Kohlekraftwerk: Stadt rechnet neu

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Freie Fahrt für Atomkraft: Der Beschluss der Bundesregierung hemmt die Investitionsbereitschaft der Stadtwerke. In Sigmaringen w
Freie Fahrt für Atomkraft: Der Beschluss der Bundesregierung hemmt die Investitionsbereitschaft der Stadtwerke. In Sigmaringen w (Foto: ddp)
Schwäbische Zeitung

Die Stadtwerke Sigmaringen reagieren mit Enttäuschung auf die Entscheidung der Bundesregierung, die Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verlängern. Kommunale Investitionen stünden auf dem Prüfstand, heißt es im Sigmaringer Rathaus. So will die Stadt ihre Beteiligung am Kohlekraftwerk Brunsbüttel überdenken.

Von unserem Redakteur  Michael Hescheler

Die Stadtwerke fühlen sich benachteiligt. Die Bundesregierung schlage sich einseitig auf die Seite der vier großen Stromkonzerne, kritisieren sie. Den Wettbewerb auf dem Strommarkt zu beleben, wie von den Stadtwerken beabsichtigt, werde verhindert. Momentan werden 80 Prozent des Energiebedarfs von den großen vier Konzernen erzeugt. „Wir kommen nicht gegen die Strompreise von abgeschriebenen Atomkraftwerken an“, sagt Oliver Dreher, der kaufmännische Leiter der Stadtwerke Sigmaringen.

Die Folge: Investitionen in erneuerbare Energien oder andere Kraftwerke würden aufgeschoben und abgeblasen. Beispiel: Kohlekraftwerk Brunsbüttel, an dem sich die Stadtwerke Sigmaringen beteiligen möchten. Sollte der dort erzeugte Strom nicht zu den Preisen verkauft werden können, wie bislang kalkuliert, könnte es sein, dass sich die Investition nicht mehr rechnet. Deshalb müsse der Gemeinderat entscheiden, ob er die Beteiligung aufrecht erhält, sagt Oliver Dreher.

Im Gegensatz zu Windkraftanlagen, wo der Betreiber eine garantierte Vergütung pro Kilowattstunde erhält, bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis für den im Kohlekraftwerk erzeugten Strom. Die Beteiligung am Offshore-Windpark Bard 1 in der Nordsee ist aus Sicht Drehers deshalb weiter rentabel.

Unabhängig vom Atomkompromiss der Bundesregierung rechnen die Stadtwerke mit höheren Strompreisen. Wegen des steigenden Anteils an erneuerbarer Energie, muss der Gesetzgeber für die Vergütung tiefer in die Tasche greifen. Da sich der Staat dieses Geld von den Stromversorgern zurückholt, rechnet Oliver Dreher mit steigenden Preisen. Von derzeit zwei Cent pro Kilowattstunde erhöhe sich der Anteil auf drei bis vier Cent. Ob die Stadtwerke diesen Preisanstieg zum 1. Januar weitergeben, werde der Gemeinderat voraussichtlich im November entscheiden.

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