Kommen doch Flüchtlinge in der Kaserne unter?

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Schwäbische Zeitung
Redakteur Sigmaringen

Gerüchte gab es bislang immer wieder und wenn man Zwischentöne deuten konnte, dann waren Verantwortliche wie Landrätin Stefanie Bürkle oder Bürgermeister Thomas Schärer durchaus nicht sicher, dass die Sigmaringer Graf-Stauffenbergkaserne nicht doch wieder als Bedarfs-Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge infrage kommt.

Nun gibt es Medienberichte, dass tatsächlich die Sigmaringer Kaserne wieder im Gespräch ist. Nachdem bis Ende April schon einmal Flüchtlinge vor allem aus dem Kosovo in der Kaserne untergebracht waren, hatte es aus dem Integrationsministerium zunächst geheißen, das eine weitere Unterbringung von Flüchtlingen nicht vorgesehen sei.

Diese Pläne scheinen nun angesichts der Flüchtlingswelle hinfällig zu sein. Erstaufnahmestellen wie in Meßstetten sind zu 50 Prozent überbelegt und das Land sucht händeringend nach neuen Quartieren, zumal einige Erstaufnahmestellen noch im Bau sind. Die Situation ist dramatisch. Allein im Juni diesen Jahres muss das Land wohl über 4000 Flüchtlinge unterbringen. „Solche Mengen hatten wir zuletzt von 20 Jahren“, sagt der Pressesprecher des Integrationsministeriums, Christoph Häring.

Ministerialdirketor kommt nach Sigmaringen

Häring bestätigt, dass bereits am heutigen Dienstag eine Begehung der Kaserne stattfinden wird. Der Amtsleiter, Ministerialdirektor Wolf-Dietrich Hammann will sich die Kaserne auf ihre Eignung zur Unterbringung von Flüchtlingen ansehen.

Es sei allerdings noch gar nichts festgelegt oder beschlossen, betonte Häring und verwies auch auf die Zusicherung, dass das Landeskinderturnfest wie geplant stattfinden kann.

Auch Beate Fritz, Pressesprecherin des Rathauses, bestätigte den Besuch des Ministerialdirektors, betonte aber ebenfalls das Versprechen des Integrationsministeriums hinsichtlich des Turnfestes vom 24. bis zum 26. Juli, zu dem 5000 Menschen – Kinder und Betreuer – erwartet werden. „Die Unterbringung der Kinder steht bereits fest, das wurde schon aufgeteilt, wer wo untergebracht wird“, sagt Fritz.

Überlegungen, ob man parallel zum Turnfest auch noch Flüchtlinge unterbringen kann, sind wohl angesichts der Raumkapazitäten nicht umsetzbar. Nach dem Turnfest könnten die Pläne konkreter werden.

Nach nunmehr bestätigten Medieninformationen will die Delegation des Ministeriums heute mit Vertretern der Stadt und des Landkreises sprechen.

Eine Belegung der Kaserne wäre allerdings zunächst nur bis zum 31. Dezember möglich, da zu diesem Zeitpunkt der Mietvertrag für die Kaserne durch die Bundeswehr gekündigt ist und die Liegenschaften dann an die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) zurückfällt. Dann müsste die Bima einer Unterbringung von Flüchtlingen zustimmen.

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