgruppe im Kreisarchiv Seite um Seite durchgesehen und alle Stellen, die Laiz betreffen, notiert. Dieses Werk sei ausschließlich eine Bürger-Initiative und nicht von der Gemeinde angeregt. Damit sei ein weißer Fleck in der Landesgeschichte gefüllt worden.

In einem kurzen Gespräch mit den beiden Autorinnen, der Historikerin Doris Astrid Muth und der Kunsthistorikerin Daniela Krezdorn schilderte Muth die schwierige Quellenlage bei der Zeit des dritten Reichs, weil hier offensichtlich auch Unterlagen entfernt wurden, Krezdorn verwies darauf, dass einige Fresken und Grisaillen von Meinrad von Au in der Monografie zu Meinrad keine Aufnahme gefunden hätten, nun aber im Heimatbuch gewürdigt würden.

Auf der Großleinwand wurde dann ein erster Einblick in das Buch geboten, den Werner Kirschbaum humorvoll moderierte, bevor Dekan Christoph Neubrand, der auch einen Beitrag für das Buch geschrieben hat, in seinem Grußwort betonte, dass das Christentum eine Erinnerungsreligion sei. Das Pfarrarchiv habe auch viele Quellen bieten können. So sei ein Stück gemeinschaftlicher Erinnerung entstanden.

Der geistige Vater des Laizer Heimatbuchs, Heinz Berger, erinnerte abschließend an die Entstehung des Buches in den vergangenen drei Jahren. „Wir haben ganz genau gewusst, was wir wollen und dass wir das nicht alles selber schreiben können“, sagte er und dankte allen Autoren, Ratgebern und Sponsoren für ihre Hilfe während der 39-monatigen Zusammenarbeit.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen