Konzert begeistert Zuhörer

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 Das Kölner „Schuppanzigh Quartett“ spielt im Hofgarten.
Das Kölner „Schuppanzigh Quartett“ spielt im Hofgarten. (Foto: Hans-Hinrich Renner)
Hans-Hinrich Renner

Es ist ein Klang, auf den man sich einhören muss: Streichquartette der Klassik, gespielt in historischer Aufführungspraxis. Und doch: Die Kommunikation mit dem Publikum gelingt so fast besser, die Musiker spielen mit einer überstarken Artikulation und versprühen einen Mitteilungsdrang, wie man ihn sonst bei Streichquartettabenden eher selten verspürt.

Das Kölner „Schuppanzigh Quartett“ besteht aus namhaften Musikern der Alte-Musik-Szene, die auch weltweit mit bekannten Ensembles Karriere gemacht haben: Anton Steck und Katja Grüttner, Violine, Christian Goosses, Viola, und Werner Matzke am Cello.

Die Wahl der Werke war durchaus exquisit und wohlüberlegt: verbunden waren sie durch die gemeinsame Opuszahl 18 und das gemeinsame Entstehungsjahrzehnt etwa von 1800 bis 1810. Zur Standartliteratur zählt wohl nur das F-Dur Quartett von Beethoven, das erste aus der op. 18 Reihe, und das erste Streichquartett des Komponisten überhaupt.

Um es vorweg zu nehmen: Von diesem letzten Werk des Abends spielte das Quartett eine interessante Frühfassung, die tatsächlich, wie Anton Steck, der erste Violonist, erläuterte, experimentierfreudiger und harmonisch farbiger klang als die bekannte Version. Trotzdem wird es nicht nur die Rücksicht auf den Zeitgeschmack gewesen sein, sondern auch musikalische Gründe gehabt haben, warum Beethoven nur die klassisch geglättete Spätfassung autorisierte. Die frühe Version zu hören war jedenfalls für Kenner des Werkes absolut spannend und gab einen aufschlussreichen Einblick in die Arbeitsweise des Komponisten.

Spielerisch leicht klang dagegen das zur Eröffnung des Abends gespielte op. 18 des relativ unbekannten französischen Komponisten Pierre Rode. Rode war selber Violinist, was man auch an den immer wieder eingestreuten virtuosen Passagen in der ersten Geige bemerken konnte. Der naturgemäß etwas dünnere Klang der authentisch eingerichteten Instrumente wurde durch viel Artikulation und sehr genaues Zusammenspiel ausgeglichen. Hier drängte sich niemand in den Vordergrund, keiner der Musiker stellte seine Individualität zu stark heraus. Alle ordneten Spiel und Phrasierung stets der gemeinsamen Sache unter, so dass ein perfekt ausgewogener Gesamteindruck entstand, der auch zur Größe und Akustik des Sigmaringer Hofgartens passte.

Einen ganz anderen Charakter als Rodes Quartett hatte das nächste Werk, das op. 18/3 des böhmischen Komponisten Franz Krommer, der in Wien lebte und arbeitete. In Krommers Personalstil bemerkt man die Nähe zu Haydn, wenngleich er auch versucht, überall neue Wege zu gehen. So wird etwa der Mittelsatz, das Menuett, schon bei Haydn ausdrucksmäßig verändert. Bei Krommer aber entsteht ein dramatischer Satz, in dem vom ursprünglichen Tanzcharakter kaum noch etwas übrig bleibt.

Als Zugabe erklang noch einmal eine Kurzfassung des Beethoven-Scherzos, dem dritten Satz des gespielten op. 18/1.

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