Krankenhausbeschäftigte demonstrieren erneut

 Beschäftigte der SRH-Kliniken kämpfen für mehr Entlastung.
Beschäftigte der SRH-Kliniken kämpfen für mehr Entlastung. (Foto: Verdi)
Schwäbische Zeitung

Knapp 100 Beschäftigte der SRH-Kliniken in Sigmaringen, Bad Saulgau und Pfullendorf haben sich am Donnerstag dem bundesweiten Protest für bedarfsgerechte Personalvorgaben angeschlossen. Anlass war die stattfindende Bundestagsanhörung zum Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung am Montag. Die Beschäftigten der Kliniken kritisieren, dass im aktuellen Entwurf erneut keine bedarfsgerechte Personalbemessung auf den Weg gebracht wird, teilt die Gewerkschaft Verdi mit.

„Die Schieflage im Gesundheitswesen wird auf unsere Rücken gepackt. Auf Rücken, die bereits kaputtgearbeitet sind. Rücken, die schon Last tragen“, sagt Annerose K., Verdi-Teamdelegierte aus der Klinik in Sigmaringen. „Wir gehen schon lange auf die Straße! Wir schrieben und schreiben uns an die Verantwortlichen der Kommunal-, der Landes- und der Bundespolitik zum Teil die Finger wund. Wir wurden laut und riefen nach ihnen. Es gilt uns endlich richtig zuzuhören, und das gehörte zu verstehen“, so Annerose K. weiter. Die Wut der Beschäftigten ist groß. Schließlich hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zugesagt, für Entlastung zu sorgen. Im Rahmen der konzertierten Aktion Pflege wurden die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutschen Pflegerat und die Gewerkschaft Verdi damit beauftragt, ein Instrument zur Personalbemessung zu erarbeiten. Seit über einem Jahr liegt dieses vor, die PPR 2.0. Doch passiert ist damit nichts. „Arbeit mit und am Menschen, deren Schicksale wir nicht abschütteln, weil wir den uns anvertrauten, oft hilflosen Menschen zuhören wollen! Sie wahrnehmen. Sie begleiten, sie fördern und gewissenhaft pflegen und behandeln wollen. Das ist unsere Aufgabe, das ist unser Beruf. Und die Pflicht der Politik ist, dies in einem gesunden Rahmen zu ermöglichen. Doch vernünftige Unterstützung lässt sich nicht erkennen“, stellt Annerose K. fest. Es ist wohl anzunehmen, dass die Verantwortlichen auch diesmal wieder nicht zuhören. Denn ein positives Signal für die PPR 2.0 lässt weiter auf sich warten, so die Gewerkschaft in ihrer Mitteilung.

Doch die Forderung nach einer bedarfsgerechten Personalbemessung war nicht der einzige Grund, warum die Beschäftigten auf die Straße gingen. Sie wollten auch ihrem Ärger über den Vorstandsvorsitzenden der SRH-Kliniken, Werner Stalla, Luft machen. „Bei allen Problemen, die wir im Gesundheitswesen haben, müsste man meinen, dass auch die Arbeitgeber ein Interesse an uns Beschäftigten haben sollten und deshalb wertschätzend mit uns umgehen würden. Aber der Umgang in der jüngsten Tarifrunde war alles andere als respektvoll und wertschätzend“, erklärt Dennis Schmatz, Verdi-Tarifkommissionsmitglied in Sigmaringen.

Wie berichtet, haben sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die SRH-Kliniken auf eine schrittweise Lohnerhöhung von 5,9 Prozent geeinigt. Zudem wird der Nachtzuschlag erhöht und eine weitere Corona-Prämie ausbezahlt.

Die SRH-Führung hatte, nachdem die Mitglieder der Gewerkschaft dem Verhandlungsergebnis bereits zugestimmt hatten, Teile des Ergebnisses wieder zurückgenommen. Erst die Androhung von Notdienstverhandlungen und Streiks der Beschäftigten aus der SRH in Sigmaringen, Bad Saulgau und Pfullendorf hätten die SRH dazu gezwungen, das ursprüngliche Angebot sogar noch aufzubessern. „Umso amüsanter finde ich es, dass sich die SRH-Führung in der Presse nun hinstellt, als wären sie auf die Beschäftigten zugegangen um sich so als großzügigen Arbeitgeber darzustellen“, wird Jannik Widon, Gewerkschaftssekretär bei Verdi, zitiert.

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